Auf dem Weg zur kleinen Seidenmanufaktur

Kim Nget, Kungkea und ich sitzen auf dem Boden und zerschneiden und zerstampfen Blätter. In zwei Erdlöchern neben uns lodern Feuer, in den Kesseln darüber kochen Rinden verschiedener Bäume, Blätter und Früchte. Wir färben Seide. Es ist der zweite Tag an dem wir mir mit Mr Ny, Leak und Hiang alle Färbepflanzen und Kombinationen ausprobieren. Banane, Lychee, Indigo, Mango, Prohut, Almond, ...alle Pflanzen die wir finden und die Farbe enthalten. Viele Nachbarinnen sind gekommen um zu helfen, einige Kinder zum zuschauen. Ein bisschen fühle ich mich wie im Mittelalter, der Geruch von verbranntem Holz, Rauch, dampfende Kessel. Wir sitzen auf dem Boden und betrachten die vollbrachte Arbeit: Auf einer Holzstange trocknet die gefärbte Seide, in der Sonne die Hölzer und Blätter. Um mich herum die Nachbarinnen mit ihren Kindern - eine Gemeinschaft. Am nächsten Tag geht es weiter, zwischendurch wird der Webstuhl angeliefert, für uns angefertigt... das ganze Dorf ist dabei.

Kathrin Pelz, Berlin


Vor tausenden von Jahren gelangte die Seide aus China nach Kambodscha und ist seit jeher fest in dessen Kultur und Tradition verwurzelt.
Unter der Schreckensherrschaft der Roten Khmer von 1975-1979 wurde das Ausleben letzterer jedoch vollständig unterdrückt: In der dunkelsten Periode in der Geschichte der Kambodschaner wurde das Wissen um die Verarbeitung der Seide weitestgehend zerstört. Der Grossteil der Weberinnen wurde ermordet - Webstühle dienten als Brennholz. Nur wenige haben das Regime überlebt und mit viel Willenskraft das Seidenhandwerk am Leben erhalten können.

Heute ist das primäre Ziel der Eigenversorgung im ländlichen Kambodscha stets vorherrschend. So entsteht das Haupteinkommen eines Haushaltes durch die Bewirtschaftung des eigenen Reis- und Gemüsefeldes. Das Seidenhandwerk bildet für die meisten Frauen die einzige Möglichkeit, sich neben der harten Feldarbeit ein wenig Geld dazu zu verdienen. Mittlerweile gibt es etwa 10.000 Weberinnen in Kambodscha. Zwei Drittel von ihnen leben in der Provinz Takeo, in der Sorya tätig ist. Die meisten üben ihr Handwerk, das meist von Generation zu Generation weitergetragen wird, wie damals von zu Hause aus.


Die Idee von der Errichtung einer Seidenmanufaktur ist nicht neu: Zahlreiche Organisationen haben sich bereits mit diesem Thema beschäftigt und ihre Pläne in die Tat umgesetzt. Jedoch finden wir, dass sich hier noch einiges verbessern lässt und die Weberinnen einen höheren Nutzen aus ihrer Tätigkeit ziehen können. So bleibt zum Beispiel eine angemessene Vergütung für die aufwändig gefertigten Produkte weitgehend aus und das Geld versackt in den Händen profitorientierter Zwischenhändler.

Sorya möchte nicht nur dem entgegenwirken, sondern auch die Entwicklung jedes Individuums in den Vordergrund stellen. Motivierte Frauen sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Kreativität auszuleben und eigene Ideen zu realisieren. Ihre Ausbildung und ihr Wissen sollen schließlich so weit reichen, dass sie es in Zukunft sein können, die die kleine Seidenmanufaktur aus eigener Kraft erfolgreich weiterführen.
Eine weiteren Herausforderung, der sich die kleine Seidenmanufaktur stellen wird, ist, sich in Europa einen Namen zu machen, wo die Qualität der Produkte auf eine entsprechend starke Kaufkraft stoßen kann. Der Erlös soll anteilig den Weberinnen und auch den Entwicklungsprojekten Soryas zufließen. Durch die Seidenmanufaktur möchten wir zudem den Aufbau der ländlichen Infrastruktur und den allgemeinen Demokratisierungsprozess in Kambodscha fördern.

Wir hoffen dass Sie uns begleiten „auf dem Weg zur kleinen Seidenmanufaktur“.