Soryas Blogspot: Geschichtenerzählung aus Kambodscha

Let’s kick off Viola’s Yard & Mathilda’s data center in Mila’s Villa Villekulla

December 10th 2015

Hello, my name is Mila. I am already five months old! I am the namesake of a new school building in Caaaambodia! My house shall be called "Mila’s Villa Villekulla" and is right next to the school of my big cousin Alysha. There are two classrooms. In one of the classrooms only little kids are allowed to play, to learn and to make a lot of nonsense. The nursery room is called "Viola's Yard", that’s the name of my best mate! I already have a kindergarten teacher. Her name is Srey Leark and if I am one year old, she will be 19 times older than me. My kindergarten is very, very new and 20 children, who are all coming from the village Tropang Sdock, are playing inside.
My second room carries the nameplate of my friend Mathilda. In "Mathilda's data center" many smart foxes will gain a lot of experience with computers so that they have the best qualifications to study at a university or to get a job after high school.
I just have a small problem. "Viola's Yard" and "Mathilda's data center" are still empty. If I collect lots of thalers with your support over Christmas, all children of my Villa Villekulla will have a lot of fun at the beginning of next year. All my friends will be very thankful and happy for every golden thaler we collect :-)
I wish you all a Merry Christmas
Sincerely yours
Mila

Donation Account: Sorya e.V.
Usage: Milas Villa Kunterbunt
IBAN DE74 2005 0550 1022 2188 44
SWIFT (BIC) HASPDEHH

My day with the "Safe Drinking Water Project"

December 2012

I awake early in the cool of the morning. The first rays of sun creep over the slopes of Phnom Chiso. My moto takes me by dusty roads to the building site in the village of Kandal. Here we are - the cement builders, a pile of sand, bags of cement, casting moulds - and I, Sim Thoeun, the project manager of the 'Safe Drinking Water Project'. What do we want to achieve? Safe drinking water for 1,050 people by building 210 rainwater tanks. Those harvest rainwater and store it for the dry season. Thus diseases and cost of medical treatment are reduced considerably for the people of the villages.
Our cement builders are highly motivated and work very hard at the sun-drenched sites in the countryside. Now the koyun of Sorya has arrived to drive the casted rings to the ground of a recipient family. The foundation from crushed gravel is already prepared - it has to stand more than 1.5 tons (when the tank is filled). But before the cement rings become a rainwater tank, we have to roll these along narrow paths to the house. We set up a hand block and tackle to pull the rings at a height of 2,50 meters. Pipes are connected to the gutter of the roof and to the 'first flash diverter'. When it starts raining the first flush of contaminated water from the roof is diverted into that overflow-pipe to prevent the debris of dirt in the tank. In total these works take one to two days to finish.
At noon I drive back to Sorya's school at Tropang Trea. With our teachers I look into the first successes of our students who have posted their opinions on the project on the donation platform of 'betterplace'. They had searched online about background details of betterplace. But more important, they grabbed the chance to improve their English skills. And indeed, they have trigged donations for the project.
In the afternoon the recipient families of the Kandal village gather for the hygiene workshop. I teach how to use and to maintain their tanks. The families have paid goodly contributions according to their financial situation - and own THEIR tank. Finally each family gets a ceramic filter. Its ceramic pot retains turbidity and bacteria when filled up with water from the tank - resulting safe drinking water.
"Lucky me! We have rainwater container. We have enough water to use. We can drink it, need no time to boil because it is safe drinking water. It save time and money and bring good health", thanks a happy woman from Kandal village.

The sun is setting behind the trees, when I come back home and to see my family again. Looking back, it was a proud day for the Sorya development organisation - for the cement builders, the people from the villages, for our students and  for our teachers. On a day like today the beliefs and values of Sorya - honesty, liberty, friendship, happiness – come together to unite a community, the home of Sorya.


Hello!

Juli 2012

Es kommt einem vor wie das beliebteste Wort in Kambodscha “hello” und manchmal wirkt es wie ein Wettbewerb zwischen den Kindern: Wer kann am lautesten Hello schreien. Die Begeisterung lässt nicht nach, auch wenn ich 10 Mal hintereinander die gleiche Strecke hin- und herfahre.
Ich werde SMS wie „Teacher, I miss you“ oder „Teacher, do you have freetime?” um halb 6 morgens vermissen. Meine Schüler sind einfach toll und unheimlich wissbegierig. Letzte Woche haben wir einen Ausflug nach Phnom Penh auf die Killing Fields gemacht. Wir haben fast vier Stunden dort verbracht und sind mit Audioguides rumgelaufen. Es haben sich alle richtig viele Notizen gemacht, ich bin gespannt wie die Auswertung im Unterricht diese Woche wird.
Ich werde vielleicht auch Reis vermissen, ich freue mich eigentlich jeden Abend auf meine große Portion. Wenn ich mit Srey Touch bei ihrer Familie ankomme wird mir immer sofort gesagt: “Isabelle, iss Reis und setz dich hin.“ Dann werde ich noch 4 Mal darauf hingewiesen, dass ich mehr Reis essen soll, bis ich irgendwann platze. Dort bei der Familie zu sitzen werde ich auf jeden Fall vermissen.
 Die immerwährende Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen würde ich gerne mit nach Deutschland nehmen. Auch solche Situationen sind toll: Man sitzt im Bus und unterhält sich nur kurz mit einem anderen Mädel, dass es sich dann gemütlich macht, mir Essen anbietet, dann den Kopf auf meine Schulter legt und schläft. Ich hab aber wahrscheinlich auch einfach die optimale Anlehngröße gehabt.
Isabelle, Volontärin von Weitblick in Tropang Sdock, www.weitblicker.org/WEITWEG-Blog


MAI

Mai 2012

Im Mai gibt es hier noch mehr Feiertage, als in Deutschland und falls ein Feiertag auf das Wochenende fällt, wird er selbstverständlich auf die folgende Woche verschoben. Letzten Sonntag hatte der König Geburtstag und in Folge dessen hatten wir Montag, Dienstag und Mittwoch frei!

An einem Tag bin ich mit zwei Lehrerinnen auf den Phnom Chisor gegangen. Das ist ein Berg, der ungefähr fünf Minuten mit dem Moto von hier entfernt ist. Man läuft nur circa 15 Minuten hoch, ist danach in der Hitze aber so schweißgebadet, dass es fast schon tropft. Die Aussicht lohnt sich aber wirklich!

Wir haben fast drei Stunden dort oben verbracht und sind im Tempel herumspaziert oder haben auf Steinen rumgeturnt.

Abends esse ich jetzt immer bei Srey Touch mit, die wohnt genau neben der Schule. Es ist wirklich total toll, alle sind sehr nett und das Essen schmeckt mir auch gut! Es gab Reis mit Wasserlilie, mit einer Ingwerpaste, Kürbis, saure Suppe mit Fisch und schon so vieles mehr… Danach hocken sich dann alle immer auf eine Bambusmatte vor den Fernseher, richtig gemütlich. Zwischendurch fällt dann mal der Strom aus und man sitzt im Dunkeln rum.

An freien Tagen bekomme ich auch immer viel Besuch von den Kindern. Gestern haben sie mir viele Blumen mitgebracht und dann sind wir am Brunnen rumgesprungen. Auch Schüler waren schon hier und es ist sehr interessant sich mit ihnen zu unterhalten.

Sie haben mir erzählt, dass es ihr größter Traum ist mal nach Amerika oder Kanada zu reisen, um genau zu sehen wie die Wirtschaft in diesen Ländern funktioniert und ihre Erfahrungen dann mit in ihr eigenes Land bringen zu können, um es weiter zu entwickeln. Auch möchten sie lernen, wie Kambodscha die eigenen natürlichen Rohstoffe weiter verarbeiten kann- allem voran Öl, das bisher nur exportiert wird und als Benzin dann wieder importiert wird. Viele Schüler möchten später auch in der Politik aktiv sein.

Isabelle, Volontärin von Weitblick in Tropang Sdock, www.weitblicker.org/WEITWEG-Blog


GUT

März 2012

Meine Tage in Tropeang Trea sind gezählt. Bald werde ich Abschied nehmen und für 3 Wochen noch weitere Teile Kambodschas bereisen. Am Freitag habe ich meinen Abschied von Sorya Cambodia gefeiert. Wir haben Fische gegrillt. Dazu gab es Mangosalat, Reis und Palmwein, der leider nicht so gut schmeckte, wie ich erwartet habe. Trotz dieser kleinen Enttäuschung war es ein schöner, wenn auch etwas zu früher Abschied von meinen Kollegen. Ich werde das Team und vor allem die Schüler und das “Dorfleben” sehr vermissen. Da dies auch einer meiner letzten Blogeinträge sein könnte, heute noch eine kleine Anekdote aus meinem Schulalltag.

Es kommt manchmal vor, dass mir aus Versehen deutsche Worte herausrutschen. Ich sage manchmal “also” oder “nee” oder “gut”. In meiner Elementary Class fingen alle Schüler an zu lachen, als ich einmal “gut” anstatt “good” benutzte, nachdem ein Schüler etwas vorgelesen hatte. Ich dachte, sie fänden die Aussprache dieses Wortes sehr witzig und erklärte ihnen, dass das englische Wort “good” im Deutschen “gut” heiße. Weiterhin Gekicher… Ich machte mir einen Spaß daraus und verwendete in den folgenden Stunden immer wieder das Wort “gut”, um meine Schüler zu loben. Ich erntete dafür immer  einen Lacher und fühlte mich als “coole” Lehrerin, die Scherze mit ihren Schülern macht. Bis mich mein Khmer-Coteacher Bun Rong (der eigentliche Lehrer der Klasse, mit dem ich zusammen unterrichte) darauf hinwies, dass “gut” auf Khmer “Po” bedeutet. Da wurde mir einiges klar! Meine Schüler lachten nicht MIT mir, sie lachten ÜBER mich. Ich denke, ich werde in meinen letzten vier Unterrichtsstunden meinen Switch zwischen Englisch und Deutsch – bzw. in diesem Falle Khmer – tunlichst vermeiden.

Sina Hundertmark, Volontärin von Weitblick in Tropang Trea,  www.weitblicker.org/WEITWEG-Blog


ZOOBESUCH MIT MEINER CONVERSATION CLASS

Januar 2012

Seit einem Monat sprechen wir in der Conversation Class über Tiere, die in Kambodscha heimisch und vom Aussterben bedroht sind. Jeweils ein oder zwei Schüler bekamen einen Text von mir über eine bestimmte Tierart, zu der sie eine Präsentation vorbereiten sollten. Als wir das Thema und die Texte auswählten, hatte ich grosse Zweifel daran, dass Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren sich für Zootiere interessieren könnten. In Deutschland wäre ein solches Thema vermutlich ein “Griff ins Klo” gewesen. Hier hingegen war es ein echter Erfolg! Die Schüler entwickelten einen unheimlichen Ehrgeiz und trafen sich sogar, als ich eine Woche lang nicht da war und der Unterricht normalerweise ausgefallen wäre.

Als Höhepunkt war ein Ausflug in den Phnom Tamao Zoo geplant, den grössten Zoo Kambodschas, der nur ca. 20 km von unserem Dorf entfernt liegt. Die meisten meiner Schüler waren noch nie zuvor im Zoo gewesen und kannten die Tiere, die sie vorstellen sollten, meist nur aus dem Fernsehen. Entsprechend gross war die Vorfreude. Dass wir in den Zoo fahren, hat sich dann ziemlich schnell herumgesprochen, sodass wir im letzten Monat einen enormen Zuwachs in der Klasse hatten. Am letzten Sonntag war es soweit. Um acht Uhr morgens wurden wir von drei Tuk-Tuks in der Schule abgeholt und fuhren gemeinsam zum Phnom Tamao.

Die Schüler hatten ihre Plakate mit den Präsentationen mitgebracht und waren unsere Tourguides durch den Zoo… Sowan und You halten ihren Vortrag über das ''Eld's Deer", während ein Vertreter dieser Spezies gerade ihre Präsentation auffrisst.. Lihour ist Experte für "Sun Bears". Sokol hat uns soeben in seinem Vortrag erklärt, dass Gibbons sehr lange Arme haben. Im Augenblick scheint er das jedoch vergessen zu haben und wagt sich zu dicht an das Gehege heran. Pötzlich packt ihn der Affe an der Schulter und zerrt ihn gegen den Zaun. Zum Glück kommt er mit einem Kratzer davon... Drei Stunden liefen wir durch den Zoo und hatten sehr viel Spass. 

Zurück in der Schule assen wir auf der Dachterrasse zu Mittag… Dieses Khmer-Barbecue, das wir uns nach unserem Zooausflug gegönnt haben, heisst “goa da phnom” (die Kuh, die auf den Berg geht). Man braucht dafür eine spezielle Pfanne, die auf dem Gasherd steht und in der Mitte eine Wölbung hat, auf der das Fleisch brät. Sehr tschnanj!

Meine Tage hier im Dorf sind gezählt. Schon am Montag werde ich nach Phnom Penh fahren und Dienstag nach Hause fliegen. Der Abschied von den Schülern gestern war sehr traurig und ich bereue es zutiefst, sie nicht länger unterrichten zu können. Ich bin erstaunt, dass sie mir nach nur drei Monaten so sehr ans Herz gewachsen sind! Jetzt steht mir noch der Abschied vom Team und vom Dorf bevor…

Ich habe meinen Aufenthalt in Kambodscha und besonders hier in Tropang Trea unendlich genossen und bin sehr glücklich darüber, dass ich dieses wunderschöne Land und so viele tolle Menschen kennen lernen durfte. Ich hoffe, dass ich so schnell wie möglich zurückkommen kann!

Victoria von Plettenberg, Volontärin von Weitblick in Tropang Trea,  www.weitblicker.org/WEITWEG-Blog)


ICH ENTDECKE IMMER WIEDER NEUE DINGE

September 2011

Dinge zu mich auch immer wieder überraschen. Kürzlich bin ich mit Srey Touch zum Markt gefahren. Ich habe sie nur gefragt, ob sie fahren will oder ob ich fahren soll.

„I cannot drive if I’m driving with you!“
„Why?“
„Because it’s wrong!“
„Why?“
„I don’t know. It’s wrong.“
„So it is not ok that a woman drives a moto and the man sits behind her?!“
„No, actually it’s ok.“
"So why can’t you drive?“
„It will look strange.“

Das ist wirklich ein herrlich festgefahrenes Dogma. Am Tag danach hab ich mal meine Schüler gefragt. Die Hälfte war auch der Meinung das das nicht gut ist (ohne es erklären zu können) die andere Hälfte fand’s in Ordnung.

Nächstes Beispiel: Ich hab auf Phnom Chisor gegen Abend einen Haufen Jungs und Mädels im Alter von ca. 17 Jahren getroffen. Ohne Eltern. Alleine. 

Am selben Abend hab ich einen 21 Jahre alten Khmer getroffen und ihn gefragt, was er davon hält. Er findet es vollkommen falsch. Warum?

Die Jungs und Mädels imitieren südkoreanische Jugendliche. Die Mädchen tragen kurze Hosen. Und außerdem sollen sie warten bis die Eltern jemanden gefunden haben den sie heiraten werden. Bis dahin haben sie sich gefälligst nicht mit Jungs zu treffen.

Ich schlussfolgere daraus, dass Kambodscha gerade ganz schön im Umbruch ist. In Phnom Penh ist das was ich geschildert habe nichts ungewöhnliches mehr. Es schwappt auch auf die Dörfer über.

Alle die ich gertoffen habe und die über ca. 21 Jahre alt sind, sind noch sehr konservativ. In der Gruppe der 16 bis 19 Jährigen (meine Schüler) sind schon erhebliche Brüche erkennbar. Die einen sehr konservativ, die anderen (in unseren Augen immer noch konservativ) brechen teilweise mit den Traditionen. Das äußert sich zum Beispiel in der Meinung zum „Motofahren“-Thema von oben, darin dass die Mädchen Hosen tragen, darin dass sie sich heimlich auf Phnom Chisor treffen oder dass Mädchen sich neben einen Jungen setzen (z.B. in der Schule).

Julian, Volontär von "Weltwärts" in Tropang Trea, Auszug aus seinem Blog


AM “ORT DER AUFGABE”

August 2011

“I walked across an empty land
I knew the pathway like the back of my hand
I felt the earth beneath my feet
Sat by the river and it made me complete”
“Somewhere Only We Know “ by Keane
Ich stehe morgens um 6h auf (länger schlafen ist nicht wegen Lärm und Hitze) und gehe dann kalt duschen. Das kann frühmorgens tatsächlich auch sehr frisch sein. Hätte ich nicht gedacht, dass ich hier tatsächlich auch mal frieren sollte. Meine erste Klasse fängt erst um 12h an, so dass ich von 6h bis 12h mit Unterreichtsvorbereitung und Marktbesorgungen beschäftigt bin.
Vor 12h wird dann gekocht und gegessen. Heute gabs (Eigenkreation aus Resten) „Gebratenen Reis mit Zwiebeln, einer Chili, Salz, Holy Basil, grünen Tomaten und einem Entenei“
Um 12h beginnt dann meine Reading Class. Wir lesen gerade “Alice’s Adventures in Wonderland”. Es ist immer wieder witzig, was es für merkwürdige Begriffe in diesem Buch gibt. So passiert es durchaus mal, dass ich rätselnd vor der Klasse stehe und im Wörterbuch blättere. Denn wer weiß schon, was ein Caterpillar oder eine Cheshire Cat ist. Die Reading Class macht mir richtig Spaß und Samstag versuche ich in Phnom Penh den Disneyfilm zu besorgen. Den schauen wir dann gemeinsam an, wenn wir das Buch durch haben, was nicht lange dauern dürfte, da die Schüler sehr fit sind.
Von 13h bis 16h hab ich dann eine Pause, die ich, denke ich, in näherer Zukunft zu schließen versuche. Momentan mache ich in der Zeit sowas wie das Konzept vom Morgen nochmal umschmeißen oder (wie jetzt gerade) Blog schreiben oder Emails checken.
Um 16h wartet dann meine Conversation Class auf mich, mit der ich heute versuchen werde, ein Thema zu finden, mit dem wir den Rest der Woche füllen können.
Die letzte Klasse des Tages ist dann die Intermediate Class. Hier arbeite ich momentan noch relativ viel mit dem Buch, doch ich denke, dass ich nächste Woche Briefeschreiben oder Ähnliches angehen werde und erst danach die nächste Lektion aus dem Buch beginne.
Nach 17h ist dann auch schon 4h vor dem Schlafengehen. Es wird also noch gegessen (gestern Abend gab es ein „Welcome Dinner“ auf der Terrasse mit dem Mitarbeitern hier) und dann wartet auch das Bett.
Julian, Volontär von "Weltwärts" in Tropang Trea, Auszug aus seinem Blog

ANGKOR, 42°C UND EIN BISSCHEN MONSUN

11. Mai 2011

Im April, in Kambodscha der heißeste Monat des Jahres, durfte ich gleich zweimal das riesengroße Wunder Angkor Wat bestaunen. Erst zusammen mit 15 Schülern, 2 weiteren Voluntären und einem Lehrer (Vibol), später noch einmal mit meiner Mutter und einer Freundin, die zu Besuch hier waren ( und zurück in Deutschland an schrecklicher Kambodscha-Sehnsucht leiden) .

Die Klassenfahrt wurde von Sorya ermöglicht, als Möglichkeit für die Schüler (alle zwischen 17 und 20), das weltberühmte Wahrzeichen ihres Heimatlandes zu Augen zu bekommen. Und die Weltberühmtheit hat sich Angkor tatsächlich verdient: Ein riesiges dschungelartiges Gelände voller verborgener Schätze; jahrtausende alte Tempel und Städte zwischen (ebenso alten) von Menschenhand angelegten Seen und steinverschlingenden Bäumen. Wir hatten drei Tage in der Tempelanlage selbst, außerdem noch einen Tag in Siem Reap, der nächsten Stadt (voller Touristen) und jeden Abend fielen alle von uns überwältigt und hundemüde ins Bett.  Highlights waren auf jeden Fall der berühmteste Tempel Angkot Wat, außerdem Ta Prohm (in dem Angelina Jolie als Lara Croft herumklettert, weshalb  er auch als der Tomb Raider Tempel angepriesen wird) und das Burger-Essen im Lucky Burger. Von allen 15 Schülern hatte bisher nur ein Mädchen zuvor schon einmal in einen Burger gebissen, und die Reaktionen der restlichen 14 waren unterschiedlich, aber sehr witzig. Die einen bissen einmal hinein, verzogen das Gesicht und waren “satt”, andere zückten ihre Handys und machten Beweisfotos für alle Neugierigen daheim und wieder andere fingen an, den Burger von oben nach unten “abzudecken” und eine Schicht nach der anderen zu essen. Ein paar waren aber auch auf die Idee gekommen, uns beim Essen zu beobachten, und innerhalb von einer Minute war ihr “Lucky Menu” vernichtet. Alles in allem fuhren die Schüler glücklich (weil sie schon an Heimweh litten), verwirrt ( Siem Reap wimmelt nur so von Touristen, nie zuvor hatten die Schüler so viele Weiße auf einem Fleck gesehen) und stolz ( sie hatten Angkor gesehen, Burger gegessen, Fotos gemacht und kehrten garantiert als Helden heim) nach Hause zurück.

In der Zeit danach wurde es immer heißer, morgens um elf hatten wir zwischendurch 42 Grad und man konnte eigentlich nur stumpf herumsitzen und faul auf den Nachmittag und die damit verbundene Abkühlung (nur noch 30 Grad) warten. Zum Glück fällt in diese unglaublich heiße Zeit das Khmer New Year, wir hatten Ferien und wurden nur abends genötigt, mit unseren Nachbarn das starke kambodschanische Bier zu trinken und Runde um Runde um einen Tisch zu tanzen.

Jetzt – endlich- regnet es ungefähr jeden zweiten Tag. Es sind zwar noch nicht die wirklich heftigen Regengüsse, aber das Land wird schon grüner und die Temperaturen sind erträglich. Die Schüler kommen nach wie vor lachend und wissbegierig in ihren Freistunden zu uns geradelt, meine jüngsten machen echte Fortschritte: Wenn ich jetzt durchs Dorf laufe und sie mich sehen, schreien sie nicht mehr nur “Helloooo”, sondern auch “How are you”,”Where are you going”  und  “What’s your name” (und das jeden Tag zehnmal). Nach den Stunden kommen Einzelne zu mir und bestürmen mich mit Fragen oder wollen sich bedanken, und als ich die letzten drei Tage krank im Bett lag und nicht unterrichten konnte, waren alle ziemlich enttäuscht, nach Hause fahren zu müssen. Zwischendurch bin ich aufgewacht, ich hatte etwas Fieber, und da hab ich plötzlich gemerkt, dass eine ganz kleine Hand meine Hand hielt. Woudkyen, eine kleine dicke Schülerin von mir, saß an meinem Bettrand und streichelte meine Hand und wartete darauf, dass ich wieder gesund würde. Das bin ich jetzt zum Glück wieder, und wenn die Kinder in etwa einer Stunde hier eintreffen, muss ich sie nicht nach Hause schicken.
Carolina von Plattenberg, Volontärin in Tropang Trea
Ursprünglich veröffentlicht: http://weitweg.weitblicker.org/2011/05/angkor-42°c-und-ein-bisschen-monsun/

Are your Mr Khan?

6. April 2011

Es war zwanzig vor zwölf. Wir befanden uns zwar im kühlsten Monat Januar in den Tempelanlagen von Angkor, jedoch zeigte das Thermometer immernoch 30 Grad Celsius. Wohl überlegt folgten wir, meine ungarische Freundin Hajnal und meine Persönlichkeit, dem Schatten der Bäume, um nicht die stechende Sonne auf uns nehmen zu müssen. Selbst durch die dunklen Gläser meiner Sonnenbrille empfand ich meine Umwelt als überzeichnet. Harte Kontraste, denen es an Farbgefühl mangelte. Das Grün der Natur, der Sandstein der Mauern und die vielen bunt gekleideten Menschen tauchten sich in einen Hauch Surrealismus, so abstrakt kam mir die Realität vor.  

Wir überquerten gerade die 100 Meter lange Balustrade des Baphuon Tempels und befanden uns im südlichen Teil der Elefantenterrasse. Ich war kurz davor die schmalen Treppen zur großen Wiese Angkor Thoms hinunterzusteigen, die zur Blütezeit des Königreiches tausende Untertanen beheimatete und das Zentrum des Khmer Imperiums bildete.

»Are you Mr Khan?«

Die Frage kam aus dem Tiefen des Nichts. Völlig unerwartet, völlig deplatziert, traf sie mich in diesem Moment wie ein harter Schlag in meinen Körper und in meinen Geist. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass mich jemals eine Frage so unvorbereitet, so hilflos in meinen Dasein traf, so dass ich, in dieser Situation völlig übertrieben, glaubte, Frau und Kind mit breiter Brust schützen zu müssen.

Mein Kopf folgte der Richtung der Stimme, deren Klang nicht den Hauch von Böswilligkeit oder ähnlichem in sich trug. Jaaa, ich kann mir nach Monaten immer noch nicht erklären, wieso ich in diesem Moment ein Gefühl der Angst verspürte.
Vor mir stand ein Khmer, in der Uniform eines Tourist Guides. Glücklicherweise stand er auf der Schattenseite, so dass ich gut den Umriss seines Körpers erkennen konnte. Ansonsten wäre das helle Gelb seines Hemdes durch das Grelle des Lichtes im Camouflage eines Chamäleons untergegangen.
Sein Körper entsprach nicht der Form eines typischen jungen Khmers, deren Körperbau mich sonst an eine Makrele erinnert. Er war kräftig gebaut, gar muskulös (sehr untypisch für Khmer) und auch gar nicht mal so klein. Er trug eine dunkelblaue Mütze, die seinen Kopf bis zur Spitze seiner Augenbrauen verdeckte. Die Form der Mütze ließ ihn sehr kindlich aussehen, sein rundliches Gesicht erzählte mir aber, dass er nicht zu den ganz jungen Männer gehörte, sondern die Schwelle der Jungend schon einige Jahre hinter sich hatte.

In den vielen Jahren in Kambodscha konnte ich gut mitverfolgen, wie männliche Khmer schlagartig ihre Gesichts– und Körperform verändern, wenn sie das Alter von 25 Jahren überschreiten. Dasselbe Schicksal erleiden die Damen im Alter von 30. ... Eine sehr gemeine These, ich weiß!

Seine Augen waren sehr weit aufgerissen, so dass ich mich schon fast in seinen Pupillen gespiegelt sehen konnte. Verwundert sah ich seiner Körperhaltung und seinem Gesicht in der Gesamtzeit unserer Begegnung den Ausdruck – „Hoffnung“.

Völlig unüblich und in einer mir unbekannten Arroganz beantwortete ich seine Frage mit:

Khan: »Wer bist du? Ich kenne dich nicht!«

Wie die vielen, versteinerten Gesichter des Bayons, in starrer Haltung eines Wächters der Tempel, schaute er mich an.

Unbekannter:  »Ich heiße Borin, ich bin hier Tourist Guide.«

Der Name sagte mir nichts! Und dass er mir antwortete, dass er als Tourist Guide arbeitet, verschlimmerte eigentlich die Situation. Im Gedanken sprach ich schon in rüder, hanseatischer Weise die Sätze aus: »Alter, willst du mich verarschen!?! Natürlich sehe ich, dass du ein Tourist Guide bist!«

Khan: »Ich bin schon sehr oft in Angkor gewesen. Ich habe dich hier noch nie gesehen! Also: Woher kennst du mich?« fragte ich ihn in einer für mich untypischen Höflichkeit.

In unserer Konversation vergaß ich völlig, dass ich noch in weiblicher Begleitung unterwegs war. Hajnal erzählte mir im Nachhinein, dass ich in einem unerklärlich tiefen, dunklen Ton mit ihm sprach und ausgesehen habe wie ein wilder Stier in der Manege seines letzten Kampfes.

