Nur gesund sind wir tatkräftig

Plötzlich Schreie auf dem Hof, dann ein Motorbike, das sich schnell entfernte. Auf Wegen so breit wie Motorradreifen folgten wir dem Motorbike, das Mr Thoeun mit gebrochenem Arm über die Reisfelder zur kleinen Hütte eines Khmerheilers transportierte. Dort hielten ihn zwei Männer fest, während zwei andere an seinem Arm zogen um den Knochen wieder einzurichten, der aus dem Arm herausragte. Zur Desinfektion goss der Heiler Reiswein über den Bruch. Dann band er ihn mit einem Lehmverband so fest ein, dass Thoeuns Hand am nächsten Tag auf das Dreifache angeschwollen war. In diesen Tagen lernte ich das Khmerwort für Schmerz. Als Thoeun nach ein paar Tagen hohes Fieber bekam und die Schmerzen nicht nachließen, fuhren wir ins Krankenhaus. Da war der Knochen schon infiziert und die Ärzte wollten den Arm abnehmen. Es folgten drei Monate stationäre Behandlung und diverse Operationen, in denen das gesamte Gewebe am Arm entfernt werden musste. Thoeuns Arm konnte gerettet werden, doch er kann ihn bis heute nur sehr eingeschränkt bewegen. Seine Finger sind steif geblieben. Sein Arm trägt noch die Spuren des Metallgestells, das monatelang in den Knochen geschraubt war.

Vanessa Pabst, Wien.


Thoeun und behinderte Volleyballspieler mit Prothesen - Gesundheitswesen ist ein Schlüssel zur Entwicklung Kambodschas
Ähnliche Katastrophen geschehen leider viel zu häufig. Auf 6400 Menschen kommt in Kambodscha lediglich ein Arzt (in Deutschland sind es 270). Von den 6400 können sich die wenigsten eine Behandlung leisten. Schlimme Krankheiten und Verletzungen bleiben unbehandelt und werden unsachgerecht versorgt, oft mit verheerenden Folgen. Durch rechtzeitiges Handeln und finanziellen Beistand könnte das Schlimmste verhindert werden. Sorya e.V. ist keine medizinische Organisation – im Angesicht der vielen Einzelfälle müssen wir dennoch Antworten finden. Vereinsziel ist so eine bessere medizinische Versorgung der Menschen in der Rovieng Kommune. Wir organisieren Krankentransporte zu Krankenhäusern in Takeo und Phnom Penh, bezuschussen Behandlungskosten oder unterstützen mit Medikamente.

Wäre Kambodschas Gesundheitssystem selbst ein Patient, sein Zustand wäre lebensbedrohlich: Die vielen Opfer von Landminen, Verkehrsunfällen und den schweren Krankheiten AIDS, Tuberkulose, Malaria und Dengue bekommen nicht die nötige Behandlung. Die meisten Erkrankungen sind jedoch auf unsauberes Wasser und verunreinigte Nahrung zurückzuführen. Im Rahmen des Regenwasserprojektes will Sorya e.V. alle Familien der Umgebung mit Regenwassertanks für sauberes Trinkwasser ausstatten.

Weitere Schwerpunkte sind:
- Impfungen von Kleinkindern in Zusammenarbeit mit der örtlichen Gesundheitsstation
- Versorgung Bedürftiger mit angepassten Brillen, Krücken und Prothesen
- Schulungen der Mitarbeiter und Schüler zu Gesundheit und Hygiene
- Zusammenarbeit mit anderen Organisationen zur HIV/AIDS-Aufklärung, zur Verbesserung der Wasserversorgung und zur Behandlung von Fehlsicht und Augenleiden.

Gesundheit ist der Schlüssel zu Entwicklung und Fortschritt. Wer krank ist, bestellt nicht das Feld und verdient nicht das Geld, von dem er sich Medikamente leisten könnte. Dann muss die einzige Kuh verkauft werden. Die Pflege eines Kranken legt die ganze Familie lahm. Eine Krankheit oder Verletzung ist so oft der Beginn einer fatalen Abwärtsspirale. Wir wollen gemeinsam dafür sorgen, dass das anders wird.