Kühe für Kambodscha

„Jetzt geht’s los“, hieß es eines sonnigen Morgens. Mr Thoeun und ich wollten Kühe kaufen fahren. An der Hauptstraße trafen wir drei Kuhmakler, die von guten Tieren in der Umgebung wussten. Schnell verließen wir den Teer der Landstraße wieder und brausten auf unseren Rollern auf engen, staubigen Wegen durch die unendlichen Reisfelder. Unzählige Male bogen wir auf noch verschlungenere Wege ab, bevor sich wie aus dem Nichts wieder breite Staubstraßen auftaten. Wir überholten Menschen mit großen Bündeln von Kokosnüssen auf ihren klapprigen Fahrrädern. Die Wege wurden wieder kleiner und ich fing an mich zu fragen, wie die Kambodschaner sich in diesem Labyrinth aus Reis und Staub zurechtfanden. Doch da war sie schon, die erste Kandidatenkuh. Nach langen Verhandlungen lehnten wir ab – zu alt und zu teuer. So ging es weiter durch die Felder, bis wir nach zwei Tagen vier gute Tiere gefunden hatten.

Reiner Uehleke, Bamberg.


Aktion zur Fußball- Europameisterschaft 2004
Mit ihrer Odyssee haben Reiner und Thoeun im Jahr 2004 die Grundlage für eine stetig wachsende Herde gelegt. Die Kühe (genau genommen sind es Zebu-Buckelrinder) behalten wir aber nicht, sondern geben sie bedürftigen Familien der Umgebung zur Pflege. Wenn die Kuh ein Kalb gebärt, bekommt die Familie es als Lohn ihrer Mühen.

Dieser Schatz eröffnet einer kambodschanischen Familie einige Möglichkeiten. Sie können das heranwachsende Kalb als Grundstock einer eigenen Herde nehmen. Ist es ein männliches Tier, kommt es als Zuchtbulle in Betracht. Ein ausgewachsenes Rind leistet unersetzliche Dienste bei der Feldarbeit. Bei Ernteausfällen und Notlagen sind Kühe oft die einzige Lebensversicherung, und auch mit Rindfleisch lassen sich hohe Erlöse erzielen.

Die bedürftigen Familien werden uns vom Dorfkomitee vorgeschlagen. Dann wird öffentlich ausgelost, wer eine Kuh bekommt, denn noch haben wir nicht genug Tiere, um jeden Haushalt zu versorgen. In einem unter den Augen der Dorfgemeinschaft geschlossenen Vertrag werden die Rechte und Pflichten von Sorya und den Pflegefamilien festgehalten.
Zebu-Buckelrind
Für die Pflege, Unterbringung und Befruchtung der Kuh ist die Familie zuständig. Die Zebu-Buckelrinder sind (anders als Schweine) relativ pflegeleicht und kostengünstig im Unterhalt. Wenn die Familie im Haus und auf dem Feld arbeitet, kann sie das Tier nebenbei hüten. Wenn das Kalb geboren ist, zieht die Kuh weiter und unterstützt einer anderen Familie, das Leben ein Stück besser zu machen.

Die Mission Muh finanziert sich komplett aus dafür bestimmten Spendengeldern. Jede Kuh hat einen oder mehrere Paten in Europa, die den Kauf ermöglicht haben und den Weg ihres Schützlings aufmerksam verfolgen. Einige unserer Mitglieder haben im Fußballverein, im Betrieb oder auf privaten Feiern dafür gesammelt. Andere haben ihren Lieben eine Kuh symbolisch zu Weihnachten oder zum Geburtstag geschenkt. Bei großen Fußballturnieren wie der EM und WM veranstalten wir Tipprunden mit vielen Teilnehmern und bitten dabei um Spenden. Eine Kuh kostet etwa 300 bis 400 US-Dollar, also rund 300 Euro. Ihr Wert für die armen Familien in Tropang Sdock und Umgebung ist unschätzbar.