Borin: »Ich kenne Sie nicht aus Siem Reap. Ich kenne Sie aus Takeo! Ich habe Sie das letzte Mal vor sieben Jahren gesehen. Damals waren Sie mein Lehrer.«

Takeo! Beim Fall dieses Wortes spürte ich wie meine Stimmung sich schlagartig änderte. Seine Körperhaltung und sein Gesichtsausdruck blieb dieselbe. Hoffnung!
Die Warmherzigkeit seiner Stimme und die Weichheit seiner Gesten trafen mich mit dem Gefühl einer Wolke und ließen uns beide ein wenig über den Boden schweben. Leichtigkeit!

Im Gedanken wühlte ich durch die Registerdatenbank meines Gehirns und versuchte ein Bild herauszusuchen, auf dessen Inhalt ich ihn wiederfand. Ich hatte keins!

Khan: »Entschuldige, ich weiß immernoch nicht wer du bist.«

Glücklicherweise befand ich mich wieder in der Ordnung des typischen Khans. Ich fühlte jedoch Unzufriedenheit, auf kein Bild aus der Vergangenheit zurückgreifen zu können.

Borin: »Ich bin ein sehr guter Freund von Sovann. Sie wissen, er ist Lehrer an Ihrer Schule gewesen. Wir sind gemeinsam zur Slarom High School gegangen.«

Ich schaute tiefer in sein Gesicht, um aus meiner These des Alterns eine Person zu modellieren, die ich vielleicht wiedererkennen könnte. Mit der Vorstellung, sein Gesicht und seinen Körper viel schlanker zu formen und vor allem seine Wangenknochen ein wenig hervorzuheben, kam ich langsam auf eine Idee welche Person aus der Vergangenheit, in der Mittagshitze der Gegenwart meinen Weg durchquert hatte.

Borin: »Ich freue mich sehr, Sie hier zu treffen, Mr Khan.«

Eine unbeschreibliche Begeisterung drückte dieser Kerl vor meinen Augen aus. So sehr, dass ich immernoch völlig perplex neben mir stand. Ich versuchte mich weiterhin zu erinnern. Ein Bild! Bloß ein Bild aus meinem photographischen Gedächtnis.

2004

Leicht verschwommen entwickelte sich vor meinen Augen eine Szene aus der Vergangenheit. Ich fuhr auf dem Rücksitz unseres Schulmofas mit Mr Thoeun von Tropang Sdock den 5 Kilometer langen Schotterweg zur National Road No 2. In einer malerischen Szenerie, umringt vom Grün der Reisfelder, bestaunt von älteren Menschen am Straßenrand, bejubelt mit dem Wort „Hello“, von teils nackt herumlaufenden Kindern, fuhren wir im gemütlichem Tempo dem Sonnenuntergang entgegen. Der aufsteigende Staub, der an uns vorbeifahrenden Mofas, gab dem lebhaften Gemälde eine weitere besondere Note. Ja, so kitschig kann es bei uns auf dem Lande zugehen...
Auf halbem Wege, genau in der Mitte der Straße, trafen wir zwei unserer Schüler auf ihren Fahrrädern sitzend und quatschend: Mr Sophon und Mr Bo.

Bo & Sophon: »Hello Mr Khan. Wie geht es ihnen?«

Khan: »Sehr gut Jungs! Was macht ihr gerade?«

Bo & Sophon: »Dahlien, Mr Khan!«

Ein Strahlen kam aus ihren Gesichtern. In diesen Moment wurde mir die Bedeutung des Wortes „Dahlien“ so richtig bewusst. „Dahlien“ bedeutet im Khmer nichts anderes als „Rumschlendern“. In der absoluten Reispampa waren die beiden Jungs in diesem Moment meine größten Helden!

2011

Borin: »Es gibt nur wenige aus unserer Kommune, die hier in Siem Reap arbeiten und leben. Insgesamt kenne ich nur 4 weitere Personen. Einen von ihnen kennen Sie vielleicht noch: Mr Bo, mein bester Freund.«

Etwas verwirrte mich immernoch. Doch fielen mir in diesem Moment so viele gemeinsame Augenblicke ein, die ich nicht missen wollte. Der junge Mann, der in seiner Uniform vor mir stand, war eins: ein sehr engagierter Schüler bei Sorya. Seit der ersten Stunde besuchte er unseren Englischunterricht bis zum Zeitpunkt seines Abiturs, welches danach das Schicksal der Jugend in alle Himmelsrichtungen streute. Er blieb mir nicht nur als sehr guter Schüler in Erinnerung, sondern auch als begnadeter Sänger.
Eines Abends nach Ende des Unterrichts stand ich mit mehreren Schülern vor der Schule in Tropang Sock. Die Nacht war jung (bekanntlich findet sie um 18:00 in Kambodscha ihren Anfang), die Sterne hell leuchtend über unseren Köpfen, so dass ich selbst in der Dunkelheit ihre Gesichter problemlos sehen konnte. Ich hielt meine Videokamera stets griffbereit, weil ich Material sammelte für meine zweite Videodokumentation „Tropang Sdock“, in dem die Bevölkerung und die Aktivitäten Soryas portraitiert werden sollte. Man könnte sagen, dass Singen in Asien eine Art nationaler Volkssport ist. Paare finden sich bei der gemeinsamen Karaoke am häufigsten.

Ich kam auf die Idee Songs aufzunehmen, a capella von unseren Schülern gesungen. Viele von ihnen rissen sich um das Mikrofon. Es war wahnsinnig spaßig und endete immer im großen Gelächter. Die Gruppe forderte Sophon ständig auf zu singen, der drückte sich aber ein wenig. Mit den Worten „he is the best, he is the best!“ wurde er fast schon gezwungen, seine Gesangsleistungen unter Beweis zu stellen. Es wurde still, er fing langsam an eine Ballade auf Khmer zu singen. Mit seiner gefühlvollen Stimme wurde er auf einen Schlag zum Mittelpunkt des Abends. Seine Freunde, aber auch die Natur schien in diesen Moment sprachlos über den Klang seiner warmen Worte zu sein. Am Ende des Liedes schien die gesamte Umgebung vor Begeisterung ihm zu zujubeln. Ein unvergesslicher Moment!
Seinen Song verwendete ich damals als Outro für die Dokumentation „Tropang Sdock“.

Nach sieben Jahren soll diese Person gerade jetzt vor mir stehen?

Borin: »Was machen Sie heute Abend, Mr Khan? Könnte ich Sie nach meiner Arbeit wieder treffen? Natürlich, wenn Sie Zeit haben.«

Es sprach nichts dagegen. Der Abend in Siem Reap konzentriert sich so oder so nur auf eine Stelle der Stadt. Wir freuten uns, tauschten schnell unsere Mobilnummern aus und verabredeten uns für 19:00 Uhr bei unserem Guest House in der Nähe des Old Markets.

Borin: »Sehr geehrter Mr Khan, ich muss mich um meine zwei englische Kunden kümmern. Die warten schon. Aber ich glaube sie werden sehr gut verstehen können, wenn ich ihnen erzähle, was mir grade wiederfahren ist. Herzlichen Dank und bis heute Abend.«

Sein Strahlen im Gesicht nahm kein Ende. Er wandte sich zu seinen beiden englischen Kunden, die in Ruhe im Schatten warteten und begab sich mit ihnen auf den Weg, von dem wir gerade gekommen sind.

Es war eine unheimlich aufregende Begegnung, die meinen Tagesablauf mit so vielen offenen Fragen durcheinander brachte. Ich befasste mich in Gedanken intensiv mit der Situationsanalyse und konnte noch nicht mal die einfachste Frage beantworten. Wie konnte er mich durch meine große Ray Ban Sonnenbrille, die ich einige Tage zuvor in bester Verhandlungsmanier für 2,5 $ erwarb, erkennen? Und wieso stellte er sich mit dem Namen Borin vor? Ein wenig Verzweiflung kam auf, aber auch Freude.


Ich lag abends mit Rückenschmerzen geplagt in der Hängematte am Eingangstor unseres Guest Houses und wartete auf Borin. Stunden zuvor kam ich auf die dumme Idee im Preah Khan Tempel (der Tempel wurde bekanntlich nach mir benannt) eine Szene aus „Zurück in die Zukunft“ nachzueifern, in der der junge Michael J. Fox mit seiner Gitarre auf dem Abschlussball seiner High School einen Sprung von einer Speaker Box verübte. Diesen Sprung sollte in bester Erinnerung von der Mauer des Tempels vollführt werden, aufgenommen im Highspeedmodus meiner Spiegelreflexkamera. Den Auslöser drückte freundlicherweise Hajnal. Der Sprung war sicherlich ein großer Publikumsmagnet. Die vielen Zuschauer staunten auch nicht schlecht als ich zum Sprung ansetze, am höchsten Punkt der Flugbahn die angedachte Figur einnahm, um dann zwar wie geplant mit beiden Füßen den Boden zu berühren, letztlich allerdings einen Satz nach Hinten machte und meinen Hintern als Abfangpolster verwendete. Ein Schlag durch die Wirbelsäule und die anschließenden Schmerzen, die sich über mehrere Wochen hielten, waren dann doch keine besondere Belohnung für die Trophäe der aufgenommen Bilder.

Borin kam mit seinem schwarzen Mofa den Weg von der Hauptstraße zu uns gefahren. In Jeans, T-Shirt und Wollmütze auf dem Kopf, sah er eher aus wie ein Hip Hop-Künstler der amerikanischen West Coast. In seinem Gesicht war noch immer ein Strahlen zu bewundern. Er und Hajnal saßen auf dem Bett, in dem die Hängematte gespannt war, in der ich aus gutem Grund lag.

Borin: »Ich habe mich so sehr gefreut, dich heute getroffen zu haben, Mr Khan.« 

Sein Englisch hatte etwas Besonderes. Er redete fließend, deutlich. Aber für einen Kambodschaner völlig unüblich mit amerikanischem Akzent.

Khan: »Ja, unsere Begegnung am heutigen Mittag war schon sehr außergewöhnlich.«

Borin: »Ich habe so sehr gehofft, dass du auf meine Frage reagierst. Ich war mir nämlich nicht sicher, ob ich sie dir stellen sollte. Aber das Risiko war mir in diesen Moment egal.«

Khan: »Im Nachhinein habe ich mich schon sehr gewundert, dass du mich überhaupt erkannt hast! Bei der Größe der Sonnenbrille ist es sicherlich nicht einfach gewesen.«  Eine Festellung, die mich schon den Tag über bewegt hatte.

Borin: »Nein, ich habe dich nicht am Gesicht erkannt. Ich habe dich an deinem Lächeln erkannt!«

Was für eine schmeichelnde Tatsache, dachte ich mir.

Khan: »Hey, ich habe mich den ganzen Tag gefragt, warum du dich als Borin vorgestellt hast. Diesen Namen kannte ich nicht. Dein Aussehen war mit Niemandem mir bekannten zu vergleichen.«

Die Auflösung folgte zu meinem Glück prompt. 

Borin: »Borin ist mein offizieller Name, den ich hier in Angkor für die Arbeit verwenden muss. Du kennst mich unter dem Namen Sophon. So nennen mich meine Familie und Freunde weiterhin.«

In diesen Moment löste sich alles bei mir auf. Für mich war und blieb er Sophon.

Khan: »Der Sophon, den ich in Erinnerung hatte, war total schlank, gut aussehend, jung und dynamisch.«

Das Weiß seiner Zähne kam ganz groß zum Vorschein. Gut aussehend war er weiterhin, seine Statur glich bloß dem eines Bodybuilders.

Sophon: »Ich habe in den letzten sieben Jahren, seit ich hier in Siem Reap wohne, fast 20 Kilo zugenommen!«

20 Kilo, naja, dachte ich mir. Die habe ich in den letzten 10 Jahren auch zu mir genommen. Bloß haben diese meinen Körper nicht schlagartig verwandelt. 

Hajnal: »Hi-Khan hat heute Morgen schon sehr böse ausgesehen als du ihn angesprochen hattest. Mir hatte es eine Freude bereitet, zu sehen wie sich das Gespräch gedreht hatte.« sagte Hajanal, die  es tatsächlich sehr genossen hatte, das Schauspiel, vor allem meines, zu beobachten.

Mir war es persönlich sehr wichtig mehr über die Entwicklung eines ehemaligen, engagierten Schüler Soryas zu erfahren, der sich, für kambodschanische Verhältnisse, in die „weite Welt“ des Tourismus gewagt hatte. Ich bat ihn auch Mr Bo, seinen besten Freund anzurufen, um unser gemeinsames Abendessen in guter Gesellschaft zu verbringen.

Khan: »Sophon, du darfst uns in dein liebstes Restaurant hier in Siem Reap ausführen!« sagte ich zu ihm und stellte schon fest, dass es für ihn ein wenig unangenehm wurde.

Wir stiegen zu dritt auf sein Mofa und fuhren gerade mal in zwei Minuten den kurzen Weg zum Old Market. Der Ort, der für die Touristen den genüsslichen Ausklang vom vielen Tempelhopping bedeutet, war für mich der Ort, der am besten die rasante Entwicklung Angkors in den letzten 10 Jahren wiederspiegelt. Zwar war die Umgebung des Old Markets schon immer die Ausgehmeile für Touristen in Siem Reap gewesen, am Aussehen der Geschäfte, Restaurants und Bars war der Wandel der Zeit aber am deutlichsten zu spüren. Die Dichte der Menschen, der betörende Lärm und die grellen Lichter der Leuchtreklame erinnerten mich an Orte der Welt, in der Vergnügen und Freizeit im Lebensmittelpunkt standen. Aber nicht an einen Ort in Kambodscha! Mein Gefühl sagte mir, in langsamem Tempo durch die „Große Freiheit“ der Hamburger Reeperbahn zu laufen. Der winzige Unterschied machten die vielen asiatischen Gesichter aus und die Tatsache, dass ich auf der Reeperbahn noch kein „Doctor Fish“ gesehen habe. Glücklicherweise! Dr Fish ist eine Massageform, bei der Touristen aufgefordert werden, ihre Füße in ein Aquarium voller Fische zu legen. Diese knappern scheinbar genüsslich die Hautschuppen der Touristen ab und bewirken für selbige eine kribbelnde Erfahrung. Ich habe vor 4 Jahren schon ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut, als ich das erste Dr. Fish-Aquarium am Nachtmarkt entdeckte. Bloß jetzt verrichten die „armen“ Fische ihren Service im Abstand von 5 Metern vor jedem Ladeneingang.

Sophon fuhr mit seinem Mofa durch eine kleine Gasse, die dicht mit Menschen bevölkert war.

Khan: »Darfst du hier durchfahren?« fragte ich ihn verwundert, denn die Breite der Gasse entsprach gerade mal zwei Schulterlängen.

Sophon: »Ja, dies ist eine offizielle Straße. Das weiß bloß kleiner!« eine beruhigende Antwort und gut, dass nur wenige Khmer diesem Weg folgten.

Wir stellten das Mofa an der Rückseite eines Restaurants ab. Sophon schien alle Khmer in den Gassen des Viertels zu kennen. Begrüßung hier, Begrüßung da, Shakehands, Hello und auf Wiedersehen. Es war sein Viertel, aber es war nicht seine Welt!
Ich bemerkte es als ich ihn das zweite Mal darauf ansprach, das Restaurant seiner Wahl aufzusuchen. Es folgten Momente der Ratlosigkeit.

Sophon: »Wir sind hier um zu Arbeiten. An diesem Ort verbringen wir aber nicht unsere Freizeit.«

Khan: »Ich verstehe. Kleine, dreckige Khmer Restaurants, im staubigen Sand, auf kleinen blauen Plastikstühlen sitzen und das beste Khmer Essen genießen!«

Sophon: »Genau!«, antwortete er in voller Begeisterung. Diese schicken Khmer Restaurants befanden sich aber weit außerhalb der Stadt und wären zu dieser Uhrzeit nicht mehr schnell zu erreichen.

Wir schlenderten durch die Gassen und kleinen Seitenstraßen, die von Menschen aller Nationen gefüllt waren. Am Hinterausgang eines italienischen Restaurants blieben wir stehen, Sophon bat eine junge Dame rauszukommen.

Sophon: »Mr Khan, dies ist meine Frau Sotty. Wir sind seit 2 Jahren verheiratet.«

Khan: »Hello, Sotty!«, erfreut über die Vorstellung, verschwand sie nach wenigen Sekunden wieder zurück ins Getümmel ihrer Pizzeria. Ich war in diesem Moment sehr glücklich über die Tatsache, dass junge Männer und Frauen in Kambodscha immer noch bereit waren, ihr Glück trotz der schwierigeren Lebensumstände gemeinsam zu verbringen. Zwar verschiebt sich auch hier das Alter der Vermählung, vergleicht man die Situation mit unserem modernen Deutschland, könnte man meinen, bei uns gäbe es nur noch glücklose Singles.

Nach langem „Hin und Her“ entschieden wir uns für ein kambodschanisches Restaurant, dessen blau-weißes Karointerior mich ein wenig an eine bayrische Bierstube erinnerte. Nach meinem Empfinden passte das kambodschanische Gelb der Wand nicht so ganz in die Farbharmonie. Aber egal, dies war nicht der Grund unseres Daseins.

Nachdem wir 10 Minuten saßen, kam auch Mr Bo durch die Tür, Sophons bester Freund und ehemaliger Schüler Soryas. Im Gegensatz zu Sophon hatte er sich äußerlich kein bisschen verändert. So wie ich ihn aus der Vergangenheit kannte, blieb er im Verlauf des Abends die ruhige zuhörende Person unserer Runde.

Khan: »Erzählt, wie ist es euch die letzten Jahre ergangen. Ich kann mich nur daran erinnern, Sophon in unserer Kommune einmal nach dem Abitur getroffen zu haben. Damals war es nur ein sehr kurzes Vergnügen gewesen.«

Sophon: »Ja, ich sehe meine Eltern auch nur noch einmal im Jahr, wenn sich die Gelegenheit anbietet. Meist zu „Khmer New Year“, dann habe ich für einige Tage frei. Ich vermisse die Heimat schon sehr.«

Bo: »Ich arbeite seit zwei Jahren am Ticket-Counter vor Angkor Watt. Meine Arbeitszeiten lassen nicht einmal zu, meine Familie einmal im Jahr zu sehen. Ich war das letzte mal vor zwei Jahren in unserer Kommune.« sagte Mr Bo mit einer enttäuschten Miene.

Sophon: »Ich bin vor sieben Jahre, gleich nach dem Abitur hier hergezogen. Mein Onkel lebte damals hier. Die ersten 6 Monate waren für mich sehr hart. Ich hatte keinen Job, verdiente somit kein Geld. Meine Freunde waren nicht mehr da und meine Familie fehlte mir auch. Ich habe dann angefangen in dem Restaurant zu jobben, in dem meine Frau heute arbeitet. Nach einem Jahr holte ich Mr Bo nach Siem Reap, der hier auch seinen ersten Job fand. Nach einigen Jahren entschied ich mich für den Job als Tourist Guide. Das Studium dauerte 2 Jahre, welches ich mir mit Nebenjobs finanziert habe. Dies war aber nicht das Problem.«

Khan: »Was war es sonst?«

Sophon: »Für die Abschlussprüfung mussten wir unseren Professoren 1800$ zahlen, um bestehen zu können.«

Khan: »Das heißt, es war gar nicht relevant, ob du die Prüfung theoretisch und praktisch bestanden hast.«

Sophon: »Ja, stimmt. Es hing nur davon ab, ob du die 1800 $ zahlst oder nicht.«

Khan: »1800 $ sind eine Menge Geld. Auf dem Land entspricht dies fast den gesamten Einnahmen von 4 Jahren. Wie hast du das Geld zusammen bekommen?«

Sophon: »Ich musste meine gesamte Familie und Freunde fragen, ob sie mir die Summe borgen können.«

Khan: »Die Investition lohnt sich nur, wenn du sicher bist, dass du die Summe auch wieder zurückzahlen kannst.«

Sophon: »Ich habe sehr hart dafür arbeiten müssen. Nach zwei anstrengenden Jahren habe ich meine Schulden komplett zurückzahlen können.«

Khan: »Das heißt, du hast dementsprechend viel verdienen können.«

Sophon: »Ja, ich arbeite mit einer Agentur zusammen, die mir die Jobs vermittelt. In schlechten Monaten arbeite ich sogar bei denen im Büro.«

Khan: »Darf ich fragen, wie viel ihr am Tag oder im Monat verdienen könnt.«

Sophon: »Ich verdiene 20$ am Tag, wenn ich Touristen durch Angkor begleite. In guten Monaten kann ich so immerhin 400$ verdienen. In der Trockenzeit kommen aber nur halb soviel Touristen, so dass ich dann etwa 200$ am Ende des Monats habe.«

Khan: »Du musst dir das Geld somit über das Jahr verteilt gut einteilen. Aber trotzdem bleiben dir überdurchschnittlich viel Geld zur Verfügung.«

Sophon: »Ja, es stimmt. Die Arbeit macht mir auch unheimlich viel Spaß. Ich lerne dadurch Kambodscha selbst besser kennen. Mit den Touristen besuche ich oft andere Provinzen. Mit meinem Erspartem kann ich mir mein eigenes Mofa leisten, konnte mir vor kurzen einen neuen Laptop kaufen und bin sehr glücklich und zufrieden.«

Khan: »Wie sieht es bei dir aus, Bo?«

Bo war noch nie sonderlich gesprächig. Man musste ihn ständig fragen, wenn man etwas wissen wollte. Seine Antworten hielt er auch immer sehr kurz und knapp.

Bo: »Ich verdiene nur etwa 115$ im Monat.«

Khan: »Was für Siem Reaper Verhältnisse schon sehr wenig ist.«

Durch den boomenden Tourismus in Angkor entwickelte sich die kleine Provinzstadt nord-östlich des Tonle Saps zu einer der teuersten Städte Kambodschas. Nach meinem Wissen sind die Lebensunterhaltskosten nur noch in Sihanoukville, der Küstenstadt im Süden des Landes, teurer.

Bo: »Als Ticket-Verkäufer dürfen wir nur alle zwei Tage arbeiten. Ich weiß nicht warum, aber unser Arbeitgeber möchte es so handhaben. Das heißt alle zwei Tage wird die komplette Mannschaft ausgetauscht. Wir sind aber verpflichtet, jeden Tag in Bereitschaft zu stehen. Damit können wir uns keinen zweiten Job suchen, um mehr Geld zu verdienen. Die Angst unter den Mitarbeitern, den Job zu verlieren, ist sehr groß.«

Aus Bos Gesichtsausduck konnte ich sehr gut ablesen, dass die Situation ihn traurig machte. 

Bo: »Ich bin seit zwei Jahren verheiratet und habe eine kleine Tochter. Ich mache mir große Sorgen, wenn ich sie nicht über die Runden bringen kann.«

Bo starrte beim Reden die meiste Zeit auf den Tisch.

Khan: »Habt ihr jemals daran gedacht zu studieren?«

Sophon: »Ich habe vor 6 Monaten angefangen, Jura zu studieren.«

Etwas verlegen schaute ich Sophon an. Mein Gefühl sagte mir, dass Jura so gar nicht in seine Charaktereigenschaften passte.

Khan: »Wow! Wie kommst du auf Jura?«

Sophon: »Ja, ich weiß nicht so recht. Ich dachte mir es könnte meiner Karriere noch mehr Schub geben. Aber ehrlich gesagt, ich komme nicht dazu, das trockene Zeug mir jeden Abend durchzulesen. Zurzeit lasse ich mich nur unregelmäßig an der Uni blicken.«

Er ist glücklicherweise nicht der Einzige, der zu dieser Einsicht gekommen ist.

Khan: »Was ist mit dir, Bo?«

Bo: »Den Wunsch studieren zu gehen, hatte ich schon immer. Ich kann es mir bloß nicht leisten. Am liebsten irgendwas mit Business. Ich könnte mit meiner Frau einen kleinen Laden eröffnen und irgendwelche Dinge verkaufen.«

Studieren schien für Mr Bo eine Sache in ganz ferner Zukunft zu sein. Bei den jetzigen Umständen aber eher eine Sache des Unmöglichen.

Sophon: »Wie geht es der Organisation, Mr Khan?« fragte mich Sophon mit großer Begeisterung.

Sophon: »Ich hatte bisher keine Gelegenheit gehabt selbst zu sehen, wie sich die Dinge dort entwickelt haben.«

Khan: »Sorya geht es gut. Wir sind gerade dabei, den zweiten Standort in Tropang Tree aufzubauen. Fast gegenüber der Slarom High School, zu der ihr zur Schule gegangen seid.«

Sophon: »Ich habe so viele gute Dinge von unseren Bekannten und Verwandten über die Schüler Soryas erfahren. Selbst die Kinder aus meiner Verwandtschaft besuchen regelmäßig den Unterricht. Darüber bin ich sehr stolz!«

Solchen Aussagen schmeichelten mich ein wenig. Emotional konnte ich diesen aber nie richtig etwas abgewinnen. Zu sehr sind die Arbeiten Soryas zur Pflicht geworden.

Khan: »Ich weiß, dass so ziemlich alle Schüler, die bei uns waren und das Abitur abgeschlossen haben, nach Phnom Penh auf die Universität gegangen sind. Ich kann vieles auch nur durch Hörensagen erzählen. Die Anzahl der Schüler beträgt mittlerweile fast 500. Ich kenne keinen beim Namen und habe auch keinen persönlichen Kontakt zu ihnen. Irgendwann kommt es dazu, dass sie selbst mich nicht kennen werden.«

Sophon: »Aber selbst aus Phnom Penh hörte ich, dass Sorya ein Begriff geworden ist.«

Khan: »Stimmt! Ich habe vor zwei Wochen Sovann in Tropang Sdock wiedergetroffen. Der kam eines Abends auf unsere Veranda und erzählte mir stolz über die Entwicklung unserer Schüler. Wie ihr wisst wohnt er schon seit einigen Jahren in Phnom Penh. Seinen Abschluss machte er vor zwei Jahren auf der Build Bright Universität. Sorya ist bei Kommilitonen und Professoren bekannt. Es wird oft erzählt, dass unsere ehemaligen Schüler den Unterricht intensiv mitgestalten, weil sie viel sagen und gerne diskutieren.«

Bo: »Ja, selbst wir lernten das Diskutieren als erstes bei Sorya in Tropang Sdock. Ich kann mir sehr gut vorstellen, welche Bedeutung und Wichtigkeit dies für unsere Schüler mittlerweile hat.«

Überraschenderweise kam diese Feststellung von Mr Bo, der sehr regungsvoll am Gespräch teilnahm.

Khan: »Sorya Schüler sind sehr engagiert. Als Organisation sind wir immer stets darauf bedacht, die besten Grundlagen für den Unterricht zu schaffen.«

Sophon: »Ich erinnere mich gut, bevor ich den Sorya Unterricht besuchte, war mein Englisch richtig schlecht. In den Jahren an der Schule habe ich so viele Grundlagen mitnehmen können, dass sich mein Englisch immer weiterentwickelte.«

Khan: »Tja, und jetzt redest du mit einem amerikanischen Akzent Englisch.«

Das Gespräch hätte gerne sehr lange weiter gehen können. Es war schon sehr spät, Mr Bo musste zurück zu seiner Familie. Ein Abschied mit Wiedersehenscharakter. Bei der Häufigkeit der Besuche war ich mir ziemlich sicher, Angkor / Siem Riep, Mr Sophon und Mr Bo in den nächsten Jahren wiederzusehen.

Sophon hatte noch ein wenig Zeit gehabt. Auf dem Rücksitz seines Mofas sind wir zu später Stunde zu dritt durch Siem Reap geschlendert. „Dahlien“ – das Wort werdet ihr euch sicherlich noch sehr lange merken. „Dahlien“ bedeutet in diesem Moment aber nicht nur seine Zeit zu vertreiben, sondern auch seine Freiheit zu genießen. Mit jedem weiteren Straßenzug, den wir passierten, nahm der Trubel der Menschen ab. Die Stille der Nacht kam uns entgegen. Die Lichter der Straßen dimmten ihre Intensität herunter und je weiter wir fuhren, fühlte es sich so an, als würden wir uns zurück in die Vergangenheit bewegen - in unsere Heimat, zu unseren Wurzeln.

Nach unserem Abschied habe ich noch sehr lange über unsere Begegnung nachgedacht. Nicht nur gab mir meine rüde Reaktion zu denken, sondern die Zukunft jener, die tagtäglich die Angebote Soryas zu ihrem Vorteil nutzen.

In den Anfangsjahren unserer Aktivitäten kam ich noch in den Genuss, Schüler selbst zu unterrichten. Deswegen sind mir einige Namen und Gesichter hängengeblieben. Einige wenige von ihnen wurden bekanntlich Mitarbeiter der Organisation. Sophon und Bo gehörten zu dieser ersten Generation an Schülern, die mittlerweile selbst Teil des kambodschanischen Wachstumsmotors sind. Zwei beste Freunde, mit zwei völlig unterschiedlichen Charaktereigenschaften, zeigten mir, mit welchen unterschiedlichen Ansatzweisen sie ihr Schicksal gestalteten.
Ich bin froh, dass sich unsere jungen Mitarbeiter die Aufgabe des Lehrens, ähnlich eines Generationenvertrages, sehr zu Herzen genommen haben. So kann ich mich vielen anderen Feldern der Entwicklung widmen und hoffen, dass einige einen ähnlichen Weg einschlagen werden. Solange wir uns selbst ehrlich sind, wird Entwicklung immer weiter voranschreiten.

Als Organisation sind wir nicht verantwortlich für das Schicksal eines Einzelnen. Viele mögen anders denken. Aber jene, die meinen den „Armen“ dieser Welt helfen zu müssen und deren Verantwortung in eigene Hände zu nehmen, sollten sich selbst fragen, in welcher Intensität sie ihre Hilfe ausüben. Oft wird sich herausstellen, dass der Helfer aus Angst des Ungewissen seinen „armen“ Menschen selbst nie gegenüberstand oder aus Mangel an Interesse, deren Entwicklung kein Fall von Dauer sein wird. Einem Menschen zu helfen, heißt dementsprechend nicht, seine Entwicklung zu fördern. Mag doch das Helfen so unendlich („schön“) sein.

Unsere Werbewelt schmückt sich sehr aus der Erfolgsquote 1 : 1000, eine filmreife Geschichte des Helfens eines Einzelschicksals zu erzählen, welches unser Herz doch so warmherzig trifft. Mir persönlich ist es lieber in 1000 anonymer Gesichter zu schauen, die bei Sorya jeden Tag ein- und ausgehen, mit dem Wissen, sie ihrem Schicksal selbst zu überlassen und ihnen das Gefühl zu geben, ihren Weg in Eigenverantwortung zu gehen.

Im Mittelpunkt meiner Entwicklung stehe ich nun mal selber. So geizig es klingen mag, ist letztlich mein Ehrgeiz die motivierende Kraft, meine Person zu fördern. Im Grunde genommen besteht meine Arbeit nur daraus, Wissen anzueignen - Wissen als Grundlage anderer zu fördern. Ein einfacher Akt der Balance. Im Leben so wichtig, im Leben für viele schwer umsetzbar.

So sehr würde ich mich persönlich bei denjenigen herzlich dafür bedanken, die ihr Wissen für meine Grundlagen und Entwicklung zur Verfügung stellten.

So heißen meine Lehrer Siddhartha, Sokrates, Platon, Gutenberg, Ghandi, King und X, aber auch Goethe, Faust (der Name eines Lehrer auf dem Gymnasium), Schiller und Hesse, sowie Junus, Stiglitz, Jobs, Buffet und Gates, etc.

So ist es eine Genugtuung, auf die Frage »Are you Mr Khan?« mit dem Satz zu antworten:

»Yes, I am!« 



Same Same But Different

15. Januar 2010

Same Same But Different

Aus einer Beziehung wurde eine Geschichte, gelebt in der Gesellschaft, verfasst in einem Buch, erzählt in einem Film. Der Regisseur Detlef Buck nahm sich der Aufgabe, das Buch „Wohin du auch gehst“ von Sorya-Mitglied Benjamin Prüfer auf die Leinwand zu projizieren, an. In der Rolle des Ben Prüfers spielt „der Vorleser“ David Kross die Hauptfigur. Sreykeo Prüfer wird gespielt von Apinya Sakuljaroensuk.

Der Film hat seine Premiere in allen gängigen Kinos am 21. Januar 2010.

Eine Kurzgeschichte –  IN BEGLEITUNG MIT HIV

Mr Khan begegnet Sreykeo und Benjamin Prüfer, die realen Protagonisten aus „Same Same But Different“.

Ein wunderschöner Spätsommertag in Hamburg, den ich mit dem Lesen eines Artikels auf meinem Bett in meiner damaligen Einzimmerwohnung in Winterhude verbrachte. Ich erhielt einen Anruf von einem gewissen Ben. Mir sagte der Name gar nichts, erst recht nicht konnte ich ihm ein Gesicht zuzuordnen. Ich erinnerte mich, dass mir meine Schwester mal beiläufig sagte, ein junger Mann würde mich irgendwann anrufen, den wir auf dem Altona Straßenfest an unserem Stand kennen gelernt haben. Er soll eine Freundin in Kambodscha haben. Das waren die wenigen Informationen, die mir in einer kleinen Zelle im Kopf hängen geblieben waren.

Wir verabredeten uns zum Abendessen im Balutschistan am Alma Wartenberg Platz im Stadtteil Altona. Durch das dunkle Holz wirkte das Restaurant schon immer sehr gemütlich und einladend. Dekoriert mit einigen Skulpturen und wenigen farbigen Ornamenten bot das Ambiente nach dem Schließen der Eingangtür einen schönen Ort der Gelassenheit, um sich voll und ganz auf ein Gespräch konzentrieren zu können.


Es dauerte nicht lange, bis auch Ben durch die Tür trat. Ein blasser Lockenkopf, der mich ein wenig an Pumuckl erinnerte. Durch seine sehr schlanke Figur wirkte er groß aber schwächlich (Ben fehlt ein Enzym, das die Fette durch Nahrungsaufnahme speichert.). Wie ein taffer Kerl, der die wilden Abenteuer unserer Welt herausfordert, sah mir Ben nicht aus. Eher wie ein grüner Alti, der durch Zufall und Verwirrung am falschen Ort, zur falschen Zeit in die falsche Situation gerät. Ein erster Eindruck, der ganz schön täuschte.

Khan: »Hey, du bist Ben? Ich heiße Hi-Khan.«

Ben: »Hey, Hi-Khan. Schön, dass das Treffen geklappt hat.«

Reisen durch Kambodscha ist immer der Start eines Gespräches, wenn ich mich mit dem Land auseinandersetzen muss. Außer den Tempelanlagen von Angkor war Kambodscha ein reines Backpackerland, von dem man irgendwann anfängt, über seine Eigenarten zu berichten. Klischees, die beim ersten Kontakt von einer völlig anderen Welt sind. Unerklärbar, sinnlos, nervenaufreibend, in unserer Vorstellungskraft ohne Verstand und Logik.

Ben: »Ich habe eine kambodschanische Freundin in Phnom Penh, ihr Name ist Sreykeo. Sie ist HIV-positiv!«

Ich lehnte mich in meinen Stuhl zurück. Etwas betroffen von dieser Aussage musste ich mir erst einmal klar machen, was die Situation in diesem Moment bedeutete.

HIV und AIDS waren Begriffe, die ich bisher nur aus dem Schulunterricht und dem Fernsehen kannte. Ich bin sicherlich nicht der gesündeste Mensch. Krankheiten sind mir persönlich sehr fern, weil ich mir wegen einer Krankheit einmal geschworen habe, nie wieder krank zu werden, um mich damit nicht mehr beschäftigen zu müssen. Klingt absurd, ich weiß.

Ben erzählte, wie er Sreykeo kennen gelernt hatte. Im guten, alten „Heart of Darkness“ fing die Liebesgeschichte an. Einen besseren Anfang könnte ein Drama nicht haben.

Das „Heart of Darkness“ ist Phnom Penhs berühmt-berüchtigter Tanzclub. Treffpunkt der westlichen Gesellschaft, die ihre Zeit als Backpacker, Expats oder Mitarbeiter von NGOs in der beschaulichen Stadt verbringen, um den Charme der Verruchtheit im direkten Kontakt mit einheimischen jungen Frauen zu spüren.

Tanzend im Schweißdunst genießt man bei lauter, westlicher Musik eine gewisse Freizügigkeit. Das bedeutet verantwortungsloses Feiern mit vielen, kleinen süßen Asiatinnen, die dich wie einen Star in der Manege bewundern und nach der Show ihre Körper anbieten, um sich und ihre Familie ernähren zu können.

Bens Story hatte somit einen klischeehaften, nicht ernst zu nehmenden Anfang gefunden. Erst nach der Rückkehr in Deutschland und Monaten der Fernbeziehung erfuhr er, dass sich Sreykeo mit den HI-Virus angesteckt hatte.

Kambodscha war seit der UN-Intervention 1992 das Land mit der höchsten HIV/AIDS Zuwachsrate in ganz Asien. Jährlich infizierten sich mehr als 10.000 Menschen mit dem Virus. Bei einer Bevölkerungszahl von  jetzigen 14 Millionen Einwohnern eine beachtliche Zahl.

Ben, kein Mediziner, aber junger Journalist mit der Gründlichkeit, ein Thema im Detail recherchieren zu müssen, versuchte, Sreykeo aus der Ferne mit Informationen zu versorgen, um sie am Leben zu halten.

Zwar gab es schon einige Organisationen, die sich mit der Behandlung von HIV-Patienten beschäftigten, von einer guten medizinischen Infrastruktur reden zu können, war man aber noch fern. Gründe waren die hohen Kosten der Medikamente und deren Verfügbarkeit.

Ben machte den Eindruck, seine ganze Zeit, Kraft und all sein Geld in den Glauben zu investieren, einen fremden Menschen in weiter Ferne durch Aufopferung lieben zu können. Für viele Freunde und Bekannte ein Glauben der Naivität und der Hoffnungslosigkeit.

Ich fand für mich keinen persönlichen Bezug, wusste aber sofort, was organisatorisch machbar war, um in dieser Beziehung eine stützende Kraft zu sein. Seine Hand in der Mitte des Tisches liegend nahm ich unter meine und sagte ihm Soryas Unterstützung zu.

Ich war damals der Überzeugung, persönliche Schicksale in die Hand nehmen zu können, Menschen zu helfen, Verantwortung für sie auf mich zu nehmen und der Welt als Retter zu Diensten zu stehen. Kompletter, gedanklicher Müll!

Im Spätherbst des gleichen Jahres, trat ich meine Reise nach Kambodscha an. Auf dem Dienstplan stand auch, Sreykeo und ihre Familie zu besuchen. Ben bat mich, die Mutter und die Schwester Sojak zu überreden, einen CD4-Test zu machen, um festzustellen, ob sie sich auch mit dem HI-Virus infiziert hatten. Von der Schwester wussten wir schon, dass sie den Virus in sich trug, nur analysiert dieser Test auch, in welchem Zustand sich der Patient befindet.

 Sreykeo lebte mit ihrer Familie im Ghetto von Dy Krohorm, ein riesengroßer Häuserblockkomplex im Herzen der Hauptstadt. Auch „La Building“ genannt war der Komplex, konstruiert von einem französischen Star-Architekten in den 60er Jahren, das Vorzeigeobjekt, in dem hauptsächlich Regierungsbeamte mit ihren Familien lebten. Mehrmals ging das Gebäude schon in Flammen auf. Nie wurde in Sanierung investiert und die Spuren der Verwüstung nur durch provisorische Maßnahmen bedeckt. Runtergekommen und verlassen wurde aus dem Schandfleck Dy Krohorm: die Heimat der untersten Gesellschaftsschicht.

Mit meinem Freund Thoeun, seines Zeichens Manager von Sorya Cambodia, fuhren wir eines Sonntag Nachmittags nach Phnom Penh, um Sreykeo und ihre Familie zu besuchen. Ich bin schon oft am Gebäudekomplex vorbeigelaufen, hatte aber nie einen Grund gehabt, den Ort zu betreten.

Beim Absteigen vom Mofa spürte ich schon tausende Blicke der Bewohner Dy Krohorms auf mich gerichtet. Die Frauen saßen wartend an ihren Markständen, die Männer konzentrierten sich auf ihr Glücksspiel. Auf die kleinsten Bewegungen meines Körpers drehten sich ihre Köpfe in meine Richtung. Ihre Haltung ließ mich ihre Distanz spüren, um mir klar zu machen, dass ich als Fremder im Mikrokosmos des Ghettos nicht willkommen war.

Von der Straße aus konnte man durch die Treppenhäuser den hinteren Teil des Geländes sehen. Ein Meer aus Müll erstreckte sich über ein riesiges Areal, auf dem Kinder lachend Fangen spielten, sich Männer zwischen den Müllbergen wuschen, Frauen auf dem verdreckten Boden ihr Essen kochten, Hunde und Katzen gezielt Reste von Essbarem suchten. Einen unbeschreiblichen Gestank verspürte meine Nase. Die Luft war getrübt vom Rauch der offenen Feuerstellen, die der Szenerie das Bild wie nach einer Verwüstung gaben.

Sreykeo wartete schon am Treppenaufgang auf uns. Eine typische Khmer, rundes Gesicht, dunkelbraune Haut, große schwarze Augen. Im weißen T-Shirt stand sie leger vor mir. Sie machte einen vitalen Eindruck, was mich sehr freute.

Khan: »Suah stay, I am Khan, how are you?«

Sreykeo: »Hello, Mr Khan. I am fine, thank you! You look same American.«

Den Satz hatte ich schon oft gehört. Die wenigsten Khmer glauben mir, dass ich dieselben Wurzeln mit ihnen teile. Asiatischer Herkunft, aber dem Land nicht zuzuordnen, wahrscheinlich auch noch ein Mischlingskind von einer asiatischen Mutter und einem amerikanischen Vater. Sicherlich ist einfach eine fremde Mentalität an meinem Äußeren erkennbar, die ist nämlich Deutsch!

Ich folgte Sreykeo und Thoeun die Treppen hinauf. Mit jeder höheren Stufe bekam ich einen besseren Überblick über die Szenerie der Gegensätze: Leben und Lieben, Heimat und Familie, Freundschaft und Freude in einem Atemzug mit Elend und Schmerz, Gewalt und Verbrechen, Angst und Traurigkeit. Das Ghetto lebte sein eigenes Leben!

Vorsichtig, den Blick nach unten, wich ich den Frauen und Kindern aus, die auf dem Boden Bingo spielten, Esswaren verkauften oder einfach nur quatschten.

Sreykeo führte uns durch einen dunklen, schwarzen Korridor, der nur an seinen beiden Enden Tageslicht hineinließ. Wir betraten ihre Wohnung, die mir gleich das Gefühl von Schutz gab. Im Gegensatz zur äußeren Welt, wirkte die Wohnung aufgeräumt. An den gelbbraunen Wänden hingen Bilderrahmen mit Portraits der Familie, die in festlich gestylten Gewändern an bessere Zeiten erinnern ließen.

Sreykeos Mutter stand in der Küche und bereitete das Mittagessen vor. Sie blickte kurz zu uns rüber, begrüßte uns lapidar und konzentrierte sich weiter auf das Zubereiten. Wir durften noch einen kurzen Blick in die Nebenzimmer werfen. Für einen westlichen Besucher war es schwer vorstellbar, dass diese zellenförmigen Räumlichkeiten von 10 Mitgliedern einer Familie geteilt wurden.

Sreykeos ältere Schwester Sojak betrat die Wohnung. Ihr Gesicht und die nicht bedeckten Körperstellen waren übersät mit Hautausschlägen, die scheinbar ihren ganzen Köper einnahmen. Sie hustete ständig vor sich hin. Die sichere Gewissheit, dass das Mädchen, das gerade vor mit stand, irgendwann an AIDS sterben wird, gab mir ein mulmiges Gefühl.

Khan: »So, what are you doing right now?«

Sreykeo: »I have English lessons in the morning. In the evening I go to work in a restaurant...«

Sreykeos Englisch war zwar gebrochen, aber verhältnismäßig klar und verständlich. Sicherlich ist Grammatik nicht die Königsdisziplin der Khmer beim Erlernen einer neuen Sprache. Sie scheuen sich aber nicht, ihr Erlerntes sofort anzuwenden.

Khan: »Could you tell me how you got HIV? You don’t mind if I record your story on tape.«

»No, I don’t.«, erwiderte Sreykeo mit leiser, ruhiger Stimme.

Ich nahm ein DV-Tape aus meiner Tasche und legte es in meinen Camcorder. Sreykeo fing in ihrem gebrochenen Englisch an, die Geschichte zu rekonstruieren. (Ihre Erzählung als Kurzfilm könnt ihr auf www.angkor-design.com/index.php sehen.). Ich musste mich sehr konzentrieren, um alles zu verstehen, fragte sicherheitshalber an einigen Stellen noch einmal nach. Mir fiel auf, dass in all den Gesprächen, die ich mit den Protagonisten führte, nie das Wort Prostituierte in Zusammenhang mit Sreykeo fiel. Ich glaube, auch weil ich sie nie als Prostituierte gesehen habe.

Wir mussten uns noch mit Sreykeos Mutter unterhalten, um sie zu überreden, den CD4-Test zu machen. Sie stand Ben nicht gerade freundlich gegenüber. Ben mochte sie auch nicht, weil sie ständig über Geld diskutieren mussten. Thoeun leistete für mich die hervorragende Übersetzungsarbeit. Ihr fielen die Tränen bei der Frage, ob sie Ben auch liebt. Mit zitterndem Körper sah sie starr auf den Boden. Ben war der größte Unterstützer der Familie, bekam aber nie den Respekt der Mutter, den er eigentlich für seine Leistungen verdiente. Die Aufforderung, sich am nächsten Tag einem CD4-Test zu unterziehen, fiel danach ziemlich einfach.

Es war fast dunkel geworden. Ich stand auf der anderen Straßenseite in derselben Distanz, wie ich das Ghetto Jahre zuvor kannte. In Sichelform stand der Mond tief über den Dächern von Dy Krohorm, um das nötige Licht für die vielen Kindern der Nachbarschaft zu spenden, die ihrem spielerischen Drang nach aus der Vorplatzwiese einen großen Rummelplatz gestalteten. Das Ghetto lebte! Und ich konnte die Herzen der Menschen spüren, die in ihm lebten.

Die nächsten Tage fuhren mein Cousin Vanney und ich durch die Straßen von Phnom Penh, um herauszufinden, welche Möglichkeiten es gab, um HIV in Kambodscha vernünftig zu behandeln – Krankenhäuser, Arztpraxen, Kliniken, Ärzte ohne Grenzen, Sitze von Pharmaunternehmen… HIV war bisher nie so sehr Teil meiner Umwelt. An den überfüllten Warteräumen konnte ich feststellen, dass die Krankheit zwar ein Tabu war, aber auch ein ausgeprägtes Thema in der Gesellschaft sein musste. An den Gesichtern der Menschen fiel mir eins auf: HIV kennt kein Alter!


Es stellte sich heraus, dass auch durch Halbwissen ein Apparat aufrecht erhalten werden kann. Wissen wurde eingegrenzt durch die geringe Verantwortung, die man in seiner Tätigkeit hatte. Frage eine Person nie mehr als das, was du siehst, das sie macht. Viel gesehen habe ich von den Verantwortungsträgern nicht.

Erfolg hatten wir bei den Pharmaunternehmen. Wir konnten herausfinden, dass die benötigen Präparate durchaus im Land zu beziehen waren. Ich gab die Informationen per Mail an Ben weiter. Der mixte sich zu Hause in Gedanken einen Cocktail, den er benötigte, um Sreykeos HIV-Werte in Schach zu halten. Ein kostspieliges Unterfangen, welches jedoch zur damaligen Zeit die einzig sinnvolle Lösung schien.

Sorya war Teil der finanziellen Unterstützung, um Sreykeos Medikamente und Lebensstandard vorzufinanzieren. Dass wir so Teil einer außergewöhnlichen medialen Liebesgeschichte wurden, konnte damals noch keiner ahnen. Außergewöhnlich würde ich meine/unsere Freunde auch nie bezeichnen. Willensstark und ausdauernd sind die Charaktereigenschaften, die ich in all den Jahren ihrer Beziehung maßgeblich beobachten konnte. Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und gegenüber anderen ist die Voraussetzung für die Dauerhaftigkeit einer jeden Beziehung. So auch bei Ben und Sreykeo. Liebe kennt keine Grenzen? Was sind schon 11.000 Kilometer Entfernung, unterschiedliche Hautfarben, unterschiedliche Kulturen, Sprachbarrieren, Verständigungsprobleme, Krankheiten, HIV?


Nichts, wenn man die Augen schließt und die Nähe des Menschen spürt, der einem das Gefühl der Liebe schenkt.

Das Magazin „Neon“ veröffentlichte einen Artikel von Ben über seine Beziehung zu Sreykeo. Der Artikel wurde von den Lesern viel diskutiert, die Redaktion erhielt auf die Geschichte das größte Feedback. Noch nicht zu Ende erzählt, schrieb Ben schon an seinem ersten Buch „Wohin du auch gehst“, dessen erste Auflage erfolgreich seine Leser fand. Die Story wurde Teil der Medienlandschaft in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Ich saß oft am Essenstisch mit den beiden und konnte mit verfolgen, wie sehr sich die Medien auf ihre Geschichte stürzten. Glücklicherweise setzten sie sich ihre eigenen Grenzen, um nicht abgehoben vielleicht einmal tief fallen zu müssen.

Im April 2007 heiratete Ben Sreykeo in Kambodscha. Ein Jahr später kam ihr Sohn Lukas Sambath gesund auf die Welt (Trotz HIV kann eine Frau ein Kind gesund auf die Welt bringen.). Mittlerweile leben sie mit ihrem zweiten Kind in Phnom Penh.

Ich bin außerordentlich glücklich über die Entwicklung der Beziehung zwischen Ben und Sreykeo. Würde man mich heute fragen, ob ich - oder auch im Namen Soryas - in einer Beziehung eine stützende Kraft sein sollte, folgt ein definitives „Nein“!

Sicherlich sind Schicksale Einzelner mitreißende Inhalte für große Gefühlswelten. Die Werbelandschaft der Hilfsorganisationen - und im großen Stil auch der Medien - ist darauf ausgerichtet, so ihre Spender und Leser zu finden.

Meine Erfahrung und meine Realität zeigt aber, das aus hunderten bekannten Einzelschicksalen, denen Sorya und ich schon gegenüber standen, tatsächlich nur die von Ben und Sreykeo einen wohltuenden Verbleib hinterließen. Zu sehr investiert man seine Zeit, Nerven und Kraft in Einzelne, um am Ende der Hilfeleistung in Ungnade zu fallen. Dankbarkeit ist ein seltenes Wort.

Ich kann persönliche Schicksale nicht in meine Hand nehmen, es fällt mir schwer, Menschen wirklich zu helfen und der Welt als Retter zu Diensten zu stehen. Was ich wirklich kann, ist Verantwortung zu übernehmen für MICH UND MEINE UMWELT!

 

Weblinks:

Bilderserie – Dey Krohorm – Der Tod eines Ghettos

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Kurzfilm – Sreykeo & Sojak

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Der Umwelttag

03. November 2009

Das erste Mal als ich bemerkte, dass viele Khmer einen fragwuerdigen Umgang mit der Natur pflegen, war ich gerade im Dschungel von Ratanakiri, der nordoestlichen Provinz von Kambodscha. Der Weg durch das dichte Gestruepp wurde mir durch drei sehr nette einheimische Fuehrer aufgezeigt, die jedoch die schlechte Angewohnheit besassen ihre Ueberbleibsel in Form von Dosen, Flaschen und Plastikverpackungen dem naechsten Busch bzw. dem vorbeifliessenden Fluss anzuvertrauen. Auch die anderen Teile wie Stadt, Land, Fluss haben keinen besseren Eindruck auf mich gemacht. Ueberall wird das nicht mehr benoetigte Hab und Gut in das satte Gruen der Umgebung geworfen ohne die Folgen dieser Verschmutzung zu beruecksichtigen. Da Natur nicht nur toll aussieht, sondern gerade in diesem sehr armen Land jeder auf Felder, Seen und Fluesse angewiesen ist, sollte es selbstversaendlich sein, dass jeder mit und nicht gegen seine Umwelt lebt. Auch Takeo-Province ist nicht mit Reichtum gesegnet und der Grossteil der Menschen lebt von Reisanbau, Viehzucht oder der Fischerei.
Die Realitaet sieht anders aus. Dies hat einerseits viel mit Unwissenheit was Mensch und Natur bei Zumuellung zustoesst, anderseits wie es jeder von sich selbst kennt mit Faulheit zu tun. Auch eine Muellabfuhr zur Beseitigung der anfallenden Muellberge wird in den laendlichen Gegenden vergebens gesucht, sodass jeder fuer seine eigenen Abfaelle verantwortlich ist

Die Idee des Umwelttags ist eher zufaellig entstanden, als ich dem Konversationskurs von Kim Ngat beiwohnte, die als Thema „Reden und Praesentationen“ behandelte. Dafuer musste eine Gruppe bestehend aus zwei bis drei Studenten eine Rede ueber bestimmte Themen wie die Weltkriege, kambodschanische Geschichte, Menschrechte etc. vortragen. Die Schueler fragten mich ob ich nicht auch Lust haette eine Rede fuer sie zu halten. Und schwupps war die Idee einer Umweltrede geboren. Nach einigen Gespraechen mit den anderen Voluntaeren Sonja, Elif und Tara war dann die Idee des Umwelttags entstanden, die von diesem Zeitpunkt an wuchs und wuchs. Es sollte also nicht nur geredet, sondern auch gehandelt, es sollte gegessen und es sollte geschaut werden. Sodass schliesslich das Rahmenprogramm stand. Rede, Den Phnom Chisor aufraeumen, zusammen essen und schliesslich einen Film ueber die Umwelt schauen. Doch fehlte es noch an Informationen fuer eine gute Anleitung zur Muellbehandlung wie z.B. Was macht man mit den bestimmten Arten von Muell wie Plastik, Glas, elektronischer Abfall,  Batterien? Welche anderen Arten von Muellbeseitigung gibt es, wenn man es nicht verbrennen will? Ein geeigneter Film auf der Landessprache war gesucht und vieles vieles mehr. Die Fragen an zahlreiche Umweltorganisationen in Kambodscha blieben allesamt unbeantwortet, doch wie der Zufall es so wollte stiess ich bei einem Zug durch Phnom Penh auf das Ministry of Environment. Der Besuch war spannend, weil erster Kontakt mit der Behoerde. Und nach einigem Suchen nach der richtigen Abteilung und einem englischsprachigen Mitarbeiter wurden mir Papiere zur Muellbehandlung, sowie Telefonnummern der provinzialischen Behoerde uebergeben. Beides sehr hilfreich. Also Paper mit Srey Mom auf Englisch uebersetzt und anschliessen mit Srey Mom und Mr. Pritty nach Takeo das Department of Environment besucht. Hier wurden endlich unsere Fragen beantwortet. bedauerlicherweise wurde uns mitgeteilt, dass  Kambodscha bis jetzt noch keine Moeglichkeit hat, Glas, Plastik oder elektronische Geraete zu recyclen; Verbrennen von Muell illegal ist, es sollte eine Muelldeponie fuer das Dorf errichtet werden um anschliessend Pflanzen drauf wachsen zu lassen, die die Giftstoffe aus dem Boden filtern. Jedoch auch was positives denn sie sicherten uns zu, bei grosser Anzahl von alten Batterien vorbei zu schauen und uns vom Gesammelten zu entledigen. Hervorragend und schwupps eine Batteriesammelstelle fuer High School und Sorya.
Auch der Direktor der Phnom Chisor High School konnte ueberzeugt werden an unserem Projekt teilzunehmen, was uns die Moeglichkeit eroeffnete eine noch groessere Zahl an Studenten ansprechen zu koennen. Dies hat dann auch den Ausschlag gegeben, dass alle noch mehr fuer dieses Projekt gearbeitet haben, sodass jeder von Sorya (auch unsere Security Guards) seine ganz bestimmte Aufgabe besass und diese auch tatkraeftig umsetzte. Ein grosses Lob an alle fuer diese tolle Zusammenarbeit, den Fleiss und den Schweiss. Auch die Schueler der Konversationsklasse haben ihren Teil beigetragen. Auch ihnen soll hier herzlichst gedankt werden, denn ohne sie waers einfach nicht gegangen. Denn 200 kg Tomaten, 20 kg Zwiebeln, 160 Zehen Knoblauch schaelen, schneiden und kochen sich nicht von selbst (Rezept zum Nachkochen auf Nachfrage; Kochzeit drei Tage zwei Naechte).
Und nach all der Vorbereitung wars dann endlich soweit. Zelt gegen Regen war aufgestellt (Bei Regenzeit dringend anratbar), Generator fuer Strom stand bereit, Truck fuer Muellverfrachtung war gemietet und sogar der Muell lag bereit um aufgesammelt zu werden. Was kann da schiefgehen?
Also mit Sack und Pack zur Schule aufgebrochen, den Beamer fuer Powerpointpraesentation angeknippst, das Mikro kallibriert und den Laptop aufgeklappt. 12 Uhr, rechtzeitig geschafft. Alle gluecklich, doch wo sind eigentlich die Studenten? Keiner einer da. Lunch time! Man isst gern, lang und viel. Nach und nach kam dann doch der eine oder andere aus seinem Versteck, bis dann alle beisammen waren und es begonnen werden konnte. Zuhoerer wurden gezaehlt und ausgewertet. Resultat viele. Sehr viele. Und das an einem Sonntag, dem freien Tag. Stueckzahl gute 450 lachende Gesichter. Es wurde also ueber die Umwelt, eine Instruktion im Umgang mit Muell, wie man bestimmte Arten von Muell behandelt und es schafft Muell zu reduzieren gesprochen. Fuer alle die‘s schon wieder vergessen haben. Einfache Woerter. Vier Stueck an der Zahl. Recycle, Reuse, Repair und Reduce. Wer das verinnerlicht und beruecksichtigt ist ganz vorn mit dabei.
Die Rede endet, der Regen beginnt. Abwarten. Die juengeren Schueler huepfen voller Vorfreude auf das Entmuellen unter dem Vordach des Lehrerzimmers auf und ab. Aber wir haben Glueck. Es ist kein Regenguss, sondern nur ein Schauer. Gruppen werden organisiert die auf unterschiedlichen Wegen den Berg hinauf steigen und alles mit sich nehmen was nicht gruen oder angewurzelt ist. Auch die Schule wird entruempelt. Die Schueler, besonders die juengeren wirken euphorisch, klauben auf, sammeln, lachen und rennen. Das Resultat ein voller Truck. Ein zufriedenes Laecheln macht sich breit und wir ziehen zum Sorya-Anwesen um. Bei Ankunft hat das Kochteam schon die Feuer der Riesenpoette angefacht, das Chili blubbert und wartet auf hungrige Maegen. 300 Baguettes sollen zusaetzlich den Magen fuellen. Das Highlight ist Stockbrot. Ueberall wedeln Schueler mit halbfertigem Brot umher um irgendwie einen freien Platz am Feuer zu erhaschen. Der Bitte, den Brotteig ueber dem Feuer zu backen und nicht unter den gluehenden Kohlen zu versengen, wird nicht nachgekommen. Hauptsache kross ist heut das Motto. Recht dunkle Brote werden in die Muender geschauffelt und das Wort „chnan“ (lecker)  dringt von allen Seiten ans Ohr. Stockbrot, man liebt es.
Es wird langsam dunkel in Tropangsdock und die Studenten von weiter weg muessen nun gehen um noch sicher nach Hause zu gelangen. Auch ich bin froh, dass der Tag langsam zu ende geht, er war anstrengend. Aber immer noch warten vierzig Studenten auf das Restprogramm. Der Film ueber den den grossen See Tonle Sap in Kambodscha wird gezeigt, dessen Probleme mit Verschmutzung und Ueberfischung. Alle lauschen gespannt und verfolgen die Bilder. Der Film ist aus. Muedigkeit breitet sich weiter aus. Das Restchili wird an die Dorfbewohner verteilt. Es ist alles weg.
Fuer mich war es ein schoener Tag, aber ich geh mit dem Gefuehl ins Bett nicht das erreicht zu haben was ich wollte. Etwas einmaliges reicht nicht, das sollte nur der Anfang sein. Ich denke und schlafe ein.
Ich wache auf und bin froh hier zu sein. Erste Hochrechnungen treffen ein. Die Summe der Ausgaben sind nidrieger als die Summe der Einnahmen von unseren Sponsoren. Der schlaue Wirtschaftler weiss nun ein Plus auf seiner Haben-Seite. Das ist gut, denn so kann das Projekt weiterlaufen. Ideen sind vorhanden. Wir sammeln sie nun und versuchen ein Konzept auf die Beine zu stellen.
Einen grossen Dank an dieser Stelle an all unsere Sponsoren, die es uns erst ermoeglichten dieses Projekt in dieser Form umzusetzen.

Ein Klassenausflug mit der English Conversation Class

12. Juni 2009

zu dem ehemaligen Khmer Rouge Gefängnis (Tuol Sleng Museum)
und zu den Killing Fields (Massengräber von Choeung Ek)

Wir versprachen uns von einem Ausflug ins Tuol Sleng Museum und zu den
Killing Fields, die Vorstellungskraft der Schüler für diesen dunklen Teil der
kambodschanischen Geschichte zu erweitern und ihr Interesse an einer Verarbeitung der eigenen Geschichte zu wecken. In den Wochen vor dem Ausflug machten wir das Tuol Sleng Gefängnis zum Unterrichtsthema. Die Schüler zeigten sich sehr interessiert. Ihnen die Möglichkeit zu bieten, das ehemalige Gefängnis zu
besuchen und mit eigenen Augen das zuvor Gelernte zu sehen, bot sich als ein
guter Abschluss dieser Unterrichtseinheit an.

Am Freitag, dem 29. Mai, war es soweit. Um 5.30 Uhr in der Früh waren wir alle
zum gemeinsamen Kochen verabredet. Schließlich hatten wir ein volles
Tagesprogramm und wollten die kühlen Morgenstunden nutzen. Als wir pünktlich,
zur abgemachten Uhrzeit, die Küche betraten, waren einige Schüler schon fleißig
am Reis kochen und Ingwer schneiden. Sie waren aufgeregt, voller Vorfreude
und wollten deshalb möglichst früh aufbrechen. Nach einigem Ein- und wieder
Ausladen des Minibusses, waren alle Schüler samt dem Essen im Bus verstaut.
Gegen 7 Uhr konnte der Ausflug beginnen.
Als erstes Ausflugsziel steuerten wir die Killing Fields an. Dort erwartete uns ein
Englisch und Khmer sprechender Führer, der uns alles Wichtige zeigte und
erklärte. Bei dem erschreckenden Anblick der Massengräber und der vielen
Totenköpfe, legte sich eine trübe, nachdenkliche Stimmung über uns. Es erging
uns allen ähnlich bei dem Gedanken an die Vergangenheit, man verfiel in tiefes
Grübeln darüber, wie so etwas Grausames möglich gewesen war.
Nach der Führung entschieden wir uns, den Schülern die Zeit zu geben,
noch mal alles allein zu erkunden, damit sie so ihre Gedanken und Gefühle ordnen zu konnten.

Viele der Schüler verweilten lange Zeit stillschweigend und nachdenklich vor den
ausgestellten menschlichen Schädeln. Als wir abfuhren, waren wir uns alle einig, dass die Gedenkstätte der Killing Fields ihr Ziel und ihre Aufgabe erfüllt hat: Die
heutige und die kommenden Generationen über Vergangenes zu informieren
und durch Abschreckung und Aufklärung eine Wiederholung zu vermeiden.
Nach diesem ersten bedrückenden Teil des Ausflugs brauchten wir dringend
einen Pause und etwas zu essen, um die Stimmung wieder zu heben. Um einen
geeigneten Picknickplatz zu finden, fuhren wir auf einigen kleinen Umwegen
durch Phnom Penh. Dies freute die Schüler trotz aufkommendem Hunger und
großer Hitze, da sie einiges von der aufregenden Stadt entdecken konnten.
Angekommen am gewünschten Picknickplatz, verbrachten wir eine angenehme
Pause mit gutem Essen und guter Stimmung. Es sollte ja schließlich auch trotz
bedrückendem Ausflugsthema ein schöner Tag werden.

Gut gestärkt nach der Pause erreichten wir gegen 14 Uhr das Tuol Sleng Museum. Die dort ausgestellten Foltermethoden, die Fotos der Opfer und die Informationen unseres Führers waren für uns interessant und erschreckend zugleich. Die zuvor bei den Killing Fields erlebte bedrückende Stimmung kehrte zurück. Während der Führung wurde wenig untereinander gesprochen. Die Schüler hörten dem Führer gespannt zu und stellten viele Fragen. Durch unsere Vorbereitung konnten wir vieles wieder erkennen, was wir vorher im Unterricht besprochen hatten. Man merkte den Schülern an, wie interessiert sie daran waren, ihr bisheriges Wissen weiter auszubauen.
Auf der Rückfahrt waren alle trotz des schweren Themas wieder gut gelaunt. Es
wurde viel geredet und gesungen und wir freuten uns über unseren gemeinsamen Tagesausflug. Am Abend ging es uns allen ähnlich: Jeder von uns fiel, gesättigt mit Informationen und Eindrücken, schnell in einen tiefen Schlaf. Am darauf folgenden Montag machten wir den Ausflug noch einmal zum Thema unserer Conversation Class. Jeder sollte berichten, was er als am Erschreckendsten empfunden hatte und was er so schnell nicht vergessen würde. Einig waren wir uns alle darüber, dass wir die vielen Totenköpfe und die Fotos der Opfer im Museum nicht so schnell vergessen können würden. Neben diesen traurigen Eindrücken werden die Schüler auch die Erinnerungen an die vielen “beautiful girls” und die “huge buildings” in Phnom Penh in ihren Köpfen behalten.
Ebenfalls waren wir interessiert daran, was die Schüler zu Hause erzählt haben
und auf welche Reaktionen sie dabei gestoßen sind. In den meisten Fällen
entwickelte sich ein spannendes Gespräch zwischen Eltern und Kind, in dem die
Eltern über ihre eigenen Erfahrungen während des Pol Pot Regimes berichteten.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein Klassenausflug mit den
verschiedensten Eindrücken war. Für jeden von uns hat es sich auf eine
bestimmte Weise gelohnt, jeder wird etwas von dem Ausflug für sich mitnehmen
und wir werden ihn in guter Erinnerung behalten.

Hanna Ehlert


Liebe Freunde in den kühleren Ländern,

12. Januar 2008

Es ist Sonnabendmittag in Phnom Penh und schwül heiß. Wir sind schon um sieben losgefahren, Mr Thoeun hat Hi-Khan auf der neuen Honda “dream” mit sack und pack an die Straße gebracht, denn der  muss morgen wieder nach  Hause fliegen. Man weiß ja nie, wann der „lan kron“, der Bus zwischen den Städten, kommt. Schon gar nicht am Sonnabend. Hi-Khan stand also noch an der Straße neben dem Süßwarenstand von Mrs. Thoeun, als Christian mich und Jana auch dort absetzte, um wieder zurückzufahren und Sopheak aufzuladen, die dann wieder das Motorrad zurückfahren soll. Das sind immer 4 km und zwar durch Löcher. Nachdem ich letztes Mal wegen unsanften Fahrens einen ziemlichen blauen Fleck genau hinten davongetragen habe, ist er heute so toll gefahren, dass wir noch Englischunterricht unterwegs geben konnte. Rechts und links rufen nämlich die Kinder unermüdlich “hello” oder “hello, barang”  und winken, man fühlt sich wie die Queen. Normal brüllen wir natürlich auch immer bloß “hello” – Jana rechts, ich links, aber heute konnten wir variieren, z.B. “what’s up”? oder “ciao ladies”.

Im abendlichen Deutschunterricht für Anfänger sind wir gerade beim Verb “sein”. Da die Khmersprache nur Infinitive kennt, ist das Konjugieren richtig Arbeit. Jede/r hat ein schickes Portfolio für 2 Dollar 40, transparent- türkis- lila- gelb- weiß mit Klarsichtfolien innen zu Weihnachten bekommen. Wenn er/sie ein Verb fehlerlos im Präsens konjugieren kann, darf es ins
Portfolio unter die Rubrik “ich kann konjugieren”, wenn ein Nomen mit Artikel und Plural sitzt, darf es in die Rubrik “ich kann der-, die-, das- Wörter”. Natuerlich fuellt sich auf diese Weise das Portfolio ein bisschen sehr langsam, weil niemand außerhalb des Unterrichts lernt. Also habe ich die dritte Rubrik: “ich kann fragen und antworten” zum sofortigen Reinschreiben freigegeben. Fragen und Antworten ist ja sowieso ein Selbstgänger.

Der Ingenieur Franz aus Bochum (44) kam gerade bei “sein”  + Adjektiven in den Unterricht: “wie heißt du?” etc. …  “bist du glücklich?”, und dann, kicher, kicher, “hast du eine Freundin?” und dann wieder “mit “sein: “”bist du heiß? .. es war gar nicht so einfach zu erklären, dass es in diesem Fall besser “ist dir heiß?” zu fragen. Wieso muss es eigentlich neben dem “du” ein “dir” und auch noch ein “dich” geben. Nicht mal die Engländer haben so viel Redundanz. Ohne die Zwischensprache Englisch wäre der Sprung vom Khmer zum Deutschen eine Qual.

Es gibt in Kambodscha zwei Fragen, die sich als erste abwechseln: „sok sabbay?“ also: Wohlbefinden- Freude / wie geht es dir? Oder “toew na?“: Wohin gehst du? und das wollen die Kambodschaner wohl wirklich gerne wissen, jedenfalls wenn es sich um eine/n „barang“ (eine/n fremde/n) handelt, der durch ihr Dorf schlendert. Wenn man nichts Anderes zu sagen weiß, sagt man einfach „daoe leeng“: spazieren. Nur, dass ihr es wisst: Ihr könnt jetzt auch ca. 15 Deutschschüler im Dorf fragen, wohin sie gehen. Die Antworten erzählen euch das Leben: zum Markt, in die Schule, zum Arzt, ins Krankenhaus, in die Pagode, zum Nachbarn, aufs Reisfeld, zum Reisschlagen, auf die Toilette, zu einem Freund, zum Kiosk, zur Saftbar und eben spazieren.

Vielleicht bearbeite ich nächste Woche eine neue Frage, nämlich diese:  „Wer hat uns letzte Woche besucht?“ Längst ist dieses kleine Dorf mit seinen 130 Familien ohne Gasthaus ja zu einer kleinen Attraktion in der großen Welt geworden.

Franz kam, als gerade die 4 Direktoren von den zwei Nachbarschulen „Slarom high school“ und „Phnom Chiso high school“ da waren. Wir hatten ihn im Bus nach Sihanoukville kennen gelernt und unser Müllproblem vorgetragen, weil er ja Ingenieur ist. Er stieg also eine Woche später vom geliehenen Motorrad und betrachtete die Lage vor Ort.
Beim Abendessen entstand dann die Vision von einer neuen art Pflasterbausteine für ganz Kambodscha mit seinen Löcherstraßen, mit einem Inneren aus zusammengepressten bösen Plastiktüten. Keine Angst, es gibt noch andere Ideen. Die Direktoren hatten Weihnachten und holten sich Bücher ab. Eigentlich sollten sie ja bloß Wörterbücher für ihre Bibliothek (ha, ha) kriegen, aber Kim Nget hatte kurzerhand auch noch 200 „story books“ und “english for cambodia” eingekauft, weil z.B. für die 50 Schüler der Abschlussklasse nur 6 story books vorhanden sind, die aber Grundlage der Abschlussprüfung sind. Keiner wagte es, Kim Nget auszuschimpfen. Die Schwäche des Dollars gegenüber dem Euro diente zur Rechtfertigung. Jedenfalls kam überall der Sorya- Stempel rein und die Direktoren hielten Dankesreden. Sie hatten auch sechs arme Schüler für die sechs Fahrräder (20% Eigenbeteiligung) ausgewählt. Ich hatte die Vision, die Sechs könnten vielleicht gleich mit ihren neuen Fahrrädern nach Hause fahren. Aber selbst Franz geriet ein bisschen aus der Fassung und überlegte, ob er noch ne Woche bleibt, um die 33 000 Einzelteile der Fahrräder zusammenzusetzen. Scheint aber gar kein Problem zu sein. Der Sorya-cambodian staff reichte sich mit den Direktoren über dem Fahrradteilegestrüpp die Hände und alle lächelten fürs Foto. Am naechsten Tag wurde alles mit einem Anhänger abtransportiert – zu Experten.

Montag war ein Highlight. Alle Deutschen hatten die Order, bescheiden im Hintergrund zu stehen, als Ralf von der Stiftung kam. Der kambodschanische staff hatte den ganzen tag für sich und jede/r erklärte den Bereich, für den er/sie verantwortlich ist. Mr. Ralf ist ein sehr sympathischer Mensch, der jahrelang in die Abgründe der Entwicklungshilfe geschaut, daraus gelernt hat und ganz einfach seine Erfahrungen weitergibt. Montag war „liberation-day“(die Vietnamesen haben das Khmer Regime am 7. Januar 1979 besiegt) und deswegen Schulfrei. Trotzdem waren viele SchülerInnen da und haben sich in großer Runde mit Hingabe einzeln vorgestellt. Srey Mao fragte, ob die Stiftung auch Stipendien vergibt, weil sie so gerne studieren will und Ralf erklärte, dass die Stiftung nicht Einzelne unterstützt, sondern Projekte, die die Einkommenslage der Eltern verbessern sollen, so dass diese irgendwann selber die Kinder zur Universität schicken können.

Gestern Abend war eine Kanadierin von einem HIV-Projekt zwei Dörfer weiter da. Sie sagte, beim Fahrradfahren hätte sie gesehen, das Tropeang Sdock Entwicklung ausstrahlt. Sie blieb ein paar Stunden, wollte alles genau wissen und war begeistert. Nächsten Dienstag sind wir bei denen eingeladen.

So viel zum Thema, wer uns besuchte. Jedenfalls kam der Bus heute Morgen, als Christian noch nicht wieder da war, also sind Hi-Khan und ich allein gefahren und haben nach 1,5 Stunden auf dem Monivong Boulevard auf der Höhhe von der Cannon Reklame “tschup muay / halt eins / bitte mal halten” signalisiert. Die Anderen werden einen Minibus genommen haben und inzwischen auch da sein.

Ach ja, Hi-Khan hat, neben 3 000 anderen Sachen im turbo Tempo, in den  letzten zwei Wochen einen Film gedreht. Jana war Assistentin und hat das Drehbuch geschrieben. Heute Abend wird noch der Text aufgenommen. Soll ich euch schon was verraten? Der Titel heißt: „Mein gelbes Fahrrad“. Mehr sage ich jetzt aber nicht.

Take care,

gabi


Happy new year!

4. Januar 2008

Hier sind “klar Schiff- Tage“, nicht, weil Neujahr ist, sondern weil jemand kommt, der die Dorfprojekte gerade schon mit viel Geld unterstützt hat. Das Fischprojekt ist gesichert. Und vielleicht, wenn die Stiftungsdelegation alles auch so toll findet wie wir, macht auch das Seidenprojekt einen Sprung. Also wird überall geputzt, wird überall Müll weggeschmissen. Das ist nun wirklich nicht gerade normal und ich wette, die Khmer denken, wir übertreiben.

Ich habe eine Theorie oder besser eine Beobachtung über Verfall und Dreck in Kambodscha gemacht: eine Sache ist einfach nur einmal neu, ab dann wird sie älter, bis die stirbt. Erst dann wird sie als etwas anderes Neues wiedergeboren. Dieser Zirkel soll wirklich nicht durch Putzen oder Instandhaltung unterbrochen werden. Diesen Prozess nutzen die Holzwürmer, Termiten und Spinnen. Ich war vorgestern auf einem Klo in einem Markt, da hingen sie Klumpenweise herunter, und drum herum schwarze Nacht in Verwesungsgerüchen von Fisch und Fleisch. Es war großartig, dabei war mir schon schlecht.

Ich weiß schon lange, das Phnom Penh nicht meine Stadt ist, aber seit Jana, Christian und ich drei Tage in Sihanoukville waren, mit dem Auftrag, für etwa 15 Leute eine Unterkunft für die Silvesternacht zu suchen, verstehe ich, wenn Leute, dort auf Besuch, von Kambodscha nichts mehr wissen wollen. Für mich war es enorm anstrengend. Es ging im Wesentlichen um Geld, um Geldrausschlagen, um nicht- übervorteilt- werden zwischen den Kulturen. Menschliche Kommunikation klappt erstmal nur unter Seinesgleichen.

Jana und Christian hatten sich schließlich ein Motorrad gemietet und ganz am Ende des größten Strandes, noch hinter einer „area under construction“, fanden sie den Ort, der schließlich alle glücklich machte: weichster weißer Sandstrand, blaues Meer und 15 Hängematten, die frisch für uns unterm Bananenblattdach direkt am Meer mit Blick aufs Beer bei „chez Antoine“ von Antoine aufgehängt wurden. Er selbst ist Sino-Khmer und kam nach 40 Jahren aus Frankreich zurück, um die Wochentage zu vergessen. Unter unserem Dachboden waren Franzosen oder andere Westler an der Bar mit Chillout- und Reggaemusik.

Unsere Leute aus Tropeang Sdock kamen im Dunkeln an, begeistert von der Fahrt durchs Elefantengebirge und dann hinter Kampot dem Blick aufs Meer und der untergehenden Sonne. Nur Einige hatten das Meer schon einmal gesehen. Tür vom Minibus auf, Kochtöpfe und Kocher raus auf den Zementplatz neben „chez Antoine“ und dann wurde zwei Stunden mit einer Taschenlampe gekocht: 3 Kilo Shrimps, 2 Kilo Tintenfisch, 2 Kilo Schweinefleisch .. ich meine, da konnte Antoine nicht mithalten. 20 vor zwölf veranlasste Hi-Khan den Kulturschock und alle (außer Jana, Christian, mir und den Kindern) wurden zum Touristenstrand nebenan gefahren, mitten unter die Böller. Ich lief um 12 durchs warme Meer, mit blick auf das Feuerwerk und wünschte euch und mir was.

2008 morgens um sechs, der erste Blick aufs Meer. Ein paar Khmer, darunter natürlich Mr. Thoeuns Kinder, waren schon längst drin und ich vergaß alle meine Defekte, es war herrlich …. der ganze erste Januar im Meer war wundervoll. Ich schwamm in meinen Klamotten, wie die Khmer, Badeanzug nur für die Westler (ϑ). Antoine hat nur 2 Dollar pro Person für die Übernachtung genommen, obwohl wir bei ihm so gut wie nichts verzehrt, aber alles Mögliche benutzt haben.

Jetzt sind wir wieder zu Hause und ich habe erstmal geschlafen und geschlafen und seit heute Mittag konnte ich wieder alles essen. Wir drehen einen Film. der Stiftungsvertreter kommt am Montag. Das Bildungskonzept entwickelt sich. Heute Morgen hat „Slarom high“ gegen „Phnom Chiso high“ im Fußball gewonnen. Mr. Thoeuns Bruder hat das Siegestor geschossen. Aber es ist noch ein langer Weg bis zu einer Regionalmannschaft. Nächste Woche kaufe ich mir ein Fahrrad.

Wir kaufen ein: Wörterbücher, Fahrräder, Laptops, eine Schuluhr, noch eine neue Tafel …wenn ihr unter den Spendern seid: Einkaufen ist toll! Waährend ich hier schreibe, geschehen um mich herum immer neue Wunder: der Geräteschuppen ist enorm aufgeräumt, der Zement vom rasen gehackt. Heute Morgen sind die neun Jackfruitbäume eingepflanzt worden, nachdem wir wochenlang den Biomüll und alte Blätter in die Löcher gestopft haben. So ein Stiftungsmensch sollte öfter kommen. „Cambodian time“ verdichtet sich stündlich, um sich nach Montag mit Sicherheit wieder zu entzerren. Aber wer wollte sich nicht von der besten Seite zeigen? Ich habe schon Klo und Bad geschrubbt. Die spinnen sind stinksauer. Gerade wird der Büro-Gecko auch wütend, weil sein Schrank aufgeräumt wird, hinter dem er gerade noch schlief.

Ich grüße euch herzlich, Gabi



Hallo,

13. Dezember 2007

„Sok sabbay djia tee?” = Freude, wohlbefinden oder nein?
Also: Wie geht’s euch in dieser Woche?
Dies ist wieder eine Mail aus dem Dorf, der morgen nach PP getragen wird.

In Phnom Penh wohne ich im Swiss Guesthouse, das ist irgendwo mitten in der Stadt und die Leute sprechen ganz wenig Englisch, wir können also unser Mini-Khmer benutzen. Es ist sicher keine bevorzugte Wohngegend und deshalb nicht sehr teuer. Es gibt eine Dachterrasse auf dem fünfstöckigen Haus und man kann unter dem Mond abends noch ein Bier trinken (mit Strohhalm – wenn man will) und dann aufs Bett fallen. Ich schlafe immer schon um 9 oder 10 ein. Schon vor 6 beginnt das laute Leben in der Stadt und ich stehe noch vor Sonnenaufgang auf um ihn nicht zu verpassen. Mein Frühstück kaufe ich am Markt um die Ecke: bisher Gemüsesuppe mit schwarzem Kaffee, Tee gibt’s umsonst. Vor dem Café sammeln sich die Leute, die mit den Capitol-Bussen in alle Richtungen Kambodschas fahren. Ein ziemlich interessantes Gewimmel. Abends gibt’s Cambodian-Curry (lecker) um die Ecke, gegenüber ist ein Internetcafé und wenn das überquillt noch das chinesische um die Ecke, wo man echt seinen Kopf einziehen muss, so niedrig sind die Decken. Ich habe einen Kaffeeladen entdeckt und starken Kaffee aus der Provinz Mondulkiri mit ins Dorf genommen. Man braucht so was, wenn man in der Mittagshitze einen Koffeinkick kriegen will.

Den vergangenen Sonnabend habe ich damit verbracht, meinen Pass nach der Business- Visa- Verlängerung nach 2 Wochen  wieder zu bekommen. Der Flughafen- Officer wollte ihn mir in Phnom Penh übergeben, damit ich nicht noch mal zum Flughafen fahren muss. Ich habe ungefähr 8 Telefongespräche und zwei Khmerübersetzer in einem Buchladen gebraucht, bis ich das Kaufhaus gefunden hatte, vor dem er mir meinen Pass dann um 6 Uhr abends bei seinem Wochenendeinkauf freundlich lächelnd übergab. Irgendwie geht so was bei uns anders vor sich.

Auf meiner suche nach Khmer-Comics bin ich im Psah Thmey (dem alten französischen Markt) auf zweisprachige moralische Bildergeschichten gestoßen. Jede hat eine Moral, z.B. dass man böse Geister nur lange genug fest an sich gebunden über einen Fluss mutig hinüber- und wieder herübertragen sollte, bis so einer selber Angst kriegt und zu einem Holzstück wird…oder die Geschichte vom Großvater mit seinen zwei Schwiegersöhnen, deren Moral ist, dass Leute, die immer alles wissen, wirklich nicht gerne gesehen sind. Das ist gut für Lehrer.

Unterrichten macht Spaß. Ich wusste ja schon, mit welcher Hingabe hier gelernt wird, aber Jana ist immer noch platt. Wir probieren so nach und nach alles Mögliche aus, ein Schwerpunkt ist und bleibt die Aussprache.

Es gibt jetzt einige Veränderungen, weil Mr. Ny mit Familie für einen Monat nach Sihanoukville zu seiner ältesten Tochter, die jetzt mit einem Franzosen verheiratet ist, fährt. jemand anders wird kochen, jemand anders wird aufpassen und wir haben heute erstmal 15 Kilo Reis für die Hunde gekauft, jedenfalls Anton sieht so rappeldürr aus wie die Cebu-Rinder. Humpel hat ein bisschen mehr auf den Knochen. Wusstet ihr, dass die Geckos Mäuse beißen, bis sie runterfallen, aber nicht fressen können, wegen ihrer kleinen Mäuler? Gerade klebt hier so ein wunderschöner 25cm Gecko mir gegenüber an der Wand. Ich glaube, es gibt bei uns so drei oder vier davon. Grashüpfer springen auch herum und die Grillen lassen Südfrankreich assoziieren. Gegenüber, bei Kung Keas Nachbarn, ist wieder ein kleines „kon koo“, eine Kindkuh, angekommen.

Ach ja, manchmal fehlen Schüler wegen der Reisernte. Der Reis wird auch in der Knallsonne büschelweise mit Sichelmessern abgeschnitten, zu Gaben gebunden und in zwei Riesenballen auf einmal, rechts und links an einem Schulterjoch hängend davongetragen. So hab ich es wenigstens gestern beobachtet. Dann wird er gedroschen, entweder mit einer Maschine (ab 5 Uhr morgens) oder mit der Hand, indem er auf ein Brett geschlagen wird.

Mr. Sal ist wieder gesund. Er hat überall am Oberkörper und am Hals Narben von “Herpes”. Er hatte westliche und traditionelle Medizin von einem witch-doctor. Unter dem Oberarm hat er 6-8 Brandmale von Räucherstäbchen, die dort die Krankheit ausbrennen sollten. er sieht aber wieder richtig gut aus und wir haben eine Klasse weniger, da wir ihn nicht mehr vertreten müssen oder besser, dürfen.

Oh, es ist neun Uhr abends, zeit ins Bett zu gehen oder noch ein bisschen in die Sterne zu gucken. Davon gibt es hier schön viele. Wir haben uns Kerzen für die Veranda gekauft, dann ist es drum herum noch viel schwärzer.

Ich grüsse euch herzlich und freue mich auf eure Mails in Phnom Penh,

Gabi


Liebe Freundinnen und Freunde,

7. Dezember 2007

Hallo, wie geht’s? Ich denke an euch, natürlich auf ganz verschiedene Weise. Und wenn ihr an mich denken wollt, dann bitte in dem schönen Dorf ca. 4 km links von der Straße nach Süden, zwischen Reisfeldern, am Fuße des Phnom Chiso und hinterm Haus ist ein Teich mit Wasserlilien oder sind das Lotusblumen?  Unter Palmen.

Heute bin ich mit Mr. Sras zu einem Fototermin die Straße rechts runter und dann wieder  rechts gefahren. Zwei kleine neue Kälber, eins von Sorya. (Über die Mission muh könnt ihr unter www.sorya.org nachlesen). Und auf dem Weg überall neue Wassercontainer für die Trockenzeit. Toll, Tropang Sdock wird wirklich ein komplettes Regenwasserdorf, d.h. es gibt gesundes Regenwasser und das Brunnenwasser bleibt zum Wäschewaschen und das Teichwasser zum Putzen oder, wie bei uns, für die Klospülung.

Die Zementringe werden jetzt bei uns auf dem Hof gegossen. Die drei Arbeiter fangen mit dem Zementmischen und Ringegiessen vor Sonnenaufgang um 6 Uhr an. Neulich morgen dachte ich, der eine isst ein dampfendes Eis am Stiehl, aber es war eine „damloong“. Mein Kauderwelschbuch nennt das Batate, eine Art längliche Kartoffel, die man an einem Docht innen anzünden kann.

Es ist auch mächtig kalt hier, wie uns alle versichern, weil die Temperaturen unter die 30+ Grad fallen (aber nie unter 20). viele Khmer schniefen herum, ein Schüler versicherte mir, er hätte vor Kälte nachts nicht schlafen können. Es ist eben Dezember, aber für uns ein wunderschöner Sommer.

Drüben im Kiosk gibt es ein ganz klitzekleines neues Baby, den Sohn von Kim Ngets Schwerster. Die ersten acht Tage hat er ständig eine Wollmütze und kleine Handschuhe getragen, auch noch mittags bei mindestens 25 Grad. Es ist alles ungeheuer relativ.

Jana, Christian und ich haben aber auch eine Weile geschnieft und gekrächzt. Die Luft ist sehr trocken und bereits staubig, der Wind wirbelt den Staub auf. Der Reis wird geerntet und gedroschen. Mr. Ny, unser Hausmeister, geht am Wochenende in sein Dorf “to cut rice”. Christian wurde vorgestern gefragt, ob er mitkomme “to cut fish in the ricefield”. Wir dachten, das sei ein Spaß, aber es war nur eines dieser khmerspezifischen Ausspracheprobleme: the idea was “to catch fish” mit den Händen im flachen Reisfeldwasser.

Ein Schwerpunkt in unserem Unterricht ist also die Aussprache. Jede/r der hier war, weiß: das Asian bzw. hier: Khmer English ist anders. damit wir Europäer es in Zukunft verstehen können, bearbeiten wir also immer wieder das „s“, das „sch“, das „f“, die Akzente … umgekehrt bekommen wir Drei jetzt morgens auch Khmerunterricht und da zappeln sich die Khmer- teacher mit uns ab. Deutsch ist auch wieder im Kommen, nachdem eine Lücke zwischen Jakob und uns war.

Gestern hat Christian den Teenies den Nikolaus erklärt, während Jana heimlich Bonbons auf die Flipflops vor der Tür gelegt hat. echte Schülerbestechung á la Michelle Pfeiffer. Wir machen in den Büchern weiter, aber zwischendrin auch immer was Anderes. Nachher ist Brainstorming Teil 2 zum Buddhismus. Gruppen-Brainstorming zu den Stichwörtern: Nirwana, Karma, cycle of rebirth, ghosts und Buddha + presentation at the blackboard. danach sind Geister echt das Letzte hier: dreckig, eklig, böse, leben auf dem Friedhof und stinken… baah, nach dem Mittagessen schleppte unser Hund Anton eine stinkige Ratte an – um auch mal etwas Negatives von hier zu berichten.

Jeden Abend zwischen 9 und halb 10 gibt es hier Hunde-News. Das ist ein Wahnsinns-Gekläffe von Dorfhunden zu Dorfhunden. To whom it may concern. Das Froesche-Radio ist offensichtlich in der Trockenzeit außer betrieb, dafür fangen die Hähne schon lange vor Sonnenaufgang an. trotzdem habe ich nicht die geringste Ahnung, was in der Welt gerade passiert und es wundert mich, dass ich die „faz“ überhaupt noch nicht vermisse.

Ich habe das Gefühl, hier so durch den Tag zu schwimmen, umgeben von Freundlichkeit und warmem Wetter. Gestern ertappte ich mich beim Rennen, ich wollte Kreide von drüben holen. Oh, dachte ich, das gehört in eine andere Zeit. It’s cambodian time.

Ich schreibe hier am Organisationscomputer im Dorf auf meinen Memory-Stick und maile euch morgen aus Phnom Penh aus irgendeinem Internet Café. Ist euch doch klar, dass wir hier noch Laptops, Wörterbücher und Fahrräder brauchen. Wenn ihr also doch etwas zu Weihnachten verschenken wollt, go: www.sorya.org

Ich habe sie zwar nicht gefragt, aber ich wette, Mr. Thouen, Kim Nget, Mr. Pretty, Kung Kea, Srey Mom, Mr. Vibol, Leark und Mr. Ny, Chantea und Mr. Nit (Mr. Sal ist leider krank) Jana und Christian und viele Schüler würden euch grüßen.

Ich grüße euch herzlich,
Gabi


Tropangsdock to Angkor

3. September 2007

The ACS Conversation class visit to Siem Reap
    
We were sitting in a hot minibus, packed
with students, teachers and volunteers all the way to Siem Reap. This was our first introduction to some of the Alysha Chan School team. This was the first trip to the Temples of Angkor funded by the Sorya organisation. We were joining the conversation class students of Tropangsdockvillage on their first experience of not only Cambodia’s most famous icon but for many their first time away from home.
The students had previously been learning about the history of the Angkor Wat complex as part of conversation lessons everyday with Miss Kim Nget, who organised the trip. The group consisted of twenty four students varying in age from sixteen to their mid twenties, Miss Kim Nget, Mr Sal, an enthusiastic English teacher from the school, Shirin, a Swiss volunteer and ourselves, 2 volunteers from England.
With people sharing seats and falling asleep on shoulders we arrived at the guesthouse where we would stay for the 3 nights of our Angkor trip. Our first night, we were serenaded with singing from some of the students we had made friends with during the 7 hour journey.  

Due to a problem starting the minibus our exploration of the temples began a day late. The first site we visited was Phnom Kulen, a mountain-temple, where King Jayavarman II declared independence from Java in 802.This is considered the most sacred mountain in Cambodia by Buddhist Khmers, therefore it was an exciting first pilgrimage for the students, most of whom are Buddhist. The views were spectacular, especially from the Wat where a small platform and steep wooden stairs are surrounded by the dense Cambodian jungle. By far the most entertaining aspect of this day for us, however, was interacting with the students with our limited knowledge of Khmer. Even through the baking heat their interest and enthusiasm to keep us going. After Phnom Kulen we visited the nearby waterfalls and temple ruins, where we ate our lunch of rice. The cool water provided us with much needed relief from the heat and was the scenic backdrop to many photos. The long journey back to the guesthouse set us up for a coke and beer fuelled night.

The Angkor day started early to allow plenty of time to walk around the temples. The first and most impressive temple was the infamous Angkor Wat. This unique and breathtaking structure, seemed to capture everyone’s attention and spark the student’s sense of curiosity. We explored the series of intricate bas-reliefs depicting epic battles, many Gods and Demons in the carving of ‘the Churning of the Ocean of Milk’ and over 3000 apsara (heavenly dancers). Only the bravest of the group climbed the incredibly steep steps to the central sanctuary, representing the struggle to reach the Kingdom of Gods. Everyone posed on the causeway for their photographs and seemed to be relishing the moment they visited the place they’d learnt so much about.

Following Angkor Wat, we ascended the Bayon with its collection of Gothic towers adorned with haunting faces of Avalokiteshvara. This temple left every-one in awe of the majestic Jayavarman VII. Next we discovered the sandstone Baphuon and the famous atmospheric Ta Prohm. Here, the shade of the trees that once engulfed the temple provided a cool retreat for the students and us to sit and absorb the experience. Finally, with the students still beaming with excitement we climbed the hill to Phnom Bakheng.   
We made it up the five tiers to the summit, where the views of the Cambodian jungle landscape and surrounding
temples where certainly worth the long haul up the hill.
We waited for the sunset view and then began our descent back down to the minibus.  

Our last night at the guesthouse, everyone seemed sad that the experience was soon to be over. We were given an informal Khmer lesson on the balcony with Mr Sal and some of the students who weren’t watching the much enjoyed wrestling on TV. We ate our last meal at the roadside cafe we had been to each morning and evening, and spoke about everything we had seen and done in the past three days. We were glad to have been invited on the trip to Angkor by the Sorya team as it was a perfect way to see Cambodia’s most famous attraction. But the experience was made all the more special seeing the students discovering an important part of their country’s heritage that they probably would have only ever dreamed of visiting. To witness their excitement and curiosity of the Cambodia outside of Tropangsdockvillage was an extraordinary thing to share with them. It confirmed that the trip was a success and should be something that is repeated in the future for these deserving students. That night we went to sleep feeling more like friends than volunteers.
The journey back to Takeo province started early in the morning, with loud Khmer music blasting from the minibus speakers and everyone chatting to us in confident English. We were full of apprehension to arrive back at the school to give our first English lessons, but were excited to meet everyone in the village and more students that were so keen to learn.

Since our return we have given many
lessons, seen a growing confidence in speaking English and an improvement in pronounciation. Our experience in Cambodia’s rural village of Tropangsdock has been enlightening and rewarding, so much so that we extended our 4 week stay to three months and have made friendships and memories we will keep forever.


EYECARE MISSION

3. März 2007

Coming back from Phnom Penh at 9 in the morning I see many people in front of Sorya school. They are here since 6 o’clock in the morning, waiting for the eye care mission. Young and old, women and men, all together speaking, drinking tea and glad that Sorya together with the opticians team from Berlin will give them the possibility of checking their eyes and getting new glasses for half the price.

Since 2003 9–14 students of the TFH Berlin (Optics studies) travel to Cambodia and together with two Cambodian doctors visit every day the eyes of at least 200 Cambodian villagers. Last year they came also to our village and the experience was so good that this year we want to repeat it.

At 9:30 the jeep arrives and I  feel better because there are many people waiting and I am worried that we don’t have enough time for visiting everybody. However the German team is surprisingly quick in transforming our schoolroom into an optician laboratory. It is the last day of their Cambodian experience and everybody knows what he has to do.

In the meanwhile the villagers have received waiting numbers and after a first check  outside enter the classroom with their medical  certificate and a number in the hand, shy but with a big smile. Many of them say “Akhon” (thanks) to me, I feel a little bit confused because actually I am not doing much, but it is wonderful to see them smile and  have the feeling that somehow I am a part of such an useful initiative.

The villagers get a first visit from the doctors, who write down the prognosis and direct them to the German team who will provide the glasses. It is wonderful to see how happy they are with their new glasses and I would like to take a picture of every single person.

The German team also plays with the children and gives them games and sun glasses, everybody is laughing, looking at each other with the new sun glasses.  

Not everything is running smoothly. A villager would like to replace his broken glasses, but the doctors tell him that he has cataract and in his case new glasses wouldn’t help. He should be operated and if he doesn’t the eyes will get worse and worse but he doesn’t want to understand, he just wants his new glasses. He tries to convince himself that the problem are the broken glasses, probably he is afraid of an operation. At the end we give him the new glasses and he is very happy. Now I am still thinking of him and hoping that the new glasses will make the miracle, but I am afraid it is not going to work.

I am convinced that anyway people will become more and more conscious of the importance of taking care of themselves and their health. In the villages it is not easy because life conditions are very difficult and often families don’t have enough money for caring about their health as they should.
I am extremely glad to the German team and the Cambodian doctors who afford such a  difficult journey with the aim of helping people and after hours of work by 40 degrees still have the power of smiling and encouraging the villagers.

I hope that the pictures below will give you a better understanding of the wonderful experience I have done.

I would like to thank the Sorya Team:
Kung-khea, Mister Sal, Mister Ny, Mister Vibol and Mister Thoeun
and the German team:
Ulrike, Steffi, Peter, Axel, Anett, Anne, Sina, Frederick, Judith and the Cambodian Doctors Horm Piseth and Chea Seita


Merry Christmas in Tropaengsdock

26. Dezember 2006

Der zweite Weihnachtsfeiertag. Wir schleppen Tüten mit Mehl, Zucker, Öl, Trockenfrüchten,... ins Dorf. Was eine Weihnachtsfeier so braucht.

Um 16 Uhr kommen die ersten Kinder. Bei Tee und Keksen wird gebastelt. Sterne, Blumen, Geschenke und Weihnachtsbäume schmücken bald den Raum, alle sind ganz vertieft, malen, kleben, schneiden. Mit Geschenkband kommt jedes Kunstwerk auf die Leine quer durch den Raum, mit Namen natürlich...eine kleine Galerie!

Dann alle ab zum Händewaschen vor die Tür- jetzt werden Kekse gebacken.
Drei Kilogramm Keksteig mit Rosinen, Kirschen, getrockneter Mango und natürlich Zimt. Jeder darf mitkneten. Die  Kleinen schauen lieber zu und mampfen kräftig als die erste Ladung fertig ist. Kerzen brennen, Musik und der Duft von frischem Gebäck schweben im Raum, dazu die kleinen glücklichen Gesichter der Kinder. Es ist sehr Weihnachtlich.

Ein Kurzgeschichte zu unserer Weihnacht. Die Kinder schauen sehr ungläubig und amüsiert. Fünf von ihnen stellen Maria, Josef und die drei Weisen dar. Einer der Weisen bringt goldenen Schokoladentaler, die Freude ist gross.
Zum Abschluss dann ein Video - die Muppets Weihnachtsgeschichte.

Später sitzen wir mit dem Soryastaff in mitten der kleinen Kunstwerke, essen Pfannenbrot und Würstchen und freuen uns doch über diesen zweiten Feiertag der irgendwie vertraut war und doch ganz anders.


Zurück in der Ausbildung

26. November 2006

Diese Woche hatten Kim Nget und ich unsere ersten 3 Unterrichtsstunden zum Thema Weben. Ich bin zurueck in der Ausbildung, das Weben beginnt wie das Schneidern beim Kleinsten.

Wir haben diese Woche jeden Tag von 8-17 Uhr (eine Stunde Mittagspause) Seide vom Buendel auf Spulen gehaspelt. Die Sitzposition aendert sich nicht wirklich und unsere Kniee und Ruecken finden es gar nicht so toll, ich werd wohl ein paar Gymnastikuebungen einfuehren.

Aber die Arbeit macht Spass, es ist fast wie eine Art Meditation, den Faden halten und hin und her bewegen damit er sich gleichmaessig auf der Spule verteilt.
Fadenanfaenge finden und verknoten und die Faeden entheddern....
Die Dorfbewohner freuen sich mit uns und sind gespannt, jeden Tag haben wir Zuschauer, eine "Barang" die das Weben erlernt, das finden alle ziemlich merkwuerdig und lustig.

Fuer mich ist es gut, zu verstehen wie aufwaendig die Arbeitsgaenge sind, wieviel Zeit sie beanspruchen und was moeglich ist am Webstuhl. Theoretisch weiss ich wie es funktioniert (dank dem OSZ Mode und Bekleidung), aber praktisch ist es noch mal eine neue Welt...
die mir gefaellt!

In der neuen Woche wird der Webstuhl vorbereitet, Kettfaeden aufgespannt und jeder einzelne Faden durch den Kamm  gefaedelt. Ich denke wir Koennen dann die Woche drauf schon anfangen zu Weben. Die Seide ist mit schoenen pastelligen Naturfarben gefaerbt und ueber die ersten Ergebnisse werdet ihr natuerlich sofort informiert.

Wasserfestival

3. November 2006

Am Sonntag war ich mit Mr. Ny und Leak bei der Hochzeit von Leaks Nichte in Takmao. Sie hat einen Australier geheiratet und geht noch diese Woche mit ihm nach Australien.

Ich wurde am Männertisch platziert, es wurde viel gegessen und noch mehr getrunken. Das Essen war ganz grossartig, es wurde ständig was neues Gebracht und ich habe versucht alles zu kosten, das war nicht schwer, weil mir von Mr.Ny und dem Mann neben mir,der Teller ständig aufgefüllt wurde. Und da alle sahen,das mir die Garnelen imTeigmantel am besten schmeckten, blieben fast alle für mich :-)

Ein riesigesbuntes Zelt war aufgebaut und im Garten standen die Tische - alle reich gedeckt und geschmückt!

Es spielte die ganze Zeit eine Band. Zwei Männer und zwei Frauen sangen abwechselnd. Sie waren ganz schön aufgebrezelt...und sangen für meinen Geschmack zu schrill. Die Braut sprach sogar deutsch, das hat sie in der Schweiz gelernt, wo glaube ich derOnkel von leak lebt. Ich hatte drei Stunden lang die Gelegenheit meine “khmertanzerfahrung” auszubauen. Ich hatte keine Chance mit hinzusetzten, von der Braut und dem Brautvater aufgefordert hatte ich ja keine andere Wahl...

Gegen 15 Uhr fuhren wir mit dem Motorbike zurück nach  Tropaengsdock, mit einem geborgten Helm von Mr. Sovann selbst verständlich.

Mittwoch war ich mit Mr. Thouen, Mr. Pretty, Mr.Sovann und Kim Nget  in Phnom Penh um eine Nähmaschine, ein Kettelmaschiene und eine Wasserpumpe zu kaufen. Ein erfolgreicher Tag J und eine lustige Erfahrung

2.11.2006
...das Wasserfestival in Phnom Penh startet morgen. 5 Tage Festival, weil der Tonle Sap seine Fliessrichtung ändert. An den 3 nächsten Tagen also tausende von Menschen in PP, Feuerwerk, bunte Schiffe auf dem Tonle Sap und jede Menge Feiertagsstimmung.

Dorfleben

2. Oktober 2006

Hallo da bin ich wieder, das Leben im Dorf geht einen gemuetlichen gang. Wir haben uns gleich mal zwei Fahrraeder gekauft und sind jeden tag durch die Gegend gefahren, die Natur ist wirklich wunderschoen und das Gefuehl von ein wenig unabhaengigkeit tut auch gut. Drei tage hintereinander waren wir bei unserer Weberinn und haben uns alles ueber das Faerben und Weben erklaeren lassen. Hi-Khan hat also Material fuer einen neuen Film und und ich einen ersten eindruck und viele Ideen. Es ist allerdings schon so, das man ein bisschen faul wird und die mittagshitze lieber in der Haengematte uebersteht bei kalter Cola.

Am Samstag abend waren wir dann Pizza essen und tanzen, Hi-Khans letzter Abend. Pizza im Sorya Market, The Rock und Heart of darkness...es war auf jeden fall eine menge Spass. Gestern hats mich dann zum ersten Mal komplett niedergestreckt, nach einen Freuhstueck mit Koernerbroetchen und Kaese streikten Magen und Darm komplett- bis heute morgen. Wusste nicht das man Muskelkater im Hals und der Zunge haben kann. Fuehl mich heute ausgetrocknet (magen wollte nicht mal wasser haben) und ziemlich erschossen.

Anschaulich:   

Hoffe euch gehts besser, liebe Gruesse
Kathi

Skunk

2. Oktober 2006

Auf dem Weg nach Siem Reap faehrt man durch einen Ort mit dem Namen Skunk, dort werden Spezialitaeten angeboten : Froesche und (riesige) Spinnen gegrillt...der Ort ist beruehmt dafuer. Die 6 stuendige Fahrt gestaltete sich also spannend, der Fahrer hatte kurz vor Start eine NEUE Hupe bekommen und es war ihm eine Freude sie 6 Stunden lang auszutesten, dazu Videoklipps und Musik und das Wissen darum das der Bus alle halbe Stunde haelt, damit der Motor gekuehlt werden kann mit einer kraeftigen Ladung Wasser...grandios!
Dafuer aber die tolle Aussicht und das Wissen bald in Angkor zu stehen und den Japaner mit der traditionellen Seidenverarbeitung zu treffen und die Seidenfarm zu besichtigen.

Siem Reap ist-um Bilanz zu ziehen- die westlichste Stadt Kambodschas, nach nur 2 Tagen war ich ziemlich entnervt. Die Seidenprodukte sind alle- in Fast jedem Laden identisch und kommen alle vom gleichen Ort, den wir heute besichtigten und der niemals im Leben so viel produzieren kann...alles etwas mafioes! dafuer werben Laeden damit das Angelina Jolie bei ihnen eingekauft hat- zum Beweis mit Foto...

es gibt aber auch Ausnahmen, wie den sehr symphatischen Japaner Morimoto, der sich vor ein paar Jahrzehten zur Aufgabe gemacht hat, die traditionelle kambodschanische Seide und ihr Verarbeitung zu erhalten. Das klappt! Er bildet immer neue Frauen aus und wenn man seine Produktions- und Ausbildungsstelle betritt, so ist das (wie er auch sagte) als betrete man den teil eines Dorfes. Die Frauen sitzten und weben und haspeln mit ihren Kindern zusammen, alles ist sehr familaer und wirkt sehr harmonisch.
Die Seidenfarm war sehr spannend, der komplette Ablauf der Seidengewinnung und Faerbung mit Naturfarben zum Anfassen  und fotografieren.

Aber die Tempel waren natuerlich das Groesste!
es ist einfach unglaublich wirklich dort zu sein und sich wie der Entdecker eines verlorenen Reiches zu fuehlen. Riesige Baeume die in die Tempel eindringen, zugleich Feind und Freund sind, weil sie dir Gemaeuer einerseits zerstoeren, andererseits aber auch alles zusammenhalten.
Angkor Wat mit seinen Herrlichen Wandreliefs und einer unglaublichen Symmetrie und Energie in allem...
Man kann es nicht glauben wenn man nicht selber dort war!
Angkor Thom mit seinen hunderten laechelnden Gesichtern und den Buddhastatuen in Safran und den Raeucherstaebchengeruechen und dem gruenen Licht...

Ich habe mir die Zukunft weissagen lassen, mitten zwischen diesen hunderten Gesichtern. Scheinbar ist mir alles Glueck dieser Welt beschienen...5 Star luck, diamond, luck...les yeux noir! Das war ein wenig merkwuedig aber auch spannend, und natuerlich schoen zu hoeren :-)

Morgen gehts zuerueck nach PP, 6 Stunden Busfahrt und noch mehr spannende Abenteuer.

PS: Ich freu mich riesig ueber eure Nachrichten, ihr koennt mir aber auch mails schreiben 

oh miss, can i take a photo with you

29. September 2006

Gestern auf dem phnom chisso sprach mich eine junge Kambodschanerin so an :-)
Das Dorf ist super schoen und alle Leute dort so nett,
wir warten grade in Phnom Penh auf den bus nach Siem Reap...ANGKOR

Im Dorf haben wir den Berg (Ja ich weiss-den Huegel) bestiegen und waren in einigen Webereien...das war echt spannend. und unglaublich unter welchen einfachen Bedingungen diese wunderschoenen schals entstehen. ein eimer mit blaettern und rinde ergibt letztendlich eine wunderschoene farbe. Dusche und Toilette funktionieren mit schoepfkelle und Regenwasser. Jeden Tag kocht Leak die tollsten Gerichte und zum Fruehstueck Yum Yum nudeln (instant), vor dem Haus ein Mangobaum und neben dem Haus palmen. Gestern Abend war um 21 uhr der Strom alle, Kerzen und fruehe Nachtruhe :-)

Die "Strasse" nach Tropangsdock waren heute morgen unter dauerregen nicht mehr erkennbar, das war eine wilde Fahrt zwischen Reisfeldern!

Bald mehr. Die liebsten Gruesse. Kathi

PS: Urlaub ????? 

Für den einen ist es Toilettenpapier, für den anderen ist es die längste serviette der Welt...

26. September 2006

Das fiel mir ein, als ich im Restaurant sass. es ist ueblich einen serviettenspender auf dem Tisch zu haben uns Katrin erzaehlte mir, das sie toilettenpapier gekauft hat, weil es in den guesthaeusern und ueberhaupt ueberall nie welches gibt (Dafuer die linke hand oder eine kleine dusche ;-)
die frau im laden verstand papier und wischen und wischte sich ueber den mund (ja so aehnlich dachte sich Katrin)... Es ist witzig, das Toilettenpapier so komplett unbekannt hier ist.

Die Massage gestern war grossartig, eine Stunde wurde ich wie ein teig durchgeknetet...richtig schmerzhaft...auaaaaaaaaaaaa! aber hinterher fuehlte ich mich wirklich gut. Meine komplette linke Seite war verspannt.Wir besuchten den Wat Phnom um den es eine schoene entstehungslegende gibt, die von einer witwe erzaehlt, die drei Buddhastatuen im fluss fand, ihr zu ehren wurde der Wat Phnom errichtet (aufgeschuettet) und deshalb auch der Name der Stadt Phnom Penh....

Dort oben wohnt eine wilde affenherde und es ist nicht wikrlich sicher die schuhe vor der tuer der Pagode zu lassen, aber drinnen ist es sehr schoen und mystisch, hunderte buddhastatuen und riesige gelbe kerzen und raeucherstaebchen...

Ausserdem war ich in mehreren seidengeschaeften und auf maerkten um zu schauen was es alles so gibt- es gibt alles und wirklich tolle stoffe... bin ganz begeistert!!! Die Seide ist der wahnsinn, die Farben und ueberhaupt...
Morgen fahren wir ins dorf und am Freitag nach Siem Reap- Angkor

Hoffe euch gehts allen gut!
Heute ist Sarah gefahren, das ist komisch, denn ich habe sie jeden Tag gesehen und wir hatten sehr viel Spass zusammen.
Zum Glueck ist Katrin noch da...morgen das Dorf-ich bin gespannt!

Kathi   
geckos ueberall...

I love you like the mouse so love the rice...

24. September 2006

Eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt die ist schoen, ja kann da man viel erleben und auch tausend dinge sehen...
in diesem falle auch hoeren. Es gibt scheinbar in Kambodscha nichts tolleres als Busfahren mit Klimaanlage auf :very freeze und dazu bollywood und Khmermusikvideos. der titel des heutigen blogs ist der refrain eines eben solchen
Ihr koennt euch unser amusement vorstellen!

Gestern in aller fruehe sind wir -Sarah, Katrin und ich- also nach Sihanoukvillle gefahren, vielleicht auch als Kompong som in manch einer Landkarte vermerkt. 4 Stunden und wir waren am meer und das ist nicht irgendein meer, sondern der Golf von Thailand mit weissem sand und allen schikanen. Unser guesthuose war ein traum und das wetter grossartig, so dass wir den nachmittag am strand verbrachten, wo wir angestarrt wurden wie aliens. jemand machte mit seinem handy sogar eine vidoeaufnahme von uns...das ist ein seltsames Gefuehl! Am Nachmittag zog ein Tropensturm auf, die Wolken hatten richtige kleine Wirbelstuerme in sich, das war dann doch etwas beanstigend. Das Abndessen nahmen wir am Hawaii Beach ein- Krabben und Krebs mit Pfeffer und Knoblauch (ungefaehr 2 komplette Knollen), bei grossartigem sonnenuntergang. Spaeter gab es dann einen grossartigen Regenguss, der uns wiederrum etwas veraenstigte, weill massig und laut und irgendwie ja direkt am Meer auf einer Halbinsel. Wir wachten aber am Morgen gesund und munter auf, hatten nur einen eckligen Knoblauchgeschmack im Mund ;-)

Das Fruehstueck-pancake with banana+choclate war vorzueglich, es blieb aber stuermisch und die See war wild, was den Kambodschanischen kindern und Jugendlichen einen unglaublichen spass bereitete- sie hatten alle diese riesigen Reifen und gingen voll bekleidet ins wasser (Anstand).

Wir fuhren deshalb schon frueher als geplant zurueck und jetzt erlebe ich die Stadt grade in ihrem vollen Leben, denn das fest ist vorbei und die Strassen voll.

Auf der Busfahrt hatte ich einen tollen einblick in die Flora und Fauna Kambodschas- es ist einfach total schoen. Kardamon- und Elefantengebirge, Palmen, Reisfelder, wasserbueffel, Doerfer und Pagoden...hier und da die eine und andere verschandelung durch Fabriken und haufenweise plastik und muell (Umweltverschmutzung kann bei uns keiner sagen...)

Wundervolle variantionen von gruen und einfach mit Atmospaere...

Liebe Gruesse! Kathi

Phnom Penh

21. September 2006

Meine erste Stadterfahrung heute war die Fahrt mit einem Motorrad, auf dem 3 Leute Platz haben und das wied er Wind durch die Stadt fegt- zusammen mit 3000 anderen nebenbei. handeln muss man hier irgendwie immer, weil Ausländer nach Geld aussehen... Später sind wir am Fluss entlang gegangen, zur zeit ist das Fest der Verstorbenen- über 14 tage werden in allen Pagoden Opfergaben gebracht, Blumen und Essen und alles total schoen hergerichtet und aufwenig. So beschwichtigt man die Seelen, die selbst aus der Hoelle kommen um die Pagoden nach Opfergaben von ihren Verwandten abzusuchen. Das ist ein Buddhistischer Brauch. In mindestens 7 Pagoden suchen die Verstorbenen. Die Mönche weihen die Gaben und Essen sie später auch. An der riverside sind sehr viel Kinder, die betteln oder Taschenbuecher-also reisaefuehrer verkaufen, dort gibt es auch die westlichen Restaurantes, mit den männlichen Touristen, die ein Hauptanliegen haben um herzukommen (damit meine ich nicht die Happy pizza- die auch aus Amsterdam kommen koennte).

In einem von jenen assen wir also und spaeter durchquerten wir einen Markt und mir verquerte sich der Magen. Schaut euch das Parfum im Kino an, die Szene von Markt koennte von hier sein (eben auf Kambodschanisch). Ich bin ein wenig geschockt. Berlin ist unglaublich steril und hygenisch ;-) (sagt das der CDU)
Mehr von mir in ein paar tagen, es wird hier schon um 6 dunkel und zwar innerhalb von 10 minuten...deshalb gehen wir jetzt ins swiss guesthuose und ich wälze meinen Reiseführer! Kathi

Kim Nget

22. August 2006

Koy Kim Nget, High School Absolventin, Lehrerin der Alysha Chan School und Stipendiatin des Mithona Patenschaftsprogramms (click&zoom)
Gegenueber der Alysha Chan Schule lebt die Familie Koy. Zwei Maenner, vier Jungs und sieben Frauen zwischen zwei und fuenfundfuenzig Jahren. Sie sind Schwaegerinnen und Schwestern, Cousinen und Enkelinnen, aber vor allem sind sie Freundinnen. Zuhause wird gekocht, zum Essen eingeladen und auch mal Volontaerinnen Kochunterricht gegeben. Seide wird fuers Faerben vorbereitet, gelernt, gesungen, im Dorfladen von Kim Cheng werden vom ganzen Dorf Suessigkeiten, Waschpulver und andere Kleinigkeiten eingekauft und es wird viel gelacht. Eine dieser Frauen, die vor Lebensfreude nur so sprudeln ist Kim Nget, die als juengste und einzige Frau fuer Sorya unterrichtet. Sie ist 20 und steckt gerade mitten in den Vorbereitungen fuer ihre Abiturpruefungen, verzweifelt wie Schueler ueberall auf der Welt an Mathematikproblemen und gleichzeitig freut sie sich schon, wenn sie nach den bestandenen Pruefungen mit ihren Freundinnen feiern wird. Daran, dass sie bestehen wird zweifelt niemand ausser sie selbst. Denn sie ist schlau, wahnsinnig fleissig und besitzt eine innere Staerke, die einfach bewundernswert ist. Doch Komplimente kann sie nur schwer annehmen und auch die Frage nach ihren Staerken beantwortet sie nur ungern, meint, dass sie eigentlich in nichts gut ist ausser im Essen. Doch gleichzeitig laechelt sie und strahlt etwas aus, das einem das Gefuehl gibt, dass sie weiss, was sie kann, was sie will und wer sie ist.

Bis ganz kurz vor den Pruefungen hat sie weiter unterrichtet, ist selbst in die oeffentliche Schule gegangen und hat auch bei den zusaetzlichen ACS Englischlektionen nie gefehlt. Zusammen mit dem Computerkurs, den sie am Wochenende noch besucht hat war die Woche absolut verplant, nur am Sonntagmorgen blieb manchmal ein bisschen Zeit, die dann aber oft zum waschen, kochen oder lernen genutzt wurde. Doch wenn man sie fragt, ob ihr das nicht manchmal zuviel sei, antwortet sie, dass ihr zwar manchmal schon wenig Freizeit bliebe, dass ihr das Alles aber vor allem Hoffnung gaebe. Die High School, weil sie so sehr hofft ein gutes Abitur zu machen, der Computerkurs, weil ihr der bei einem zukuenftigem Job oder Studium weiterhelfen koennte und die Arbeit mit ihren Schuelern macht ihr einfach grossen Spass und ermoeglicht ihr momentan ihre eigene Ausbildung zu finanzieren. Sie weiss es zu schaetzen, dass sie als erste in ihrer Familie die Schule beenden kann. Ihre Schwester Kim Cheng hat die Schule mit 15 abgebrochen. Sie musste Arbeiten  gehen, kam dann zwar schon nach einer Woche zurueck, schaemte sich aber zu sehr, den Lehrern bei denen sie gefehlt hat wieder zu begegnen, so dass auch ihre Eltern sie nicht ueberzeugen konnten weiterzumachen. Dabei ist es ihnen wichtig, dass ihre Kinder eine gute Ausbildung haben.

Kim Ngets Mutter ist selbst in einer Zeit aufgewachsen, in denen es Maedchen nicht erlaubt war zur Schule zu gehen. Lesen und Schreiben zu lernen war verboten, denn wenn sie das gekonnt haetten, haetten sie auch die Liebesbriefe der Jungs lesen koennen. Doch Ju kann ein bisschen lesen. Sie hat sich waehrend dem Unterricht zur Schule geschlichen, sich draussen am Fenster versteckt und soviel wie moeglich aufgeschnappt.

Ihren Mut und ihre Willensstaerke hat sie an Kim Nget weitergegeben, die nicht ohne Grund den Spitznamen “Fighting Chicken” verpasst bekommen hat. Sie mag keine Roecke, fuehlt sich in Hosen einfach wohler und traegt die auch immer, ausser zur Schule, wo sie nicht erlaubt sind. Doch dann grinst sie und erzaehlt, wie sie sich  auch da schon in Hosen hingetraut hat und sich einfach zuhinterst versteckt hinsetzen musste. Neue Hosen moechte sie keine kaufen, auch ihr anderer Spitzname, der soviel wie “Junge” bedeutet laesst sie unbeeindruckt, denn wenn es fuer sie je die Moeglichkeit gaebe zu studieren, dann waere das am Wochenende in Phnom Penh und dann duerft sie auch Hosen tragen. Ihre Augen leuchten beim Gedanken an diese kleine Freiheit.

Ein Studium an der Universitaet waere sicher ihr groesster Wunsch momentan, doch studieren ist teuer. Noch weiss sie nicht, dass sie durch Patenschaften bei Sorya die Moeglichkeit bekommen wird den zu verwirklichen.
Und ich wuenschte, ich waere dabei, wenn diese kleine, junge Frau, in der soviel Humor, soviel besondere Weisheit, Mitgefuehl und trotzdem so ein starker Wille lebt, erfaehrt dass es Wunder gibt, die wahr werden koennen.


Udong

13. Juli 2006

Unsere Schüler am Aufgang zur alten Hauptstadt (click&zoom)
Was fuer ein schoener Abschluss fuer meine Tropang Sdock Zeit und was fuer ein wunderbarer Start fuer die "neuen" Barangs, die zahlreich eingetrudelt sind. Ein Schulausflug nach Udong, die Stadt, die 1618 bis 1866 die kambodschanische Hauptstadt war. Das kann ich euch so musterschuelermaessig mitteilen, weil Udong nicht nur ein huebsches Plaetzchen ist, sondern sich auch bestens fuer ein Projekt mit den aelteren Schuelern eignet. Sie haben die ersten Vortraege ihres Lebens gehalten, und uns damit die Geschichte dieser Zeit naeher gebracht. Es war alles mal wieder sehr kambodschanisch (, chaotisch, alles auf den letzten Druecker und natuerlich sehr spassig,), aber es war auch schoen zu sehen, wie sie mittlerweile mit Khmer Material arbeiten koennen, selbststaendig uebersetzen, umschreiben und sehr sehr nervoes und mit viel Charme ihre Praesentationen halten.

Nachdem also alle brav vorbereitet waren haben wir uns gestern zu sechzigst auf den Weg gemacht. In drei Minibussen (ja, es war sehr eng und ja, es wurde auch auf dem Dach gesessen) mit einem Reisberg und 10 kg Schweinefleisch, das morgens um fuenf gekocht worden war erreichten wir unser Ziel. Da nicht nur Mr. Ny meint: "I eat rei, I strong!" haben wir uns zuerst gestaerkt (Danke an Leark und die Conversation Heinzelmaennchen!!!) und dann hochmotiviert den Phnom Udong bestiegen. Es war heiss, die nackten Fusssohlen gluehten, aber natuerlich hat es sich gelohnt. Ja, als wir oben ankamen, haben sich die Begeisterungsstuerme der Schueler ueberschlagen. Alles haben sie genossen, die Aussicht, die Stupas, einfach an einem Ort ihres Landes zu sein, den sie nie zuvor gesehen haben und ueber den sie kaum etwas wussten.
Es wurde gestaunt und gedankt, gebetet, entdeckt, noch ein paar Praesentationen wurden gehalten und auch ein kleiner Sturm konnte die Stimmung nicht trueben..

Ja, es hat sich echt gelohnt, mit ihnen hinzufahren, und als wir spaeter nach Hause fuhren waren alle muede, aber auch sehr sehr gluecklich.

(Ist ja wohl DER Abschlusssatz, wenn man einfach eine wunderhuebsche Schulreise hatte!=))

Djum riab sua Freunde der Sonne,

11. Juni 2006

yes, yes ein 4:2 fuer Deutschland und Tropang Sdock war dabei !!! Unsere extra angeschaffte Antenne erfuellt in minimalistischer Weise ihren Zweck: Von den 5 Programmen, die man mit ihr empfangen sollte, laufen gerade mal 2 – doch der wichtigste ist dabei mit scharfem Bild und klarem Ton! Letzterer spielt zwar eine eher untergeordnete Rolle, weil in Khmer und nix verstehen, aber der anfeuerende Schlachtchor der deutschen Fans im Hintergrund reicht aus, um genuegend WM – und Heimatmosphaere zu kreieren.

Es war zwar spaet, genauergesagt kurz vor 23 Uhr, eine Stund, die hier in der Regel den Beginn der Tiefschlafphase einlaeutet. Auch der Abend des Eroeffnungsspiels haette keine Ausnahme gebildet, wenn uns der auf extralaut gestellte und virbrierende Handywecker nicht davon abgehalten haette. Die Stimmung war heiter jubelnd , die deutschen Trikots wurden (auch von den Khmers) mit Stolz getragen und die aus der Stadt importierten mexikanischen Taccos im Hot Salsa Dip liessen sich gut und gerne mit eisgekuehltem Angkor Bier runterspuelen.
Wer haette gedacht, dass mir Deutschland in den 5 Monaten, die ich hier verbringe, so nah sein wuerde…die ganze Welt ist im froehlichem Ausnahmezustand…ein Hoch auf den Initiator der Fussball Weltmeisterschaft und auf unsere Mannschaft, die auch ohne ihren Kapitaen einen wuerdigen Auftakt geboten hat.


Meine ersten Wochen...

Saturday, 27. Mai 2006

Oke, das ware dann mein 2. Versuch, nachdem ich letztes Wochenende den Ersten gestartet hatte und dann die freudige Ueberraschung eines ploetzlich schwarzen Bildschirms erleben durfte! Oh ja, wie recht sie haben, meine Students: "Life in Cambodia is not a piece of cake!"

Und trotzdem ist es herrlich. Kann kaum glauben, dass ich jetzt schon ueber einen Monat hier bin, obwohl es mein Gefuehl von "Zuhause" absolut bestaetigt. Nicht so einfach diese ereignissreichen Wochen zusammenzufassen..

Krasse, krasse Hitze, an die ich mich nicht wie ich gehofft gewoehnt habe, dann hat aber auch ein Regen, der kein Ende zu kennen scheint begonnen.. Kurz haben wir uns ueber die Abkuehlung gefreut, hat sogar fast erschreckend an Zuerich erinnert, grauer Himmel, keine Sonne... Aber diese Freude waehrte nicht lange, bald schon haben wir Tausende von bisher unbekannten Insekten kennengelernt, die vom Regen zu neuem Leben erweckt worden sind und sich natuerlich begeistert auf das einzige beleuchtete Haus weit und breit gestuerzt haben!! Ich bin eigentlich echt nicht empfindlich, was so Getier betrifft, kein Austrasten bei Spinnen oder Aehnliches. ABER echt, das hat unvorstellbare Ausmasse angenommen!!! Der weisse Boden war schwarz, von Ameisen bedeckt, die Tische voller toter Tiere, an den Waenden kriechte und krabbelte es und im ganzen Raum ein einziges Geschwirr von Kaefern und Termiten, denen der Regen Fluegel verliehen hatte. Hat echt an eine biblische Plage erinnert und wundert mich, ob fruehere Volontaere es geschafft haben, ihre Lektionen zu Ende zu fuehren, wenn das Alles in den Haaren, in den Hosenbeinen und im Ausschnitt (, auf den man hier ja echt nicht umbedingt aufmerksam machen moechte) herumgekrochen ist..!?
Aber brav haben wir daraus gelernt, Fenster werden fruehzeitig geschlossen und ich glaube, alle halten mich fuer leicht paranoid..

Ansonsten erhaelt die gekaufte Landwirtschaftsmaschine grosse Aufmerksamkeit. Hm, scheint doch nicht so einfach zu bedienenzu sein, wie uns alle versichert haben, so voellig ohne Erfahrung. Aber das bedeutet nichts anderes, als dass es geuebt werden muss! Im Schulgarten. Jawohl!! Entsprechend sieht es jetzt auch aus.. Bilder werden bald folgen.
Aber Sovann, Pretty und Mr. Ny ("ei ssink nauw ei kaenn drei!" ???) diesem Monster hinterher rennen zu sehen, war es irgendwie wert.
Sich dann wirklich auf ein gutes Verleihsystem zu einigen war nicht ganz einfach. Vor allem nicht, wenn sich mal wieder deutsch-schweizerisch-kambodschanische Missverstaendnisse einschleichen und man nach einer zweistuendigen Diskussion merkt, hach, wir haben alle die ganze Zeit um das Gleiche gekaempft!

Es gaebe noch soviel zu erzaehlen, meinen grossartigen Einstieg ins Motorbike fahren (obwohl Mr. Sal meint, ich muesse noch viel ueben, bevor er sich wieder zu mir setzt), wie ich gelernt habe Wassermelonen zu pflanzen (auch da meint der Barang, er habe das so einfach scheinende System gleich durchschaut, aber irgendetwas macht er immer falsch..) und und und.... Aber das zu einem anderem Zeitpunkt.

Einen Klumpen Sonnenschein schicke ich euch!
Shirin

Neues Jahr und neue Feste

Montag, 27. März 2006

(click&zoom)
Meine Lieben,
wollte Euch mal wieder ein paar Eindruecke aus Asien schildern. Habe heute mit Thoeun, einem Lehrer unserer Schule, Pflanzen zur Verschoenerung unseres Schulgartens gekauft. Ooohhhh..... ich war ganz euphorisch angesichts dessen, Pflaenzchen aussuchen zu duerfen. Nach einer sorgfaeltigen Auswahl konnten wir ca. 60 Prachtstuecke unser eigen nennen, die dann auch sogleich auf das Dach des schon wartenden Minibusses geschnallt wurden. In meinen Augen war der Bus schon mehr als ueberfuellt, aber in Kambodscha gilt die Regel, wo schon viel ist, da passt noch mehr hin.

So haben sich Thouen und ich schliesslich auch noch zu den bereits ca. 20 Insassen gequetscht, in einen Bus, der fuer 12 Leute ausgelegt ist. Zu unseren Pflanzen auf dem Dach hat sich ein junger sportlicher Kambodschaner gesellt und neben ihm haetten noch mind. 5 weitere Leute Platz gefunden. Die Kapazitaeten waren als noch laengst nicht ausgeschoepft..... Unter Hupen und mit lauter asiatischer Mucke beschallt, ging die Fahrt schliesslich los. Es war gar nicht so unbequem, wie es sich anhoert und ich habe mich schon bald meinen Tagtraeumereien hingegeben, mir den kuehlen (!) Fahrtwind ins Gesicht blasen lassen, die unglaubliche Weite der Reisfelder, unterbrochen von Palmen, genossen und den wunderschoenen Sonnenuntergang zu meiner Linken bestaunt .... Mmmmhhhhh ..... “Do you have the pump?” riss mich schliesslich Thoeuns Stimme aus meinen Gedanken.

Wie Schuppen fiel es mir von den Augen und ich sah die in Phnom Penh erworbene Wasserpumpe beim Gaertner im Eingangsbereich stehen. Nun hatten wir doch glatt, angesichts unserer Euphorie beim Pflanzenkauf, die Pumpe dort vergessen. Schon war der Bus gestoppt, Thouen auf der anderen Strassenseite bereits mit einem Motorbikefahrer im Geschaeft, der ihn wieder in die andere Richtung befoerdern sollte. Ich fand mich schliesslich, schon in der Dunkelheit, an der Abzweigung zu unserem Dorf ein - mit den Pflanzen im Gepaeck. Ein kurzer Anruf bei dem Security Guard unserer Schule und schon waren zwei Motorroller organisiert, die mich mitsamt dem Gruen ins Doerfchen zurueckbrachten. Erschoepft, aber gluecklich und zufrieden, sitze ich nun hier, schreibe euch diese Zeilen und freue mich am meisten, dass die Pflaenzchen trotz aller Strapazen heil geblieben sind ...

Morgen wird dann angepflanzt (Jipiiieee!), damit unsere Schule huebsch ausschaut, wenn wir naechste Woche am Mittwoch unser erstes Schulfest steigen lassen. Ich bin schon richtig aufgeregt wegen dieser Party, ca. 200 Schueler werden erwartet und viele von ihnen haben die Schule hier im Ort noch nie gesehen, weil unsere Lehrer zu ihnen ins Dorf zum unterrichten fahren. Essen fuer alle soll es geben, Musik und natuerlich diverse Spiele ... Auf dem Bild seht ihr die Party vom September 2005 - zumindest den Nachmittagsteil ... Auf dem Bild seht ihr die Party vom September 2005 - zumindest den Nachmittagsteil ...

Zwei Tage spaeter beginnt dann auch schon Khmer New Year, von dem seit Wochen gesprochen wird. Drei Tage lang wird das neue Jahr gefeiert und ganz Kambodscha, so konnte ich Erzaehlungen entnehmen, befindet sich im Ausnahmezustand. Bin schon supergespannt auf diese Zeit und freue mich total.... Wenn ihr eure Ostereier sucht, koennt ihr ja mal daran denken, dass man in Kambodscha gerade ins neue Jahr hineinfeiert ....

Nun denn, ich hoere dann mal wieder auf, ihr muesst ja noch weiterarbeiten oder studieren oder lernen oder Stunden vorbereiten oder Diplomarbeit schreiben oder schlafen oder relaxen oder ... oder ... oder ... was auch immer ihr zu tun habt, ich wuensche Euch viel Freude dabei ... Bis bald (wahrscheinlich erst im neuen Jahr!) Anke

… und habe ich euch eigentlich schon erzaehlt, dass gerade Mango-Saison ist und ich mir jeden Tag leckerste, suesseste Mangos auf der Zunge zergehen lasse?

Barang Barang!

27. März 2006

Meine Lieben,
wie geht es Euch? Mir geht es gluecklicherweise wieder gut, nachdem ich letzte Woche Fieber hatte und mich total schlapp gefuehlt habe. Nach Aussagen der Kambodschaner geht es aber vielen so aehnlich wie mir, wenn es so heiss ist wie im Moment.

Meine letzte Woche hat ja mit einer Hochzeit begonnen. War ziemlich witzig und interessant. Das Brautpaar zieht sich ca. alle 20 Minuten um, die Braut wird neu geschminkt und die unterschiedlichsten Rituale werden vollzogen. Mittlerweile wird sogar ein Brauch aus dem Westen zelebriert – naemlich gemeinsam die Hochzeitstorte anzuschneiden. Das hat man bis vor kurzem noch nicht gemacht.

Fuer mich ziemlich anstrengend war die laute Musik am Abend. D.h. die Boxen werden so laut aufgedreht, bis sie total uebersteuern, der Sound kratzig ist und es nahezu in den Ohren schmerzt. Auf die Frage, warum sie die Musik sooo laut aufdrehen, bekam ich stets die Antwort, dass die Khmer nur zu lauter Musik tanzen koennen, weil sie so schuechtern sind.... Ich habe versucht, ihnen zu vermitteln, dass etwas leiser immer noch sehr laut ist, aber ich glaube, es kam nicht wirklich an, was ich meine. Natuerlich musste auch ich tanzen. Ich tanze ja echt gern, nur die Khmer haben einen ganz eigenen Tanzstil, den ich nicht wirklich gut imitieren kann. Man bewegt seine Haende in einer spezifischen Weise, die Finger sind dabei um mind. 45 Grad nach hinten gebogen, was ich nicht mal schaffe, wenn ich mit der einen Hand gegen die Fingerspitzen meiner anderen Hand druecke. Naja, habe trotzdem ungelenkerweise mit der Hochzeitsgesellschaft um den Tisch getanzt, immer rundherum... Das macht man hier so, dass man vorzugsweise im Kreis tanzt.

Gerade beim Tanzen war es natuerlich hoechst interessant dem Barang zuzuschauen. Barang ist das Khmer-Wort fuer Auslaender, wahrscheinlich das erste Wort, das jeder lernt, wenn er das Land zum ersten Mal bereist. Man hoert es eigentlich staendig, egal was man gerade tut, wo man sich befindet ... sobald man irgendwo praesent ist, wird ueber den Barang gesprochen, wie er tanzt, Waesche waescht, was er isst oder welche Klamotten er traegt .... Soll nicht heissen, dass die Leute in einer boesen Art und Weise ueber einen sprechen, vielmehr sind sie interessiert und manchmal auch etwas belustigt, wenn Barang etwas anders macht, als sie es kennen [d.i. ungefähr immer, Hendrik].

Natuerlich habe ich in der letzten Woche nicht nur gefeiert. Der Unterricht will vorbereitet und gehalten werden und auch diverse Meetings standen auf der Tagesordnung. Am Freitag hatten wir beispielsweise ein Treffen mit dem Dorfkommittee, um mit dessen Mitgliedern ueber geplante Projekte zu diskutieren. Wir haben vor, die Bauern des Dorfes zu unterstuetzen. Hierfuer ist es natuerlich sinnvoll, sich die Meinung der Dorfaeltesten einzuholen bzw. mit diesen zusammenzuarbeiten. Wir wollen Arbeitsgeraete kaufen, die den Bauern die Arbeit auf dem Feld erleichtern bzw. die helfen, hoehere Ertraege zu erwirtschaften. Diese Geraete sollen sich dann die Bauern bei uns ausleihen koennen. Muss alles gut organisiert werden ... Aber die Leute hier haben meiner Meinung nach sehr gute Ideen, was die Konkretisierung des Projektes ungemein erleichtert. Nun denn, das soll’s dann mal gewesen sein fuer diese Woche ...
Bis bald Anke

Ein gutes Sory-Jahr

2. Januar 2006

In dem Land, wo das Jahr eigentlich erst im April beendet ist, moechte ich trotzdem, wie für mich gewohnt, im Dezember ein kleines Resumé der freudigen Ereignisse ziehen:
Ein neues Haus, eine gute Ernte, geschichtliche Ausfluege und kulturelle Ereignisse, neue Technologien, ein Student fuer Rural Development, ein neuer Name fuer die Organisation, gesunder Nachwuchs, Kranke, die wieder gesund geworden sind….usw., usw. und dabei ganz viel Freude, Erfahrungen und Spass.
Mit dem ziemlich letzten spektakulaeren Eindruck von 2005, den wir (Kim Nget, Mr.Petty, Mr.Sal, Eliza und ich) in Angkor bei den Nuits d’Angkor erlebt haben, moechte ich nur kurz zureckblicken und sagen: Es war ein gutes Jahr, auf das hoffentlich ein wunderbares neues folgen wird!
Alles Liebe! Lisa

Neues Sorya-Mitglied

Montag, 19. Dezember 2005

Kuhbidu...
Nun ist sie da, unsere neuste Kuh, das neue Mitglied im Stall und bald in Pflege bei einer der Familien im Dorf, die selbst noch keine Kuh haben.
Man hat sie (in Deuschland) Djam.Pay, und somit nach dem schoenen Frangipanibaum benannt.
Ist sie nicht ein Prachtstueck?
Und das beste haelt sie noch im Verborgenen. Die gute ist bereits schwanger, und wird uns hoffentlich bald ein kleines neues Junges schenken, das dann auch wunderbar in unser Kuh-Verleihungs-Konzept passt.
So viel fuer den Augenblick...
bis bald!
Lisa

Nachwuchs!

12. Dezember 2005

..und wieder ein neues Baby!
Der kleine ist nun 2 Wochen alt, und wurde vor allem von seiner Vorgaengerin, dem kleinen weiblichen Kalb, sehr lieb gewonnen.
In dieser Woche waechst dann hoffentlich auch die Herde um ein weiteres erwachsenes Mitglied, auf dessen Suche ich mich schon sehr freue!
Bis bald!
Lisa
posted by Tropang Sdock |

Kambodschanischer November

12. November 2005

Krankheitsbilder
An einem Ort, wo Sonne, Palmen und blauer Himmel zur Tagesordnung gehoeren, da sollte man doch vermuten, man wuerde von der alljaehrlichen Herbst/Wintergrippe verschont bleiben…
Wenn man gerade gluecklich von Arzt zurueckkommt, in dem Wissen, dass man nicht von der Malaria-Muecke gestochen wurde, und wenn man sich ziemlich ueber einen Jungen geaergert hat, der seine Medizin fuer einen Tag nahm, und dann meinte, er sollte damit aufhoeren, weil es sein jahrelanges Rueckenproblem nicht geheilt hat…
man koennte davon ausgehen, dass man selbst schlauer ist und sein Antibiotikum nimmt, bis die Schachtel leer ist. Man ist das vielleicht, ich leider nicht.
Und so sitzte ich jetzt hier, hatte vor 2 Tagen erneut Fieber und bin ziemlich beschaemt, dass trotzdem so liebevoll mit Tee und Ananas und und ganz viel Herzlichkeit schon fast ganz gesund gepflegt wurde.
Gut, diesen Fehler mache ich nur ein Mal.

Fuer die Tatsache, dass ich gestern am rechten Fuss 27 Mueckenstiche gezaehlt habe, trotz des Ratschlages, doch lieber mal feste Schuhe anzuziehen, trage ich aber fast keine Schuld. Beim Waschen am Brunnen sind feste Schuhe doch recht unpraktisch, und jegliches Spray wird schnell weggeschwemmt. In dem Wissen, dass es in Tropeangsdock sowieso kein Malaria gibt, laesst sich der Schmerz dann auch viel leichter ertragen (nein, Katrin, ich habe deine kuerzliche Mueckenerfahrung nicht vergessen).

Im Dorf
Ansonsten ist auf dem Dorf alles wie gehabt nett, freundlich und wie gesagt immer noch sehr sonnig.
Wir hatten fuer 2 Tage Besuch aus Israel, und in dieser Woche hat uns meine Freundin Eliza besucht.
Bald werden wir einen Zaun ziehen, einen kleinen Garten anlegen, und der grosse Raum im Haus wird getrennt.
Die Kuehe, die unverschaemter Weise liebevoll gepflanzte Zuckerrohrpflaenzchen einfach achtlos auffressen, werden im Dezember noch eine Mitstreiterin bekommen.
Es gibt endlich ein neues Schulhandy. Wer also die Lust verspuert, mal  Empfangsrauschen im Ohr zu haben, der kann diese Chance nun gerne wahrnehmen: 00855 (0) 12267571.
Ich habe auch noch gar nicht erwaehnt, dass ich Hendriks alte Nummer geerbt habe. Hier ist sie noch einmal: 00855 (0) 92210206.

...und sonst
Nach diesem Wochende wird es vermutlich auch wieder interessanteres zu berichten geben, da wir am Sonntag mit der Conversation class einen Ausflug zum Nationalmusem und zur Silberpagode machen werden.
Bis dahin gibt es nur noch die Daumen zu druecken, dass der Geld-Transfer ueber die Western Union besser funktioniert als die Informationsausgabe an Angestellte gewisser Reisebueros, die versichern, die American Express Card werde unter allen Umstaenden in Kambodscha funktionieren…ich versichere: sie tut es nicht.

Bis bald! Lisa

Schritte vorwaerts

Samstag, 15. Oktober 2005

Was doch in 2 Wochen so alles passieren kann...ich bin beeindruckt!
Erst einmal: Lieber Hendrik! Dass das Kalb von Kuh Renate 2 Tage nach deiner Abreise geboren wurde, damit hattest du ja schon gerechnet. Es ist ein wirklich bezauberndes Wesen.
Wenn das zweite Kaelbchen auf die Welt gekommen ist, werden bald die Kuehe auf die Familien verteilt, damit sie fuer sie sorgen und deren zukuenftige Kaelber grossziehen.
Soviel zu unserem aktuellen landwirtschaftlichen Fortschritt, der beachtlich ist, jedoch von der neuen High Technology im Dorf noch ubertroffen wird.
Sie sind naemlich da, die Solarzellen, auf dem Dach des Hauptgebäudes. 3 Tage lang haben die Maenner von Khmer-Solar ihr bestes gegeben, und das mit grossem Erfolg:
Das Haus verfuegt in jedem Raum ueber neue Lampen und Steckdosen. Die alten Lampen wurden kurzerhand an die Schule in Neang Khmao gestiftet, wo die Schueler zu Jahreszeiten wie diesen nun nicht mehr im Dunkeln lernen muessen.
Nie war das Gefuehl, einen Lichtschalter zu betaetigen oder den Fernseher (ja, Fernseher) auf Standby zu lassen, so angenehm. Der Strom kommt von der Sonne, und davon haben wir hier ja wirklich genug. Aber noch mehr hat sich geaendert: seit ein paar Tagen ist im Gebaeude nun ein Buero eingerichtet. Hier treffen sich nun interessierte Lehrer und Schueler, die auf den Bildschirm eines brandneuen Computers gucken. Das Benutzen muss nur noch gelernt werden. Da kommt es doch gar nicht so ungelegen, dass ein junger zukuenftiger Student zur Universitaet schritt, um sich fuer den Studiengang "Rural Developement" einzutragen, ihm aber mitgeteilt wurde, dass er keine Mitstreiter habe. Tja, sowas erfaehrt man dann eine Woche, bevor eigentlich das Studium beginnen sollte. Lange sind wir durch die ganze Stadt gerannt, etliche Telefonate wurden gefuehrt, und nun sieht es so aus, als wuerde unser Mr. Pretty demnaechst IT studieren. Anscheinend war das ganz am Anfang schon einmal sein Wunsch, und in dem Studium geht es hauptsaechlich darum, die Grundlagen des Coputers zu lernen, aber vor allem auch, sie spaeter zu lehren...ueber jede weitere Entwicklung werde ich berichten.
Es gab auch wieder neuen Besuch im Dorf, Gabi, die als Deutsch- und Englischlehrerin in Hamburg arbeitet. In diesem Augenblick sitzt sie schon wieder im Flieger zurueck nach Hause, denn ihre Schueler erwarten sie am Montag (viele Gruesse nach Wilhelmsburg!). Rein zufaellig sitzt auch Hi-Khan in derselben Maschine, damit auch er in der naechsten Woche wieder seiner Arbeit nachgehen kann...Ich aber bleibe ja noch ein bisschen hier und, wie es aussieht, auch nicht lang allein. Ab der naechsten Woche unser Schuldirektor Mr. Sovann in das Hauptgebäude einziehen, und zukuenftige Gaeste haben sich auch schon angekuendigt.
Die erschreckende Tatsache, dass ich seit meiner Ankunft mittlerweile 3 Beerdigungen in unserem Dorf mitbekommen habe, zeigt, dass natuelich noch in vielen anderen Bereichen Vortschritte gamacht werden sollten. Menschen sterben im Alter von 40/50 Jahren an den Folgen ihres Alkoholkonsums. Vielleicht koennen uns unsere neu erungenen Medien ein wenig dabei helfen, fuer mehr Diskussion und Aufklaerung, zumindest bei unseren Schuelern, zu sorgen...wir arbeiten daran!

Ein kurzes Hallo folgt dem grossen

Sonntag, 2. Oktober 2005

Tja, hier sitze ich nun, Lisa, zukuenftige Lehrerin in Tropeang Sdock, am wohl schlechtesten Computer im Kampot und mache es daher ganz kurz:
Das grosse Abschiedsfest fuer Hendrik, Katrin und Silke war so etwas wie ein Willkommenfest fuer mich, und ich war ganz begeistert, das Dorf auf diese Weise kennenzulernen. Ich muss sagen: ich habe es jetzt schon lieb gewonnen, auch wenn der Unterricht offiziell (abgesehen von einer unerwarteten, improvisierten Deutschstunde am ersten Tag) noch nicht begonnen hat und ich noch so gut wie kein Wort Khmer verstehe (NOCH nicht!).

Ich wollte mich ja kurz fassen und wuerde gern noch so vieles sagen, schreiben, was auch immer, aber ich hoere auf, denn ich will nicht doch noch von dem Computer enttaeuscht werden, der sich gerade als doch nicht so schlecht herausgestellt hat... Was jedenfalls festgehalten werden muss:
Vielen Dank fuer den netten und herzlichen Empfang!
Gespannt blicke ich meiner ersten Arbeitswoche entgegen, die vermutlich am Mittwoch oder Donnerstag beginnen wird, und werde mein Bestes geben, die entstandenen Ideen zu verwirklichen, die Arbeit fortzufuehren und vom Ge- oder Misslingen dieser Plaene regelmaessig zu berichten...bis bald! Lisa

Boom boom boom, I want you in my room...

24. September 2005

Aber zurück zur Party: die ca. 200 Gäste haben sich wie immer bestens amüsiert im Schatten der grossen P.A., die anzutreiben wir extra einen Generator gemietet hatten. "Boom boom boom boom, I want you in my room, let's spend the night together, together in my room." Und Bier. Viel Bier. Ein tanzendes Dorf (alle). Curry mit Baguette (100 Stangen). Feierliche Reden (Drei). Spass (Unermesslich). Nicht zu vergessen der komische Schnaps, der laut französisch gehaltener Packungsaufschrift gegen Syphilis, Gonokokken (aka Tripper) und Knochentuberkulose (tuberculose osseuse) hilft... Was soll ich sagen: Ich kriege jetzt so schnell jedenfalls nix mehr davon.

Katrin und Silke (und deren zwei Freunde Klaus und Flo) hatten ihren letzten Abend im Dorf und haben sich beide ganz toll verabschiedet von den Tropangsdockern, deren Gäste sie den Sommer hindurch waren. Beide haben hier Meilensteine gesetzt, Katrin z.B. mit ihrer Studie zur sozioökonomischen Situation der Dorfbewohner. Blabla, will sagen: Katrin hat mit hiesigen Helfern und elaboriertem Fragebogen (14 Seiten, Khmer) Haushalt after Haushalt besucht und allen 111 Familien des Dorfes auf den Zahn gefühlt, was ihnen so fehlt zum besseren Leben. Das war eine echte Prüfung für alle. Was fragen wir sie? Was nicht? Funktioniert so ein Unterfangen hier überhaupt so, wie es in Potsdam funktionieren würde, Steinfurt, Ansbach?

Es hat gut funktioniert, und es haben alle freudig kooperiert. Nun kommt der Winter und mit ihm die Auswertung. Dann wissen wir unermesslich viel mehr über das Leben hier, mehr als wir sonst jemals hätten erfahren können. Immer nur noch so wenig wie jemand, der in seinem Leben noch keinen Reis gepflanzt hat, aber hoffentlich genug, um unsere hiesige Arbeit noch besser tun zu können.

Silke hat ihre schon getan, und viele Freunde im Dorf gewonnen. Hätte das süsse Baby von gegenüber nicht schon eine Mutter, es hätte jetzt eine neue gefunden. Sie hat auch unsere fortgeschritten Schüler auf eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit in die "Killing Fields" und das KZ S-21 eingeladen, zwei Stätten der Vernichtung in einem Land, das sich noch immer nicht entschlossen hat, wie mit dieser Vergangenheit umgegangen werden soll. Gerade jetzt Freitag ist im Cambodia Daily zu lesen, dass ein Khmer-Rouge-Café gegenüber des S-21 eröffnet hat. Menü (6$!!): Dünne Reisgraupensuppe aus einem Blechnapf, dazu bitterer Tee. Bedienung in den Uniformen der Mörder. Verdammte Scheisse, das ist kein Witz! Experience Auschwitz for a day. (Reuters: "Pol Pot menu too much to swallow in Cambodia")

"Und die Einundzwanzig gewinnt dieses Prachthuhn!"

Freitag, 24. September 2005

Beide, Katrin und Silke, haben ihre tollen Easy-Rider-Fahrräder verlost in der Tombola, die als Dank für die Surveyteilnahme gedacht war und zum unangefochtenen Höhepunkt unserer Freitagsparty wurde. "Und nun eee-iiii-nnn Huuuuuhn, meine Damen und Herren!, dieses wunderschöne Huhn, und wer will die Glücksfee sein, Du, komm Du mal her! Und was haben wir hier? Die Eiiin-und-Zwaaanzig, Damen und Herren, die Einundzwanzig gewinnt dieses Prachthuhn (Gegröle, Gelächter)!!...."

Das alles natürlich auf Khmer. Unsere Angestellten haben grosses Jahrmarkttalent, die Dorfies hatten grosse Freude. Ein paar haben jetzt neue Hühner, T-Shirts zur Fussball-WM, die Familienpackung Waschmittel oder eben zwei Chopper vom Feinsten. Auf Dorf-Khmer übrigens "Brüder und Schwestern" (wörtlich "Ältere Verwandte-Jüngere Verwandte") statt "Damen und Herren". Katrin hat ganz schön geschwitzt, ob das alles wohl so klappen wird. Verständlich, wenn man bedenkt, dass nicht mal jeder die Zahlen auf seinem Los hat lesen können. Aber es hat geklappt.

Vielen Dank an Silke und Katrin
Silke und Katrin haben sich verabschiedet und ziehen nun durchs Land, um noch mehr Kambodscha zu sehen. Sie bleiben uns hoffentlich gewogen, und werden weiter von ihrer Energie abgeben, um diesem Ort hier die Chancen zu bieten, die er verdient. Vielen Dank! Nun ist Lisa da, lebt sich ein, und wird auf ihre Art unsere Arbeit hier fortführen.

So blicken wir auf viel zurück, das wir den Sommer über vollbracht haben. Ein Survey ist vollbracht, viel Englisch ward gelehrt und gesprochen. Eine Photovoltaikanlage ist unterwegs. Das Dorf ist um zwei Brücken reicher, und wir um die schöne Freude, dass das Village-Committee sich an uns gewandt hat mit der Bitte um Finanzierung. Das ist gut. Nun sind wir hier endgültig angekommen. Wir kaufen das Material, sie leisten die Arbeit, und die Bauern der Reisfelder südlich und östlich des Dorfes können nun auf direktem Wege zur lebenswichtigen Arbeit.

Sehkraft, Brücken und Studenten

Unsere Freunde in Deutschland ermöglichen es nun einem weiteren Talent, auf die Universität zu gehen. Mr Pretty hat sich für "Rural Development" entschieden. Das freut mich sehr. Er lebt mit seiner Mutter in einem Haus, das nur über Reisfelddämme zu erreichen ist. That's pretty rural, I'd say. Sein Vater ist durchgebrannt, seine Schwester arbeitet in der Garment Factory (eure T-Shirts!), seine Mutter macht Reis und alles erdenkliche sonst, um sich das Leben leisten zu koennen. Z.B. alte Reissaecke ewig lang per Hand aufribbeln, um aus den Fasern Stricke zu drehen und diese dann für 2ct. pro Stück zu verkaufen...

Wir haben einem 13-Jährigen Mädchen aus dem Dorf eine so genannte Katarakt-Operation gegen ihren grünen Star bezahlt. Augenlicht=25$! Und sind im Zuge dessen mit dem netten Thomas von BrillenfürKambodscha übereingekommen, dass er und seine verbündeten Berliner Augenoptiker im Februar auch bei uns Station machen könnten. Mr Ny's Familie wird nun einen Seidenwebstuhl geschenkt bekommen, nachdem die Mutter der Familie aufgrund chronischer Kopfschmerzen nicht mehr in der Textilfabrik arbeiten kann. Das alles, und noch viel mehr... können wir machen, weil so viele in Deutschland dazu beitragen.

Passing the virtual hat

Preah Ong e.V. hat zur Zeit 85 Mitglieder und viele weitere Freunde, denen nicht herzlich genug gedankt sein kann. Damit wir aber unsere Löhne irgendwann von "bessere Form der Armut" auf "fast menschenwürdig" erhöhen können, müssten es ein paar mehr sein. Hier vor Ort kann mit wenig Geld viel erreicht werden. Nun haben wir euch die ganze Zeit nicht behelligt, weil so was ja auch eher abtörnend ist. Nun aber verabschieden wir uns, danken sehr für die Aufmerksamkeit und das Mitreisen - und lassen den virtuellen Hut rumgehen. Mit dem Geld können wir vielen Menschen ermöglichen, dass ihre eigenen, grossen Kraftanstrengungen zum Leben ausreichen. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Stellt euch einen Sack Dünger vor, der die Reiserträge beträchtlich erhöht. Ein Schwein, das 10 Ferkel wirft, die die Familie für 15$ pro Kopf verkaufen kann. Oder ein Mädchen, das länger als 4 Jahre in die Schule geht, weil ihm jemand die Uniform bezahlt.

Das Mitgliedsformular gibt es hier. Spenden werden gerne unter
Preah Ong e.V.
Konto 1022 218 844
Hamburger Sparkasse, BLZ 200 505 50
Verwendungszweck: Blogspot
entgegengenommen. Über Fragen und Vorschläge freut sich hendrik(at)preah-ong.de. Erfolge sind in Phoum Tropang Sdock, Khum Rovieng, Srok Samraong, Khet Takeo (von Phnom Penh die Route Nr. 2 nach Süden, dann auf der Nordseite des Phnom Chiso) zu beobachten. Und für die Verwendung des Geldes stehen ein und danken sehr: Silke, Vanessa, Katrin und Hendrik

By the rivers of Babylon

Sonntag, 18. September 2005

Langsam wird's voll hier, nachdem zwar Vanessa (und vorher schon Ben) gefahren ist, aber Katrin wieder unter den Lebenden weilt und ausserdem noch Hi-Khan, Klaus und Flo dazugestossen sind. Flo ist 1,99 gross und kann Obladi-Oblada auf der Gitarre spielen. Das sichert ihm einen festen Platz in den Herzen unserer Khmer. Bald kommt noch Lisa, aber dann blasen wir anderen schon zum Rueckzug und ueberlassen ihr nach kurzer Einarbeitung das Reisfeld.

Laeuft alles ganz geschmeidig grad, heute abend treffen wir den Thomas von Brillen fuer Kambodscha (www.brillenfuerkambodscha.de), die sich hoffentlich einladen lassen, im naechsten Jahr bei uns Quartier zu nehmen und von dort aus ihre tolle Arbeit zu machen. Eigentlich aber will ich jetzt gar nicht schreiben, sondern viel mehr andere triezen, dies zu tun. Die erleben ja viel mehr in ihren Fieberphantasien. Ein Fernsehtipp zum Schluss. Ich kenne es nicht, aber es klingt gut, lebensnah und ist vor allem um die Ecke (Quelle: www.hoerzu.de, gekuerzt):

Hab und Gut in aller Welt, Kambodscha, Doku-Reihe, D, 2004
Arte 24.09.SA 16:55 25Min // Wdh 30.09.FR 02:25
Hab und Gut in aller Welt
Der Lehrer Ngob Ngèt und seine Frau, die Weberin Chin Sâm-Ol, leben mit ihren fünf Kindern, einem Enkelkind und Chin Sâm-Ols Vater in einem Dorf in der Provinz Takeo, südlich von Phnom Penh. An "guten" Tagen, wenn die drei Töchter zu Hause sind und sich um den Haushalt kümmern, webt Chin Sâm-Ol bis zu zwei Meter Seidenstoff - pro Meter bekommt sie dann einen Dollar vom Zwischenhändler. Ngob Ngèt verdient als Lehrer 15 Dollar im Monat. Ohne das kleine Reisfeld, das die Ernährung der Familie sichert, wären sie schlecht dran, aber so gehören sie, was den Lebensstandard betrifft, schon zum "Mittelstand" in Kambodscha - sie haben genug zu essen, sie können Kleidung und Medikamente kaufen, wenn es nötig ist, und sie können alle Kinder zur Schule schicken.

Liebe Gruesse Hendrik. P.S.: Bilder sind vom Slowboat auf dem Tonle Kong, das zu benutzen Silke, Klaus und Flo in der naechsten Woche die grosse Freude haben werden.

Breaking News: +855 (0)92 21 02 06

Donnerstag, 18. August 2005

Liebe Leute, nun hat Hendrik auch ein Telefon, ein hiesiges. Die Nummer ist +855 (0)92 21 02 06 rpt. +855 (0)92 21 02 06. Da kann man anrufen und sollte das auch gerne tun, wenn man was wissen will oder einfach ein bisschen plaudern. Der Kitzel, mal ein kambodschanisches Handy angerufen zu haben, ist natuerlich auch nicht zu verachten. Nur Kamtschatka ist weiter weg.

Katrin, Silke und Vanessa werden auch recht haeufig auf diese Art zu erreichen sein. Also Freunde, An- und Zugehoerige, anrufen! Wir koennen's andersrum nicht so einfach. Und s'ist auch gar nicht so sehr teuer: mit 01058 als Vorwahl z.B. (vgl.www.billiger-telefonieren.de) fuer immer 16,9 ct/min.
Liebe Gruesse
Hendrik

Zwischen Bett und Erdgeschoss.

Sonntag, 14. August 2005

Der heutige Tag markiert fuer mich eine Art persoenlichen Rekord. Drei Tage in Folge habe ich gegessen worauf ich Lust habe, ohne es zu bereuen... Waehrend ich mich relativ schnell im Dorf eingelebt habe, hat mein Magen laenger gebraucht und mir zwei Wochen lang eine etwas andere Perspektive aufgezwungen. Praktischerweise hatte ich meine erste durchwachte Nacht in den Zeitraum gelegt, in dem Dinah und Catherine, unser Besuch aus Deutschland bzw. Frankreich, im Dorf weilten. Ihre Inspektion der Toepfe und Schraenke in der Kueche hatte uns am Vorabend ein grossartiges (von ihnen selbst zubereitetes) Abendessen und eine hitzige Diskussion ueber Hygiene im Allgemeinen und die Kaefer im Reis im Besonderen beschert. Sofortige Raeumungsaktion und Neubau der kompletten Kuecheneinrichtung?? Oder doch lieber paedagogisch wertvolle Aufklaerungsarbeit und schrittweise Umgewoehnung, hin zu bakterienunfreundlichen Plastikschneidebrettchen? In diesem noch nicht ganz entschiedenen Duell war ich am naechsten Morgen gewissermassen das erschlagende Argument auf dem gefliesten Boden der Tatsachen. Die ganze Nacht lang hatte ich den Weg von meinem Zimmer, die Treppe runter durch das Klassenzimmer ins Bad wie im Schlaf, oder besser wie im Fierberwahn gemeistert. Erst gegen sechs Uhr hatte ich es dann aufgegeben, die Moskitos um einen kurzen Waffenstillstand gebeten und mich auf dem wunderbar kuehlen Boden zur Ruhe gelegt.
Wer mich dort eigentlich zuerst entdeckt hat, kann ich nicht mehr sagen. Tatsache ist, dass Dinah meine "Bergung" generalstabsmaessig in die Hand nahm. Ploetzlich war ich in Decken gewickelt, hatte einen Elektrolysedrink vor der Nase und nur ein paar Minuten spaeter fand ich mich in meinem Bett wieder. Nie zuvor ist mir das Bambusgitter sooooo gemuetlich vorgekommen.
Ich waere ja gerne laenger als vier Tage liegen geblieben, aber bei der 24stuendigen fuenf Sterne Betreuung, blieb mir gar keine andere Wahl, als wieder gesund zu werden. Sobald ich meine Augen oeffnete, ging die Tuer auf (woher wussten die eigentlich immer wann ich wach werde??) und jemand fragte ob ich Tee, Cola, Wasser, Reis, Brot oder sonstwas moechte.
Hendrik und Vanessa haben mir Maerchen der Khmer vorgelesen und mich gleich beruhigt: Das ich die Pointe nicht verstanden habe, lag nicht etwa an einer krankheitsbedingten Beeintraechtigung meiner Denkfaehigkeit. Die Geschichte ging in etwa so:
“Eine Frau heiratet eine Schlange, die in Wirklichkeit ein Waldgeist ist und der Familie der Braut ein tolles Leben, mit Gold, grossem Haus und allem was das Herz begehrt, beschert. Jetzt wollen natuerlich alle Familien im Dorf ihre Toechter mit Schlangen verheiraten. Ein besonders engagierter Vater zieht los und faengt eine Riesenboa. Nach der Hochzeitsfeier wird die jungfraeuliche Tochter mit der Schlange in ein Bett gepackt, damit die Dinge ihren Lauf nehmen. Leider weiss die Boa nicht, was man von ihr erwartet und beginnt die Tochter zu verspeisen. Deren Schreie werden von der Mutter mit den Worten “Stell dich nicht so an” kommentiert. Kurz bevor die Aermste ganz verschluckt wird, faellt den Eltern draussen doch auf, dass irgendwas nicht stimmt, sie rennen ins Zimmer und befreien ihre Tochter, indem sie die Boa aufschneiden. Vollgeschmiert mit Schlangenschleim schleppen die Eltern ihr Kind dann zum See, um sie zu waschen. Sobald die Tochter das Wasser beruehrt, wird sie zu einem Delphin. Das Delphine eine so tolle glatte Haut haben, verdanken sie dem Boaschleim.” Ende der Geschichte.

Alle anderen Stories waren derart abstrus, dass ich mir weder die Protagonisten noch die verdrehte Moral merken konnte. Wie war das noch gleich? Wo Kuerbisse wachsen, da wachsen auch Flaschenkuerbisse? Wenn das nicht bei der Bewaeltigung von Gewissenskonflikten und allerlei Problemen des Alltags hilft, weiss ich es auch nicht. Von der nachhaltigen Wirkung auf die Charakterbildung bei Kindern mal ganz zu schweigen.

Irgendwann hatte ich dann, dank der liebevollen Pflege, Hunger auf etwas anderes als trockenen Reis respektive trockenes Brot. Aber was kann ich essen, ohne sofort wieder die Nacht im Erdgeschoss zu verbringen? Hier schieden sich kulturbedingt die Geister.
Der Saft junger Kokosnuesse ist nach Ueberzeugung der Kambodschaner ein 1a Mittel gegen Magenprobleme. (Isst man reife Kokosnuesse fallen einem alle Haare aus. Aber das ist eine andere Geschichte.) Ich war eher fuer Kartoffeln mit etwas Gemuese und dem unvermeidlichen Reis. Warum ausgerechnet trockenes Brot helfen sollte, konnte ich Sophea, Gong-Kea und den anderen auch nicht so recht vermitteln.

Da sich Vanessas Magen in den folgenden Tagen zeitweise ebenfalls weigerte seinen korrekten Dienst zu tun, provoziert der Blick auf Lebensmittel hier sozusagen reflexartig immer zwei Fragen: 1. Wie schmeckt es? 2. Wie wirkt es?
In 99 von 100 Faellen gibt die Antwort auf Frage Nummer eins den entscheidenden Ausschlag. Was zur Folge hat, dass Vanessa und ich uns haeufiger nachts begegnen...

Hendrik hatte mir, ungefaehr eine Woche nachdem ich im Dorf eingezogen bin, erzaehlt, dass das Grundstueck auf dem unser Heim hier steht, von Geistern bewohnt wird. So erzaehlen es sich zumindest die Dorfbewohner.
Alle zukueftigen Volontaere koennen aber ganz beruhigt sein. Sollten tatsaechlich Gespenster im Haus gewesen sein, so wurden sie von Vanessa und mir aus dem Erdgeschoss garantiert vertrieben.

Katrin

Schafe und Verbrecher

Mittwoch, 10. August 2005

Hendrik: Oh, was gibt's denn denn Komisches bei dem Stand da zu kaufen?
Vanessa: Wasser und Gestrüpp. - - - - [Pause] - - - - Ich nehme Wasser.

Ja, so eine Radtour ist was feines, besonders auf kleinen Damenrädern ohne Schaltung und an der Krokodilfarm vorbei ins Dorf zurück (Montag zu viert). Was von weitem wie Gestrüpp aussieht, sind luftgetrocknete Frösche. Ihr seht, das Leben ist wie immer bunt: auf dem Mittelstreifen des grossen Monivong Boulevard wandert eine wilde Schafherde (gesehen Sonntag). Sie sind hässlich und dreckig, aber sie überqueren die Strasse so ungerührt wie echte Kambodschaner. Hinter der Hauptpost wohnt eine weitere Schafherde. Die muss sich allerdings immer mit den Affen von der Stromleitung um die Leckerlis aus dem Müllberg streiten.

Aber leider ist nicht alles nur lustig und bunt in unserer kleinen, rechtlosen, korrupten Bananendiktatur, die alles mit Füssen tritt, was gut und richtig ist. In einem inszenierten Schauprozess wurden gestern zwei Oppositionsabgeordnete aufgrund haltloser und unbewiesener Vorwürfe zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Militärgericht war nicht zuständig, Verteidigung durfte nicht stattfinden, und die Beobachtung durch sieben westliche Botschaften hat auch nichts geändert. Doch lest selbst, was für eine eklatante Willkür hier an der Tagesordnung ist. Ich bin sehr böse. Hendrik

Cambodia: Opposition MP Jailed After Sham Trial 09 Aug 2005 16:30:16 GMT Source: Human Rights Watch (Auszüge)
(New York, August 9, 2005) -- The conviction of opposition parliamentarian Cheam Channy on charges of forming a "secret army" is a blatant attempt to eliminate the political opposition, Human Rights Watch said today. Cheam Channy, a member of the Sam Rainsy Party (SRP), was sentenced to seven years imprisonment this morning after a half-day trial Monday before Cambodia's National Military Court.

"Cheam Channy's conviction before a military court was not only grossly unfair, but poses a serious threat to Cambodia's democracy," said Brad Adams, Asia director of Human Rights Watch. "A democracy without a political opposition is effectively a dictatorship."

Human Rights Watch said that the trial judge, Military Court President Ney Thol, conducted the trial in a visibly biased manner and blatantly prevented Channy's lawyers from presenting a proper defense. "The trial was a complete sham," said Adams. "Once again Cambodia's politicized judiciary has been used as a tool to silence the opposition."

Weiterlesen: http://www.alertnet.org/thenews/ newsdesk/HRW/058102e3739cd18a48307332c094b26a.htm Leerzeichen wieder rausnehmen

Nur Accounting mag er nicht

Dienstag, 9. August 2005

Soryas erster Student beginnt sein zweites Jahr
Die durchwachten Nächte im Schein der Öllampe haben sich bezahlt gemacht: Während unser Lehrer Sovann vor einem Jahr noch rund um die Uhr für das Abitur lernte, beginnt in diesen Tagen sein zweites Jahr als Student an der Build Bright University. Ermöglicht haben das einige Mitglieder von Preah Ong e.V., die das Stipendienprogramm Mithona ins Leben gerufen haben und Sovann finanziell unterstützen. Bis zum Jahr 2010 will Preah Ong nun Paten für zehn weitere Studenten finden.Von Montag bis Freitag ist alles so wie immer: Unser Lehrer Sovann unterrichtet mit grossem Elan, erzählt seinen Schülern von den vielen bunten Dingen aus MacMillan’s Illustrated Dictionary und treibt Scherze mit den Volunteers. Jeden Freitag abend aber wirft sich der 22-jaehrige Sovann in Schale und fährt mit dem Motobike die 54 Kilometer nach Phnom Penh, um dort pünktlich am Samstag morgen um 7 die Uni-Bank zu drücken.Für Sovann geht damit der Traum vieler Kambodschaner in Erfüllung: In drei Jahren ist er Master of Business Administration, beste Job- und Gehaltschancen inklusive. Dazu beigetragen haben auch Mitglieder von Preah Ong, die sein Studium finanziell unterstützen. Zusätzlich zu seinen 35 US-Dollar Gehalt erhält der smarte Sovann 15$ monatlich als Stipendium von seinen Paten. Für das berufsbegleitende Studium mit 18 Stunden pro Wochenende muss Sovann 29$ pro Monat bezahlen. Dazu kommen die Kosten für Bücher, Benzin, Essen und Unterkunft.Das Geld ist knapp bemessen, aber mit Geld und Zahlen kann Sovann gut umgehen. Schliesslich hört er jeden Samstag und Sonntag von 7 bis 11.30 und von 13.00 bis 17.30 Vorlesungen wie Management, Marketing, Accounting oder auch Business English. Auch eine Einführung ins kambodschanische Recht steht auf dem Stundenplan. Das ist wichtig in einem rechtlosen Land wie Kambodscha, dessen Geschicke die jetzigen Studenten einst lenken sollen.Mit Sovann studieren etwa 50 weitere Kambodschaner, die wie er berufstätig sind und so am Wochenende studieren. Die meisten von ihnen arbeiten für NGOs und Banken, erzählt uns der in Hemd und Bügelfaltenhose gekleidete Sovann in seiner Mittagspause. Mit seinen 22 Jahren ist Sovann einer der jüngsten in seiner Klasse. Seine Kommilitonen, unter ihnen etwa zehn Frauen, arbeiten für Unicef, Unesco oder kambodschanische Banken. Sovann kann so schon NGO-Luft schnuppern, denn leider sind die ausländischen Organisationen noch immer die grössten Arbeitgeber mit den besten Löhnen. Viele junge Kambodschaner träumen davon, für eine der mehr als 2000 Organisationen im Lande zu arbeiten.Voraussetzung für ein Master-Studium ist auch hier ein dem Abitur vergleichbarer Abschluss. Den zu erlangen ist schwierig: die Schüler beginnen lange vor der Prüfung, Privatstunden zu nehmen und sich die Nächte um die Ohren zu schlagen. Vor einem Jahr noch lernte Sovann 20 Stunden am Tag, um die grossen Erwartungen seiner Familie in den einzigen Sohn nicht zu enttäuschen. Allabendlich zog er sich mit der Petroleumlampe ins Klassenzimmer zurück, um dort zu büffeln. Als wir ihm damals die Weckfunktion des Schulhandys zeigten, war er sehr erleichtert – vorher hatte er eigens draussen geschlafen, um sich von den Mücken schnell wieder wachstechen zu lassen.Im Dorf Tropang Sdock lernen viele andere begabte Kinder eifrig für die Schule und hoffen auf die Chance ihres Lebens. Preah Ong hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2010 zwei SchülerInnen pro Jahr ein Universitätsstudium zu ermöglichen. Das dauert in der Regel vier Jahre, und wenn sich die Familie nach Kräften beteiligt, reicht ein Zuschuss von 50$ pro Monat aus.Das ist viel Geld für eine Person. Wir glauben aber, dass diese maximal 2400$ pro Student gut investiert sind. Sie ermöglichen einem sehr talentierten, ehrgeizigen Mädchen oder Jungen, das eigene Leben und das vieler Verwandter aus eigener Kraft zu verbessern und das zu tun, wofür Eignung und Interesse am grössten sind. Für Kambodscha ist es sehr wichtig, dass eine ehrliche, gebildete und fleissige Generation heranwächst, die ein Stück weniger anfällig für Korruption und Rechtlosigkeit ist.Dazu sucht Preah Ong Paten, die mit 5 oder 10 Euro pro Monat einen Schüler unterstützen wollen. In den nächsten Auswahlrunden sollen besonders Mädchen berücksichtigt werden, die in Kambodscha oft benachteiligt werden. Vereinsmittel fliessen für das Programm Mithona keine.Sovann übrigens will sich noch nicht festlegen, was die Zeit nach dem Studium angeht. Zunächst bleibt er uns für drei weitere Jahre als Lehrer erhalten. Seine gute Ausbildung beginnt allerdings bereits Früchte zu tragen. Neben seiner Tätigkeit für uns unterrichtet er seit neuestem die Belegschaft der benachbarten NGO Partners in Compassion und verdient sich so ein paar Dollar dazu. “Your future’s brighter with Build Bright” ist der Werbespruch der Universität – für Sovann gilt das schon, und hoffentlich bald für viele weitere.
Silke, Katrin, Vanessa und Hendrik
Fragen oder Interesse an einer Patenschaft? mithona(at)preah-ong.de
Internetseite von Sovanns Universität: http://www.bbu.edu.kh/

Ein Lied lang viel Schaum

Sonntag, 7. August 2005

Von Aussen mag das Ganze sehr lustig aussehen:
Sobald Kim Nget, die die Kleinen in Englisch unterrichtet, kurz vor fuenf Uhr auf der anderen Seite des Weges auftaucht, lassen die kleinen Bildhauer ihre Lehmskulpturen liegen und die kleinen Nachwuchssportler bringen Baelle und Federballschlaeger zurueck. Das Klassenzimmer wird gestuermt und die Kuenstler verwandeln sich schnell in eifrige Schueler.

Vor den Schulgebaeuden wird es still, man hoert nur immer wieder ein begeistertes Nachsprechen (besser gesagt nachschreien aus voller Kehle...) THIS IS MY HAND. MY HANDS ARE CLEAN. MY HANDS ARE DIRTY.

Es macht alles einen relativ friedlichen und ruhigen Eindruck, aber der Schein truegt. Um kurz vor 6 kommen als erstes Anzeichen des aufziehenden Unwetters drei Barangs aus dem Gebaeude links und komischerweise steckt in jedem der drei Muender eine Zahnbuerste. Manch ein Kambodschaner mag sich ueber die komischen europaeischen Braeuche wundern, die Zahnbuersten im Mund spazierenzutragen.

Weitere Utensilien: ein CD-Player mit Autobatterie und eine grosse Plastiktuete. Kim Nget kommt aus der Klasse und verwandelt sich von der Lehrerin zur Massenmanagerin und Hygienebeauftragten, verteilt heldenhaft mitten in grossem Tumult die mit Namen beschrifteten Zahnbuersten und die drei Barang-Maedels (Barang = weisse, langnasige Auslaender, H.) schmieren Zahnpasta auf jede Buerste und schliessen die Musik an.

Die ersten Kindergesichter verziehen sich bei dem Minzgeschmack... ist das das erste Mal mit einer Zahnbuerste im Mund?? Manche der Kinderzaehne vermitteln leider diesen Eindruck.

Was machen wir daraus? Ein Drei-Minuten-Fest jeden Tag, die Musik geht naemlich an, und ein Lied der Beatles lang wird in jedem Mund wild geputzt und geschrubbt. Es schaeumt, Zahnpasta rinnt ueber Kindergesichter, vor der Kamera wird stolz posiert, mit Zahnbuerste und Schaum, und man grinst sich zufrieden an. Leider leider waren die Zahnbuersten trotz zweimaligem Aufkaufen des gesamten Marktes wieder nicht genug, weil noch mehr Kinder da waren. Es spricht sich also herum...
Was es allerdings definitiv zu optimieren gilt, ist das Ende, dass diese kleine Fest momentan noch nimmt: Wildes Gespucke in alle Richtungen, man rutscht nun nicht mehr durch den Schlamm, sondern durch Zahnpasta und Kinderspucke. Natuerlich ist es nicht ganz optimal, dass zu dieser Tageszeit geputzt wird, ich moechte gar nicht wissen, wieviele Kinder danach heimgehen, um zu essen oder sich doch noch ein paar Suessigkeiten finden lassen, aber es ist ein Anfang.
Und davon machen wir viele, dann ist es schon ein bisschen mehr.

silke

Angela Merkel, der Spritpreis und Ich

Dienstag, 4. August 2005

Meine Lieben,

ganz Kambodscha aechzt unter einer Zahl, die heisst 3500 (bey poan pram rooy), ist der derzeitige Spritpreis und das groesste Problem eines Landes, in dem grosse Probleme zu den wenigen Dingen gehoeren, an denen es nicht mangelt.
Hier wird wenig hergestellt, aber alles importiert (Faustregel: fuenf Minuten Lebensdauer = China, mittelschlechtes Plastik = Vietnam, passable Qualitaet = Thailand), so dass jeder Produktpreis mit den Transportkosten steigt und faellt. Steigt. Vor einem Jahr noch war der Liter Benzin fuer 2700-2900 Riel (0,57 Euro) zu haben, nun ist er mit besagten 3500 Riel (0,71 Euro) 25% teurer (http://www.oanda.com/convert/classic).

Dafuer verantwortlich sind drei Faktoren: Neben den Weltmarktpreisen ist das die hohe Besteuerung des Benzins durch die kambodschanische Regierung, die ueber wenig andere verlaessliche Steuerquellen verfuegt, aber auch die hohen Margen der hiesigen Mineraloelindustrie, nicht selten in den Haenden reicher Politiker.

Das klingt nun sehr technisch, wirkt sich aber unglaublich uebel aus auf die Kleinwirtschaft auf Maerkten und Strassen, auf denen das Hin- und Herkommen von Mensch und Ware so sehr viel teurer geworden ist. Die Trockenheit, unter der die Provinz Takeo im dritten Jahr darbt, tut ihr uebriges, und treibt die Preise fuer Heu, Feldfruechte, Tiere und landwirtschaftliche Erzeugnisse in die Hoehe.

Das ist der Rahmen und mit ihm die oekonomische Stimmung, der wir uns nicht entziehen koennen, bei aller Freude und Fortschritt, die wir in unseren Dingen empfinden. Seit einigen Tagen sind nun alle Barang im Dorf, und waehrend Vanessa und Katrin noch in Waffenstillstandsgespraechen mit ihren Verdauungstrakten stecken, sind Silke und Hendrik munter und froehlich inmitten all der Dinge, die sich bei uns zum Guten entwickeln.

Ein neues, prachtvolles Haus ist fertiggestellt, es hat zwei Etagen und Lichtschalter!! Anke wird sich erinnern, wie sie hier noch den Mittagsreis mit schwarzem Gesicht am offenen Feuer bereitete. Ein Kuhstall mit fuenf Kuehen (zwei davon schwanger) steht neben einem bluehenden Gemueseanbau, dahinter eine Reihe Zitronengras, aus dem wir leckeren Tee kochen. Genau, das leckere Zeug vom Thailaender, bei dem ihr so gerne essen geht!

Auch den Freunden hier geht es gut, manche mit interessanten Plaenen fuer die Zukunft. Wer schon hier war und unsere Leute kennt, moege mir schreiben und mehr erfahren. Natuerlich ist nicht alles super, und Mr Nys Familie hat grosse Geldsorgen, weil seine Frau nicht mehr in der Textilfabrik arbeitet. Doch in allen ist eine grosse Tatkraft zu spueren, die uns auch dafuer Ideen finden werden laesst.

Im September wird es spannend, da wird uns ein Kalb gebor'n (von einer Jungkuh auserkor'n), und wir werden live und direkt berichten. Und die Neukuh alsbald unter den aermsten Familien des Dorfes verlosen, wie es unsere Idee war. Ein Kaelbelein so zart und fein, das soll ihr Freud' und Wonne sein. Hach ja, das Wunder der Geburt.

Hi-Khans Freundinnen und Vereinsmitglieder Dinah und Catherine aus Hamburg und Paris waren ein paar Tage bei uns, haben sich vor Geckos gegruselt, mit Kindern getoepfert, auf harten Betten geschlafen und wurden abwechselnd fuer Moslems, Jungen, Schwestern, Krankenschwestern und Witwen gehalten, die ersten zwei aufgrund von Dinahs kippa-aehnlicher Muetze, die letzteren zwei aufgrund ihrer weissen Kleidung. Sie mochten den Ort sehr, an dem die Kinder so echt und froehlich lachen wie sonst selten, haben Silkes Schattentheater bestaunt und haben gute Anregungen gegeben, was besser werden kann und muss. Wenn ich gleich ins Dorf zurueckkehre, wird hoffentlich schon eine geflieste Kuechenarbeitsflaeche den Freunden Baktus und Virus allen Spass an uns verdorben haben.

Und, damit sich der Kreis schliesst: Dinah ist Fotografin von Beruf, hat Fotos vom neuen Haus gemacht (auf Anfrage beim Hi-Khan, khan(at)preah-ong.de) - und eben auch oft von Angela Merkel. Und von der wird ja in Zukunft noch mehr zu hoeren sein.

Liebe Gruesse - am Wochenende werden auch Silke und Katrin mal die Tasten betaetigen.
Hendrik

Auch Schweine werden nicht gern nass

Freitag, 29. July 2005

Hallo meine Lieben,

es ist mal wieder soweit. Post aus Kambodscha diesmal.
Gestern sind wir ganz frueh am Morgen, die Grenze war sogar noch gar nicht offen als wir ankamen, nach Kambodscha eingereist. Vor der Grenze stand schon ein Stau aus Karren, beladen mit Menschen, Tieren und Obst in riesigen Koerben. Um sieben Uhr, nachdem der letzte Ton der thailaendischen Hymne verschallt war, gingen dann die Planken hoch.

Das Einreisen an sich war schon kompliziert genug: eine Huette mit verschiedenen Schaltern, die wir der Reihe nach abklappern mussten, immer begleitet von hilfreichen Kambodschanern, die in einer Traube um uns standen, uns abwechselnd gesagt haben, wo wir was hinzuschreiben hatten (Feld: Family Name - hilfreicher Kambodschaner: Here you write your name, please. Feld: Passport Nr. - hilfreicher Kambodschaner: write Passport Number!
Hach, danke, darauf waere ich alleine natuerlich niemals alleine gekommen, willst du mir auch noch sagen, welchen Fuss ich zuerst anheben soll um die naechsten drei Schritte zum 50. Schalter zu gehen?!) und versuchten herauszufinden woher wir kamen und wohin wir gingen. Letzteres um uns ihre Fahrdienste anzubieten. Where you go, I can bring you. Very cheap!

Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht, es fuehlte sich fast an wie nach Hause kommen, ich hatte vergessen wie Kambodscha funktioniert. Also waren wir eher darueber belustigt, dass sie uns Schalter fuer Schalter noch ein paar Dollar mehr aus den Taschen gezogen haben.
Selbst Hendriks Darbietung seiner Khmerkenntnisse hielt die ueberaus begeisterten dicken Beamten in Uniform nicht davon ab, fuer das Visum mehr zu verlangen als sie sollten.

Oder das Gesundheitszertifikat, das wir uuunnnbedingt brauchten. Schon wieder von den Khmerassistenten in das naechste Zimmer gescheucht. Ein gelber Zettel auf dem anzugeben war, ob man Fieber hatte oder sich anderweitig unwohl fuehlte. Ob man einen Impfausweis hatte. Komisch, nur, dass den dann wiederum niemand sehen wollte und die gesundheitliche Befindlichkeit auch mit einem Kreuz an der richtigen Stelle abgehakt war. Please fill out and then pay 100 Baht. (aeh, und wofuer? Um mir meine eigene Gesundheit zu erkaufen?

Aber dafuer mag ich Kambodscha ja auch. Es gibt hier sehr viele undurchsichtige Vorgaenge und Regeln, die mich immer wieder ratlos mit den Schultern zucken lassen.

Dann gings ab zum Minibus, in dem wir uns die naechsten 8 Stunden aufgehalten haben. Diese Strasse... Die macht allen Extrembelastungsteststrecken Konkurrenz. Eigentlich hatten wir den Weg zur suedlichen Grenze auch nur gewaehlt, weil Silke geschrieben hatte wie abenteuerlich die Strasse sei. Wir sassen dann zu viert auf drei Sitzen und wurden abwechselnd als kompakte Masse nach rechts und links geschleudert, sich einzeln zu bewegen war unmoeglich.

An Schlafen war nicht zu denken, dabei hatte der Wecker schon um 5 Uhr geklingelt. Tiefe Loecher voller Schlamm, Schlamm voller Loecher, an manchen Stellen eine Strasse kaum erkennbar. Berge rauf und runter, alles im Schneckentempo. Manchmal neigte sich der Bus bedenklich blieben wir in einem besonders tiefen Schlammloch stecken. Das machte alles grossen Spass, bis die Muedigkeit ihn nahm.

Unterbrochen wurde die Fahrt nur an den Flussuebergaengen, an denen der Minibus zusammen mit anderen Autos auf eine aus Brettern zusammengenagelte Faehre gelotst wurde. Zentimeterarbeit, begleitet von zwei Khmereinweisern, die vor und hinter dem Auto standen und es rueckwaerts ueber die glitschigen Planken sehr nahe am Rand der Faehre entlang an den richtigen Platz dirigierten. (Da haben wir mal schnell das Fenster aufgemacht um einen Fluchtweg zu haben, sollte die Faehre der Ueberbelastung nicht standhalten.)

Zu allem gab es noch den schoensten wildesten Regenzeitregen, den man sich vorstellen kann. An einer Faehrstelle hatten wir uns unter das Dach aus zusammengebauten Blechen gerettet, durch deren Nahtstelle (Nahtstelle?? Bruchstelle! H.) das Wasser nur so durchrauschte. Die Kinder planschten in dem Wasserfall der am Ende des Daches herunterlief. Ein Schwein stand teilungluecklich im Regen und sah dabei verdriesslich/goldig aus. Genaugenommen sahen alle Tiere etwas verdrossen aus.

Die Menschen hatten, was ich sehr erstaunlich fand, Schirme in allen Farben und Formen. Besonders der Khmermann in dunkelgruener Soldatenuniform mit einem dunklen zu kleinen Maedchenschirm mit rosa Puscheln am Rand sah toll aus.

Irgendwann abends kamen wir dann erschoepft in Sihanoukville an, in einem Guest House, dessen Besitzerin sich noch an Hendriks letzten Aufenthalt dort erinnerte und nicht aufhoerte zu laecheln und zu grinsen.

Abendabschluss: das All you can eat Buffet im Guest House nebenan. Mit Selbstgrillanlage und Koestlichkeiten aller Art.

Es hoert einfach nicht auf zu regnen. Dabei wollte ich so gerne ein bisschen am Strand herumlungern und schwimmen gehen. Kaum glaubt man, am Himmel ein Fitzelchen Hell entdeckt zu haben, faengt ein Sturmwind an zu blasen, so dass sich die Palmen biegen und ich gar nicht wissen will was mit den kleinen Holzhuetten der Khmers passiert.
Mit dem Wind fegt dann der Regen durch die Strassen. Thoeun sagt im Dorf herrscht Duerre.

Morgen fahren wir weiter nach Phnom Penh um uns mit dem Rest der Crew zu treffen.
Von dort dann Neues.
Liebe Gruesse an alle!
Vanessa und Hendrik

Mein Bruder Herbert Heinze

Endlich habe ich ihn gefunden, den lang verschollenen Bruder: Herbert Heinze, Freiligrathstrasse 6, 10967 Berlin. Stolzer Inhaber eines Guesthouse in Trat (Suedthailand), stolzer Beherberger Vanessas und meiner selbst.

Ankunft um 2100, Abendessen, dann um 2300 der Blick auf die hauseigene Visitenkarte und die Feststellung, dass Heinze ein eher ungewoehnlicher Name fuer eine Thai-Frau ist. Auszuege aus dem folgenden Gespraech:
Heinze (D): "I just saw your name and wanted to show you my passport. See, I've got the same name."
Heinze (Th): "uhhihuhhhih. My husband name Heinze!"
Heinze (D): "Yeah, maybe I'm his brother."
Heinze (Th): "Yes, can be. He's got a brother, he tell me."

Jedenfalls, um das abzukuerzen: Ich bin nicht sein Bruder. Er ist nicht meiner. Er sieht mir nicht aehnlich, den Beteuerungen seiner Frau zum Trotz ("oooh, same face, same same"). Sie lebt in Thailand, er in Berlin, wo sie auch einst lebte ("very cold, cannot work"). Nette Frau. Goldige Kinder. Tolles Guesthouse.

Auch sonst alles gut, inzwischen in Sihanoukville, das von Stuermen geschuettelt und von Regen durchnaesst leider keine Strandidylle bietet. Wer was nicht so gutes lesen will:
http://www.kantipuronline.com/kolnews.php?&nid=47102 ueber die verkommene Entwicklungshilfeindustrie.
Liebe Gruesse (besonders an den werdenden Expat Denny)
Hendrik Vanessa

Happy Happy

27. July 2005

Alles anders, alles gleich. Bangkok ist immer noch 'ne heisse Angelegenheit. Cheap Cheap, jeder versucht sein Glueck und ist dabei so laut wie moeglich, zumindest in diesem Teil der Stadt, den die ehrbaren Thais abgetreten haben an die lauten Menschen von ueberall. Der heisst Khao San Road, und es ist ein bisschen so, wie wenn um 1900 ein Kind ein Pfui-Wort gesagt hat und dann der Mund mit Seife ausgespuelt wurde. Bzw. so sollte es sein. Regen, der die Suenden wegwaescht und so.

Das ist natuerlich auch andrerseits schoen, ein bisschen glitzerndes Laster, Dreadlock Holiday und lange schlafen. Dennoch ist's jetzt gut, und nach erfolgter Akklimatisa- und Akkulturation brechen Vanessa und ich heute nach Hatlek auf, um dort die Grenze nach Kambodscha zu ueberqueren. Hoffentlich heute, wahrscheinlich morgen. Grenzen schliessen hier um 1730. Dann geht es weiter auf einer Strasse, die zu beschreiben Silke die Worte fehlten, und spaetestens uebermorgen sind wir dann in Phnom Penh, wahlweise Sihanoukville eingetroffen.

Silke und Katrin haben ihre Etappen erfolgreich bewaeltigt, das Land der Khmer betreten und sich dem Dorfe angenaehert, wo wir sie Freitag? treffen werden. Dann fallen wir uns gegenseitig und den lange nicht gesehenen kambodschanischen Freunden freudig in die Arme und fahren wieder nach Phnom Penh, zur Feier des Tages ein bisschen was fritieren. Gibt da so lauschige kleine Selbstgrillrestaurants. Ich sage nur: "Pork Volcano".....
Liebe Gruesse
Vanessa Hendrik

Schlag auf Schlag

21 Juni 2005

Eine muss ja den Anfang machen. In diesem Fall ist es Katrin, die am 17.07. und damit als erste den Kontinent wechseln wird. Extra über Istanbul und Bangkok, der behutsamen Annäherung wegen. Die anderen folgen Schlag auf Schlag, und ab dem 25.07. werden wir uns hier in lebhaftesten Schilderungen unglaublichster Dinge ergehen.

Wer es noch aktueller braucht, kann auf dem Organisationshandy unter +855 (0)12 26 75 71 von uns die neuesten Berichte erhalten (bei www.billiger-telefonieren.de ab 15 Cent, "Kambodscha Mobilfunk" // Kambodscha +6h). Alle anderen: Willkommen auf unserer Seite. Mögen die Spiele beginnen.
Liebe Grüße von
Silke, Katrin, Vanessa, Hendrik